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Erndtebrücker Fabrik verantwortlich
Wie der Pulverwald zu seinem Namen kam

Die Herstellung von Schießpulver schuf im 19. Jahrhundert viele Arbeitsplätze in Erndtebrück. Für den Transport des
Sprengpulvers waren Fuhrleute verantwortlich, die mit den Gespannen bis nach Schlesien fuhren.
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  • Die Herstellung von Schießpulver schuf im 19. Jahrhundert viele Arbeitsplätze in Erndtebrück. Für den Transport des
    Sprengpulvers waren Fuhrleute verantwortlich, die mit den Gespannen bis nach Schlesien fuhren.
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bw Erndtebrück. Der SZ-Artikel über das frühere Erndtebrücker Freibad, das vor 80 Jahren im Pulverwald gebaut worden war, hat für viele Reaktionen gesorgt und weitere Fragen aufgeworfen. Besonders spannend ist die von Hartmut Barthel. Zwar konnte sich der Erndtebrücker selbst noch an die alte Badeanstalt erinnern, doch woher eigentlich der Name „Pulverwald“ stammt, hatte der 72-Jährige bislang nicht herausfinden können. Aufschluss darüber liefert freilich die Chronik, die 1956 zur 700-Jahr-Jubiläumsfeier Erndtebrücks erschienen ist.

Die Antwort ist naheliegend: In Erndtebrück hatte im 19. Jahrhundert eine Fabrik ihren Sitz, die Schieß- und Sprengpulver herstellte.

bw Erndtebrück. Der SZ-Artikel über das frühere Erndtebrücker Freibad, das vor 80 Jahren im Pulverwald gebaut worden war, hat für viele Reaktionen gesorgt und weitere Fragen aufgeworfen. Besonders spannend ist die von Hartmut Barthel. Zwar konnte sich der Erndtebrücker selbst noch an die alte Badeanstalt erinnern, doch woher eigentlich der Name „Pulverwald“ stammt, hatte der 72-Jährige bislang nicht herausfinden können. Aufschluss darüber liefert freilich die Chronik, die 1956 zur 700-Jahr-Jubiläumsfeier Erndtebrücks erschienen ist.

Die Antwort ist naheliegend: In Erndtebrück hatte im 19. Jahrhundert eine Fabrik ihren Sitz, die Schieß- und Sprengpulver herstellte. Vor der Jahrhundertwende, also vor 1800, gründete der Unternehmer Johann Jost Sinner, letzter Rechnungsführer des Hammerwerks, die Pulvermühle – eine im 19. Jahrhundert für Erndtebrück überaus bedeutungsvolle Fabrik. Im Jahre 1801 übernahm sein Schwiegersohn, der Kaufmann Nikolaus Martin, den Betrieb. Geboren in Kriegsfeld in der Pfalz, hatte er Sinners Tochter Hedwig geheiratet.

Fabrik durch Ankauf von Wiesen vergrößert

Nikolaus Martin baute den Betrieb weiter aus und vergrößerte die Fabrik durch den Ankauf von Wiesen im Edertal. Zwei Pulvermühlen waren es schon 1808, in den 1830er-Jahren wurde eine dritte Mühle errichtet. Sohn Karl Martin übernahm später das Geschäft: Er war mit einer Tochter des holländischen Majors Wente verheiratet. Der wiederum wurde ein weiterer Teilhaber der Pulverfabrik in Erndtebrück – und übernahm den Betrieb im Jahr 1841 allein. 1873 schloss sich Inhaber Wente der Rheinisch-Westfälischen Pulverfabrikanten an und 1890 übernahm schließlich die Köln-Rottweiler Pulverfabrik AG die Mühlen in Erndtebrück. Es war der Anfang vom Ende für den Betrieb: 1902 stellte die Fabrik die Produktion ein. Zimmermeister Karl Völkel brach 1908 die Betriebsgebäude ab.

