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SZ-Interview mit Kapitän des TuS Erndtebrück
Persönliche Schicksalsschläge haben Admir Terzic geprägt

Admir Terzic gehört als Kapitän und mit seinen reichhaltigen Erfahrungen, die er bereits im Fußballsport gesammelt hat, zu den wichtigsten Stützpfeilern im Team des Oberligisten TuS Erndtebrück.
  • Admir Terzic gehört als Kapitän und mit seinen reichhaltigen Erfahrungen, die er bereits im Fußballsport gesammelt hat, zu den wichtigsten Stützpfeilern im Team des Oberligisten TuS Erndtebrück.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

sta Erndtebrück. Mit 28 Jahren gehört Admir Terzic zu den erfahrensten Fußballern des TuS Erndtebrück. Beim Oberligisten nimmt der in Siegens Innenstadt mit seiner Freundin wohnende Innenverteidiger der Wittgensteiner als Kapitän eine wichtige Position ein. „Admir ist extrem erfahren und ehrlich, darüber hinaus in unserer Mannschaft hoch angesehen. Die jungen Spieler können jeden Tag von ihm lernen, wenn sie es wollen“, sagt dessen Trainer Stefan Trevisi. Das dies nicht nur für den Sport gilt, sondern auch fürs Leben, wird im großen Interview mit Terzic deutlich, in dem es eben nicht nur ums Sportliche geht.

Herr Terzic, nachdem Sie von Januar 2018 bis Sommer 2019 bereits für den TuS Erndtebrück gespielt haben, sind Sie letztes Jahr zurückgekehrt.

sta Erndtebrück. Mit 28 Jahren gehört Admir Terzic zu den erfahrensten Fußballern des TuS Erndtebrück. Beim Oberligisten nimmt der in Siegens Innenstadt mit seiner Freundin wohnende Innenverteidiger der Wittgensteiner als Kapitän eine wichtige Position ein. „Admir ist extrem erfahren und ehrlich, darüber hinaus in unserer Mannschaft hoch angesehen. Die jungen Spieler können jeden Tag von ihm lernen, wenn sie es wollen“, sagt dessen Trainer Stefan Trevisi. Das dies nicht nur für den Sport gilt, sondern auch fürs Leben, wird im großen Interview mit Terzic deutlich, in dem es eben nicht nur ums Sportliche geht.

Herr Terzic, nachdem Sie von Januar 2018 bis Sommer 2019 bereits für den TuS Erndtebrück gespielt haben, sind Sie letztes Jahr zurückgekehrt. Warum hat es sie ein zweites Mal ins Pulverwaldstadion verschlagen?
Der TuS Erndtebrück war die erste Station nach Borussia Dortmund, wo ich mich wirklich heimisch gefühlt habe, wo es auf, aber auch neben dem Platz gepasst hat. Zudem habe ich hier auch, nach dem BVB, meine größten Erfolge gefeiert. Wir haben uns damals für den DFB-Pokal qualifiziert und ich war gegen den HSV auch dabei.

Ein Blick in Ihre Vita lässt erkennen, dass sie nach der Zeit bei der Borussia fast jährlich die Vereine gewechselt haben. Wie ist das zu erklären?
Ich bin in den anderen Vereinen nie richtig heimisch geworden. Ich hatte allerdings auch mit mir zu kämpfen und habe einen großen Rucksack mit mir herumgetragen. Ich hatte einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten, der mich vom Weg abgebracht hat.

Was ist damals passiert?
Mein Vater hat 2011 Suizid begangen, dabei ist unser Haus abgebrannt. Daraufhin habe ich mich sechs Monate lang in einem Aachener Klinikum in psychiatrische Behandlung begeben.

Damals haben Sie bei Borussia Dortmund in der A-Jugend gespielt…
Und dort im Internat gewohnt. Neben meiner Familie war damals auch die Familie um Matthias Kleinsteiber, der heute die Keeper der Profis trainiert, für mich da. Man hat mir damals für meine Genesung viel Zeit gegeben, dann bin ich zur Rückrunde der Saison 2011/2012 in die U 23 des BVB zurückgekehrt, habe alle Spiele bestritten und wir sind in die 3. Liga aufgestiegen.

Und warum ging es beim BVB dann für Sie nicht mehr weiter?
Obwohl ich in den siegreichen Partien in der 3. Liga in der Startelf stand, hat man anderen Spielern mehr Vertrauen geschenkt und ich habe daraufhin meinen Vertrag aufgelöst. Im Nachhinein war das ein Fehler. Ich hätte mich durchbeißen sollen, aber dafür hat mir einfach die mentale Kraft gefehlt. Ein möglicher Wechsel zu Alemannia Aachen, wo ich auch in der Jugend gespielt habe, scheiterte. Und plötzlich war ich vereinslos.

