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Teure Aufforstung
Wie geht es weiter mit dem Wald?

So sehen aktuell noch die Wälder bei uns aus. So wie vor Trockenheit und Borkenkäfer wird es nie wieder aussehen. Mischwälder sind die große Idee.
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  • So sehen aktuell noch die Wälder bei uns aus. So wie vor Trockenheit und Borkenkäfer wird es nie wieder aussehen. Mischwälder sind die große Idee.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

schn Birkelbach. Die Wälder Wittgensteins sind in einem ziemlich traurigen Zustand. Aktuell sind rund 20.000 Hektar durch Borkenkäfer geschädigt. Die trockenen Jahre 2018 und 2019 haben den Wäldern in der Region mächtig zugesetzt, die Schädlinge hatten leichtes Spiel. Das ist nicht nur ökologisch ein Problem, über die fast schon mythische Verbindung der Deutschen zum Wald sind schon ganze Bücher gefüllt worden. Manfred Gertz stellt dann auch fest: „Jeder will den Wald nutzen. Die Gesellschaft erwartet von uns, dass alles ganz schnell geht.“ Aber wie soll der Wald der Zukunft aussehen? Und was müssen die Beteiligten dafür tun?

schn Birkelbach. Die Wälder Wittgensteins sind in einem ziemlich traurigen Zustand. Aktuell sind rund 20.000 Hektar durch Borkenkäfer geschädigt. Die trockenen Jahre 2018 und 2019 haben den Wäldern in der Region mächtig zugesetzt, die Schädlinge hatten leichtes Spiel. Das ist nicht nur ökologisch ein Problem, über die fast schon mythische Verbindung der Deutschen zum Wald sind schon ganze Bücher gefüllt worden. Manfred Gertz stellt dann auch fest: „Jeder will den Wald nutzen. Die Gesellschaft erwartet von uns, dass alles ganz schnell geht.“ Aber wie soll der Wald der Zukunft aussehen? Und was müssen die Beteiligten dafür tun? Um das heraus zu finden, lädt eine Arbeitsgemeinschaft aus Jägerschaft, Waldbesitzern und Forstamt derzeit zu Regionalkonferenzen ein, um über Optionen zu informieren und zu diskutieren. Jetzt waren rund 30 Interessierte in die Birkelbacher Kulturhalle gekommen, um mitzureden.

Aufforstung mit Augenmaß

Für Forstleute ist die Sache klar, die Wälder müssen aufgeforstet werden, mit Bedacht und Augenmaß. „Die Lösung kann nur in Mischwäldern liegen“, macht Manfred Gertz deutlich. Auf den Flächen sollte es eine Mischung aus mindestens vier Baumarten sein. Erste Wahl sind Laubbäume. Gertz leitet das Regionalforstamt in Hilchenbach und kennt die Wälder in der Region. Er stellt fest: In Nordrhein-Westfalen sind Nadelbäume, mit Ausnahme der Kiefer, eigentlich nicht heimisch. Die ausgedehnten Fichtenwälder sind durch menschliche Anpflanzung entstanden. Aus Sicht der Fachleute ist die Buche der interessanteste Wirtschaftsbaum. Daneben können auch die Douglasie und die Lärche in der Zukunft noch eine Rolle spielen. Wie die richtige Mischung aussehen wird, ist kaum zu sagen. „Eine Vorhersage, wie sich Klima und die Witterung entwickeln, lässt sich nicht sicher sagen. Deshalb können wir auch keine Generallösung vorlegen“, gab der Forstamtsleiter seinen Zuhörern mit auf den Weg. Dass es auch zu Fehlern kommen wird, dürfte klar sein. Die Kosten von 5000 bis 10.000 Euro je Hektar für die Aufforstung sind recht happig. Viele Waldbesitzer werden das kaum leisten können.

Nur der Mischwald wird gefördert

Welche Fördermöglichkeiten bestehen, stellte Romina Plievier vor. Die Förderrichtlinien sind allerdings nicht eben „benutzerfreundlich“. Schon bald sollen runderneuerte Richtlinien vorliegen, darauf warten alle Beteiligen. Klar ist aber auch: Förderung bekommt nur, wer sich auf einen Mischwald einlässt, der die Waldbesitzer vor ganz neue Herausforderungen stellt. Bisher sollen die gerodeten Flächen binnen zwei Jahren wieder bepflanzt sein. Im Forstamt geht man davon aus, dass die Fristen eher auf vier oder fünf Jahre verlängert werden. „Sind wir ehrlich, niemand hat die Pflanzen, die wir dazu brauchen würden“, so Gertz. Es kann also auch durchaus sein, dass einige Grundbesitzer der Natur ihren Lauf lassen und einfach abwarten, welche Arten sich auf den Flächen ansiedeln. „Vielleicht wird die Birke in der Zukunft etwas wert“, kommentiert Gertz das Ganze.

Wild jagen für die Wiederbewaldung

Ein Problem mit Wildschäden dürfte es auf diesen Flächen wahrscheinlich nicht geben. In planvoll angelegten Wirtschaftsflächen dagegen wohl schon. Die neuen Baumarten werden dem Wild deutlich besser schmecken als die bekannte Fichte. Zäune bauen wäre eine Möglichkeit, aber wie soll man 20.000 Hektar Wald einzäunen? Überhaupt nicht, ist die klare Antwort der Beteiligten. Neben dem Einzelschutz für Bäume wird es nicht ohne eine gezielte Bejagung gehen. Dazu sollen sich alle Beteiligten untereinander abstimmen. „Es geht nicht darum, das letzte Reh totzuschießen. Das Thema Wiederbewaldung lässt sich nicht mit der Büchse lösen“, so die unmissverständliche Ansage von Henning Setzer für die Jägerschaft. Die Wiederbewaldung lasse sich nur gemeinsam schaffen.

Abstimmung von Waldbesitzern und Jägern

Den Jagddruck zu erhöhen empfiehlt auch Wildmeister Helmut Hilpisch. In seinem Vortrag war einiges an Prosa zur Jagd enthalten, doch klar wurde, ohne eine intensivere und gezieltere Jagd wird es aus seiner Sicht nicht gehen. Dazu müssen sich die Waldbesitzer eng mit den Jägern abstimmen und klare Ziele vereinbaren. Die Jäger müssen dabei auf den Tierschutz achten. „Der Gesellschaft ist es egal ob wir grün, blau oder schwarz zur Jagd gehen, aber wenn wir den Tierschutz nicht beachten, dann gibt’s ein Problem“, macht Hilpisch klar. So verwendete er viel Zeit auf die Dos und Don’ts der Jagd. Dazu gehört auch die Frage, wohin weicht das Wild aus, wenn zum Beispiel alles eingezäunt würde, oder wenn der Jagddruck zu hoch wird. Da wird noch einiges abzustimmen sein.

Autor:

Guido Schneider aus Siegen

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