Auf den Pulverwald stößt man häufig in Erndtebrück – aus
gutem Grund, denn hier gab es früher eine Pulverfabrik, die nicht nur der Straße, sondern auch dem Stadion des TuS seinen Namen verliehen hat.
  • Auf den Pulverwald stößt man häufig in Erndtebrück – aus
    gutem Grund, denn hier gab es früher eine Pulverfabrik, die nicht nur der Straße, sondern auch dem Stadion des TuS seinen Namen verliehen hat.
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Weiden, Erlen sowie Haselholz wurden zur Herstellung des Sprengpulvers, Vogelkirschenholz für das Schießpulver genutzt. Das Holz wurde in der Umgebung gesammelt. Das Schießpulver, das insbesondere für Jagdgewehre hergestellt wurde, gab es in Päckchen. Das Sprengpulver wurde dagegen in Nesselsäcken gefüllt, die in Holzfässern verpackt wurden. Fuhrleute waren für den Transport des Pulvers verantwortlich, der sie vor allem nach Mitteldeutschland und sogar bis nach Schlesien führte. Anfänglich waren die Fuhrwerke lediglich mit Leinentüchern bedeckt, später mit Dächern aus Zinkblech. Eine blaue Fahne mit einem weißen P machte die mit dem Gefahrgut beladenen Wagen kenntlich. Die Zechen im Ruhrgebiet, die Salzbergwerke Mitteldeutschlands und die Gruben Schlesiens waren häufig die Ziele. Später löste die Eisenbahn die Pferdegespanne ab.

Zwei Mühlen und ein Siebhaus im Pulverwald

Zweifelsohne war Sicherheit ein wichtiges Thema, wie es in der Erndtebrücker Dorfchronik heißt: „Sämtliche Werkzeuge und Möbelbeschläge waren aus Kupfer, vor den Türen der einzelnen Häuser standen große Filzschuhe, niemand durfte die Räume mit genagelten Schuhen betreten, das Mitbringen von Messern war verboten, bei einem herannahenden Gewitter hatten alle Angestellten und Arbeiter die Gebäude zu verlassen.“

Die Herstellung von Schießpulver schuf im 19. Jahrhundert viele Arbeitsplätze in Erndtebrück. Für den Transport des
Sprengpulvers waren Fuhrleute verantwortlich, die mit den Gespannen bis nach Schlesien fuhren.
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Als die Pulverfabrik richtig florierte, standen zwei Mühlen und ein Siebhaus im Pulverwald, zwei weitere Mühlen und ein weiteres Siebhaus unterhalb der heutigen Pulverwaldstraße. Auf dem heutigen Sportplatz standen zwei von hohen Wällen geschützte Magazine, ferner war der Pulverwald eingezäunt und durfte von Unbefugten nicht betreten werden.

"Bei einem herannahenden Gewitter
hatten alle Angestellten und Arbeiter
die Gebäude zu verlassen."

Auszug aus der Chronik
„700 Jahre Erndtebrück“

Das Wasser des Pulvergrabens trieb die Wasserräder der Mühlen an. Das Wasserrad trieb über eine erste Welle aus Eichenholz eine zweite an, die ein Stampfwerk, bestehend aus Zylinder und Stempeln, bewegte. Diese Zylinder wurden mit Grundstoffen wie Schwefel und Salpeter befüllt, die gestampft und zerkleinert wurden. Die weitere Verarbeitung erfolgte in den Siebhäusern. Die Masse wurde bei dem Durchgang durch siebartig konstruierte Kalbsfelle gekörnt. Die nächsten Stationen waren das Trockenhaus und das Packhaus.

Auf den Pulverwald stößt man häufig in Erndtebrück – aus
gutem Grund, denn hier gab es früher eine Pulverfabrik, die nicht nur der Straße, sondern auch dem Stadion des TuS seinen Namen verliehen hat. Sechs Mühlen gab es einstmals in Erndtebrück, eine weitere in Aue.
  • Auf den Pulverwald stößt man häufig in Erndtebrück – aus
    gutem Grund, denn hier gab es früher eine Pulverfabrik, die nicht nur der Straße, sondern auch dem Stadion des TuS seinen Namen verliehen hat. Sechs Mühlen gab es einstmals in Erndtebrück, eine weitere in Aue.
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Auch mehr als ein Jahrhundert später erinnern die Ortsbezeichnungen an diese Fabrik, dass aber die Pulverwaldstraße ihren Namen bis heute hat, ist alles andere als selbstverständlich: Im Jahr 1926 wurde sie in Hindenburgstraße umbenannt, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hieß sie kurzzeitig Freiheitsstraße, bevor sie 1946 ihren alten Namen zurückerhielt.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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