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SZ-Serie "Hinter der Fassade"
Warum es in der Rothaarsteig-Schule eine Panzertür gibt

Hinter dieser Panzertür verbirgt sich der Schutzraum der ehemaligen Schule.
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  • Hinter dieser Panzertür verbirgt sich der Schutzraum der ehemaligen Schule.
  • Foto: Christian Völkel
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vc Erndtebrück. Wer die Rothaarsteig-Schule in Betrieb erlebt hat, kann es sich noch lebhaft vorstellen: Schüler, die mit lautem Getöse die Klassenräume wechseln, das Büdchen des Hausmeisters mit gutem Blick in die geräumige Pausenhalle, Lehrer, die mit ihren Ledertaschen geschwinden Schrittes von einem Gebäudeteil in den anderen eilen.

Auch sechs Jahre nach der Schließung sind die ehemalige Pausenhalle sowie das gesamte Gebäude noch intakt. Gerade werden von emsigen Helfern Weihnachtsbuden aus dem Gebäude getragen. Denn die wenigsten ahnen, was unter der Pausenhalle verborgen ist – dort, wo die Erndtebrücker bei Wittgensteiner Wetter ihre Stulle gegessen und die Milchtüten leergetrunken haben.

vc Erndtebrück. Wer die Rothaarsteig-Schule in Betrieb erlebt hat, kann es sich noch lebhaft vorstellen: Schüler, die mit lautem Getöse die Klassenräume wechseln, das Büdchen des Hausmeisters mit gutem Blick in die geräumige Pausenhalle, Lehrer, die mit ihren Ledertaschen geschwinden Schrittes von einem Gebäudeteil in den anderen eilen.

Auch sechs Jahre nach der Schließung sind die ehemalige Pausenhalle sowie das gesamte Gebäude noch intakt. Gerade werden von emsigen Helfern Weihnachtsbuden aus dem Gebäude getragen. Denn die wenigsten ahnen, was unter der Pausenhalle verborgen ist – dort, wo die Erndtebrücker bei Wittgensteiner Wetter ihre Stulle gegessen und die Milchtüten leergetrunken haben. „Der Bunker ist jetzt genau unter uns“, sagt Andreas Dreisbach und zeigt auf den Fußboden der Pausenhalle. Es geht ein Stockwerk tiefer.

Bunker unter der Rothaarsteig-Schule: Heute Lager der Gemeinde

Schlüssel klirren, zielsicher findet der Verwaltungsmitarbeiter den passenden Schlüssel. Die Tür ist robuster als alle anderen im Gebäude. Ein Stahlriegel verleiht der schweren Panzertür zusätzliche Stabilität. Ohne ein Ruckeln oder Quietschen schwingt die Tür auf, eine Treppe ist in Sicht, das Licht geht an. Nach wenigen Schritten ist der Schutzraum zu sehen, knapp zwei Meter hoch, durchzogen mit schweren Stahl-Beton-Stützen. Die Luft ist zum Schneiden dünn. „Keine Lüftung – oder zumindest keine aktive.“ Andreas Dreisbach zeigt in den Zivilschutzbunker. „Heute ist das ein Lager der Gemeinde.“ Stühle, Tische und Schulinterieur – die Hauptschule über dem Bunker gibt es seit Juli 2016 nicht mehr.