Sie haben im Winter 2014 in Lippstadt unterschrieben, dort aber nur eine Partie absolviert. Wie ist es dann dazu gekommen, dass sie mehr als nur einen Schritt zurückgemacht und in die Kreisliga zum FC Roetgen gewechselt sind?
Ich hatte nach etlichen Probetrainingseinheiten und leeren Versprechungen von Beratern und Vereinen genug vom Geschäft Fußball. Ich wollte einfach wieder Spaß haben, Fußball ohne Druck spielen. Über einen alten Weggefährten bin ich dann beim FC Roetgen gelandet, der mir eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann angeboten hat. Nach einem Jahr Kreisliga bin ich aber so schnell es ging wieder weg, um halbwegs guten Fußball zu spielen. Zudem war der Job nicht der, den ich mein ganzes Leben machen wollte und habe die Ausbildung abgebrochen.

Und sie haben sich langsam über die Stationen Sportfr. Düren (Saison 2015/2016), Borussia Freialdenhofen (2016/2017) und TuRu Düsseldorf (2017) ran gearbeitet.
Ich wollte wieder ambitionierter spielen. Ich habe mich zudem das zweite Mal in stationäre Behandlung begeben, in dieser Zeit hat mir der Fußball raus aus dem Loch geholfen und ich wollte mich wieder für Höheres anbieten. Das ist mir über die Stationen in Freialdenhoven und Düsseldorf gelungen und ich bin zum TuS Erndtebrück in die Regionalliga gewechselt.

Sie haben sich im Winter 2018 erstmals das blaue Erndtebrücker Trikot übergezogen, haben anfangs unseres Gesprächs betont, dass Erndtebrück neben dem BVB der Klub war, wo sie sich heimisch gefühlt haben. Warum sind sie dann nach eineinhalb Jahren gegangen?
Es gab zu diesem Zeitpunkt einen Trainerwechsel beim TuS (Alfonso Rubio Doblas übernahm von Interimstrainer Michael Müller/Anm. d. Red.) und bei den Gesprächen mit ihm war die Chemie leider nicht mehr so da wie vorher und ich hatte die Möglichkeit, beim FC Wegberg-Beeck um den Aufstieg in die Regionalliga zu spielen. Allerdings habe ich dort gemerkt, dass ich physisch nicht mehr mithalten konnte, die Jahre der Therapie und der Medikamente sind nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Ich hatte mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen und habe nicht mehr gespielt. Die Pandemie habe ich dann genutzt, um wieder körperlich topfit zu werden, habe die Medikamente abgesetzt und zehn Kilogramm abgenommen.

Bleiben Sie diesmal länger in Erndtebrück?
Ich habe jetzt in der Oberliga meine Heimat gefunden, wo ich mich auch auf meine kommende berufliche Laufbahn konzentrieren kann. Derzeit spiele ich zwar „nur“ Fußball, ich bin aber auch Co-Trainer unserer C-Jugend und möchte nächstes Jahr eine Ausbildung zum Physiotherapeuten beginnen. Ich hoffe, dass das Gespräch im Oktober positiv verläuft und die Schule mich annimmt. Meine Freundin und ich fühlen uns im Siegerland sehr wohl und ich möchte gerne noch viele Jahre auf ambitioniertem Niveau Fußball spielen.

Trainer Stefan Trevisi lobt ihre fußballerische Klasse und hat sie auch zum Spielführer seiner Mannschaft bestimmt.
Diese Rolle nehme ich sehr gern an. Und es ist ja auch nicht das erste Mal, dass ich dieses Amt innehabe. Ich übernehme gerne Verantwortung, versuche auch den Menschen und nicht nur den Sportler zu sehen. Es geht auch darum, das Sprachrohr zwischen Team und Trainer zu sein, wenn es mal nicht so passt. Aber ich versuche auch die Vereinsseite zu sehen. Mein Ziel ist es, dass im Verein und in der Mannschaft was zusammenwächst. Aufgrund meiner Erfahrungen kann ich den jüngeren Spielern auch viel mitgeben.

Glauben Sie nach dem Start mit fünf Punkten aus vier Spielen an den Klassenerhalt?

Das ist ein ordentlicher Start, vor allen Dingen mit dem 3:0-Überraschungssieg gegen Gütersloh haben wir es insbesondere unseren Kritikern gezeigt und bewiesen, dass wir ein Kandidat sind, der die Oberliga halten kann. Und diese auch sicher halten kann. Wir glauben ans uns und ich glaube an unsere Jungs. Wenn wir alle unseren Aufgaben nachkommen und so an uns arbeiten wie derzeit, dann schaffen wir das! Das erste Spiel in Hamm (0:4, Anm. d. Red.) klammere ich bewusst aus: Dort hatten wir viel Durcheinander, weil wir einige Ausfälle zu beklagen hatten. Gegen SF Siegen haben wir zweimal geführt, am Ende aber auch einen Rückstand noch zum 3:3 egalisiert. Und in Vreden (1:1) war es zwar fußballerisch nicht gut, aber von der kämpferischen Einstellung her top.

Und was erwarten Sie nun vom Auswärtsauftritt in Haltern am Sonntag?
Ich hoffe, dass wir nachlegen können. Denn danach das Wochenende haben wir spielfrei. Da können wir uns die Körner wieder zurückholen.

Autor:

Stefan Stark aus Wilnsdorf

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