Wärme in die Luft geblasen?

Erndtebrücks CDU erneuerte Kritik an Ijsseconsult / Kommunalaufsicht soll Vorlage prüfen

Erndtebrück. Die Erndtebrücker CDU-Ratsfraktion erneuerte ihre Kritik an der Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem umstrittenen Beratungsunternehmen Ijsseconsult. Bei einer Pressekonferenz machten die Christdemokraten gestern deutlich, dass man das vermeintliche Energiekonzept (Siegener Zeitung berichtete mehrfach) der »Kommunalstrategen« anzweifele und große Bedenken hinsichtlich des vorgelegten Zahlenwerkes habe.

»Aus unserer Sicht ist die Vorlage, die offensichtlich von Ijsseconsult geschrieben wurde, kein Konzept, sondern nur ein verwirrendes Zahlenspiel mit einer konzeptlosen Aussage«, stellte CDU-Fraktionssprecher Fritz Hoffmann fest. Ijsseconsult prognostiziere bei einer Investition von 1,5 Mill. e einen jährlichen Ertrag von 400000 e. »Damit würde eine jährliche Rendite von 26,7 Prozent erreicht. Hier sei die Frage erlaubt, warum nicht Ijsseconsult selbst investiert«, fragte Fritz Hoffmann. Die CDU verfolge einen völlig anderen Ansatz. Energieeinsparungen müssten an erster Stelle stehen. Erst wenn man nämlich Reduzierungen von Wärme- und Energiebedarf erreiche, dann kann man über Wärme- und damit auch Stromerzeugung über Kraftwärmekopplung oder erneuerbare Energien nachdenken«.

»Was wir brauchen, ist ein Energiepass für die öffentlichen Gebäude. Wir müssen Schwachstellen aufdecken und sie beseitigen«, ergänzte CDU-Fraktionskollege Jürgen Henrich. Es könne nicht sein, unterstrich Fritz Hoffmann, dass viel in Energiegewinnung und die Erzeugung unnötiger Wärme investiert werde und »diese dann wegen schlechter Wärmedämmung an die Umwelt abgegeben und weggeblasen wird«.

Warum Ijsseconsult diesen Weg eingeschlagen habe, liege auf der Hand. »Ijsseconsult will überdimensional installieren, um selbst groß zu kassieren«, meinte Fritz Hoffmann. Man müsse den Eindruck gewinnen, dass Erndtebrück als Versuchskaninchen herhalten müsse, »und das kommt uns später teuer zu stehen«, argumentierte Fritz Hoffmann. Das vermeintliche Energiekonzept zeige Lösungswege auf, die nicht zu realisieren seien. Speisereste seien von einer Biogasanlage ebenso wenig zu verarbeiten wie Grünschnitt von einer Holzvergasungsanlage. Wesentliche Investitionen im Zuge des Konzeptes würden ganz ausgelassen. Beispielsweise schlage eine notwendige Wärmeversorgungsleitung vom Schwimmbad zur Realschule allein mit mindestens 100000 e zu Buche. »Wenn ich dann höre, dass die überschüssige Energie im Sommer dazu genutzt werden soll, um das Rathaus zu klimatisieren, kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln«, sagte Fritz Hoffmann. Die CDU kündigte gestern an, die viel diskutierte Druckvorlage über das Energiekonzept von der Kommunalaufsicht prüfen zu lassen.

CDU-Ratsmitglied Jürgen Seuberlich ging noch einen Schritt weiter: »Aus unserer Sicht ist das alles beschlossene Sache. Noch dazu ohne Ausschreibung, die eigentlich europaweit erfolgen müsste.« Man müsse sich, so Jürgen Seuberlich weiter, die Situation einmal vor Augen halten: »Die Gemeinde nimmt sich ein Beratungsunternehmen. Dann wird der Rat aufgefordert, die Berater zu beraten.« Das könne so nicht angehen. CDU-Ratsmann Carsten Dreisbach unterstrich noch einmal, dass die Vorlage zum Energiekonzept eindeutig eine sofortige Beschlussfassung über eine 1,5-Mill.-e-Investition beinhaltet habe. Später sei das Papier dann als Brainstorming abgetan worden.

Die CDU erneuerte gestern ihren Appell an die Ratsmehrheit, die Arbeit mit Ijsseconsult endlich zu beenden. Erste Ansätze seien mit dem FDP-Antrag auf Einrichtung einer Arbeitsgruppe bereits erkennbar. Außer Kosten habe die Kooperation mit den »Kommunalstrategen« der Gemeinde noch nichts Fruchtbares gebracht – man denke nur an den Flop in Sachen Friedhofswesen. Bislang seien – inklusive der mittlerweile 55 Workshops – bereits Kosten in einer Größenordnung von 77000 e angefallen, so die CDU-Schätzung. Den Vorwurf, dass man dem Brgermeister den Erfolg nicht gönne, könne man so nicht stehen lassen: »Bisher haben wir noch keinen Erfolg gesehen.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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