Der Schutzraum unter der Pausenhalle ist ein wichtiges Lager für die Gemeinde Erndtebrück.
  • Der Schutzraum unter der Pausenhalle ist ein wichtiges Lager für die Gemeinde Erndtebrück.
  • Foto: Christian Völkel
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Einige Jahrzehnte früher trat Klaus Völkel seinen Dienst an der Schule an. Junglehrer, dann Konrektor und in den letzten Jahren seines Berufslebens Schulleiter der Rothaarsteig-Schule. Der Bunker sei zwar immer da gewesen, aber nie im Alltag präsent. „Schon damals war das unser Stuhllager. Im Notfall hätten aber die Schüler reingepasst – wenn auch stehend“, erinnert sich der Erndtebrücker im Gespräch mit der SZ. Den Schlüssel zum Schutzraum hatte immer der Hausmeister. Heute ist es Andreas Dreisbach, der eine Tür aufschließt, die aus dem Bunker hinausführt. Die Hauptschule wurde in den Jahren 1967 bis 1969 errichtet; sie schmiegt sich in das Gelände des Hachenbergs. Langläufige Einzeltrakte laufen in einem Zentrum zusammen. „In Sachen Brandschutz ist das gut. Jeder Gebäudeflügel hat einen eigenen Ausgang“, betont Andreas Dreisbach. Der Gang danach führt letztlich aus dem Gebäude. Es ist der Keller eines der Schulflügel mit zahlreichen Lager- und Funktionsräumen, wie etwa dem Heizungsraum. Die alte Ölheizung versieht noch ihren Dienst. Andreas Dreisbach berichtet, dass früher von der Hauptschule auch die Dreifachturnhalle mit beheizt wurde. Der Rückweg in den Verwaltungstrakt führt an Relikten der jüngsten Erndtebrücker Geschichte vorbei: Ganze Gespanne aus dem Umzug zum Jubiläum 2006 lagern unter der Schule. 

Bunker unter der Rothaarsteig-Schule: Kriechgang und Verwaltungstrakt

Nachdem die Bunkertür wieder ins Schloss fällt, zeigt Andreas Dreisbach auf eine Tür daneben. „Das könnte auch interessant sein. Der sogenannte Kriechgang.“ Nachdem die Tür sich öffnet, kommt ein Gang zum Vorschein, der nur aus rohem Mauerwerk besteht, der Boden ist übersät mit Staub und Geröll, alte Zeitungen von 1980 geben einen Hinweis darauf, dass hier mal gearbeitet wurde. „In dem Zeitraum bekam der benachbarte Verwaltungstrakt seine eigenen Toiletten“, weiß Klaus Völkel zu berichten. Weiter in den roh ausgebauten Gang geht es nicht, die Beleuchtung versieht im hinteren Teil nicht mehr ihren Dienst.

Der Kriechgang der Hauptschule: Einen Fußboden gibt es nicht, die Wände sind roh gemauert.
  • Der Kriechgang der Hauptschule: Einen Fußboden gibt es nicht, die Wände sind roh gemauert.
  • Foto: Christian Völkel
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Der weitere Weg führt dann in den Verwaltungstrakt hinein. Das offizielle Herz der ehemaligen Schulverwaltung ist kühl, trocken und gut gelüftet. Eine Tafel für die Stundenplanung lehnt noch an der Wand. Der Blick in die Zimmer der Schulleitung, in das Sekretariat und Lehrerzimmer überraschen: Die Möbel sind verschwunden, aber in jedem Raum stehen Feldbetten. „50 davon gibt es im ganzen Gebäude. Die Schule wird nun als Notunterkunft für mögliche Flüchtlinge aus der Ukraine genutzt – für den Fall, dass einmal ein ganzer Bus nach Erndtebrück kommt“, so Andreas Dreisbach. Die Infrastruktur der Schule sei noch intakt und würde für eine zeitweise Unterbringung ausreichen. „Wir haben die Infrastruktur noch verbessert. Dazu gehören bei uns auch Rauchmelder, die über Funk verbunden sind, und eine aktuelle Rettungskennzeichnung“, erläutert der Verwaltungsangestellte. 

Blick in den ehemaligen Verwaltungstrakt: Notbetten stehen bereit, falls einmal eine größere Anzahl an Flüchtlingen ankommt.
  • Blick in den ehemaligen Verwaltungstrakt: Notbetten stehen bereit, falls einmal eine größere Anzahl an Flüchtlingen ankommt.
  • Foto: Christian Völkel
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Sechs Jahre nach Ende des Schulbetriebs hat das Gebäude eine neue Rolle gefunden, wenn auch nur vorübergehend: Als Unterkunft für Flüchtlinge – und als Lager der Edergemeinde. Was in den kommenden Jahren mit dem Gebäude passieren wird, hat die Kommunalpolitik in Erndtebrück noch nicht entschieden.

Autor:

Christian Völkel

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