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Kleine Braukunst im Kreis Olpe
Schwarzpils aus dem 150-Seelen-Dorf

Dominik Mette in seinem Brauhaus. Hier stellt er mit seinem jüngeren Bruder Matthias überwiegend Schwarzpils her.
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  • Dominik Mette in seinem Brauhaus. Hier stellt er mit seinem jüngeren Bruder Matthias überwiegend Schwarzpils her.
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yve Schliprüthen. Fast pünktlich erreiche ich mein Ziel. Der Blick auf mein Mobiltelefon verrät, ich bin fernab vom Schuss – kein Netz! Ich halte Ausschau nach der Brauerei im 150-Seelen-Dorf Schliprüthen. Das ist nicht schwer, die Anzahl der meist in Fachwerkbauweise errichteten Häuser hier in der Gemeinde Finnentrop ist übersichtlich. Dann entdecke ich das Bronzeschild mit „Metten Hefemännchen“ – angekommen. „Willkommen im gallischen Dorf am Ende des Kreises Olpe“, begrüßt mich Dominik Mette. Er ist der dritte Kleinbierbrauer, den ich für die SZ-Serie über Mikrobrauereien an diesem Tag besuche. Gemeinsam mit seinem Bruder Matthias stellt der 48-Jährige neben Hopfenblond, Wiener und Lager in erster Linie Schwarzpils her.

yve Schliprüthen. Fast pünktlich erreiche ich mein Ziel. Der Blick auf mein Mobiltelefon verrät, ich bin fernab vom Schuss – kein Netz! Ich halte Ausschau nach der Brauerei im 150-Seelen-Dorf Schliprüthen. Das ist nicht schwer, die Anzahl der meist in Fachwerkbauweise errichteten Häuser hier in der Gemeinde Finnentrop ist übersichtlich. Dann entdecke ich das Bronzeschild mit „Metten Hefemännchen“ – angekommen. „Willkommen im gallischen Dorf am Ende des Kreises Olpe“, begrüßt mich Dominik Mette. Er ist der dritte Kleinbierbrauer, den ich für die SZ-Serie über Mikrobrauereien an diesem Tag besuche. Gemeinsam mit seinem Bruder Matthias stellt der 48-Jährige neben Hopfenblond, Wiener und Lager in erster Linie Schwarzpils her. Ein natürliches Produkt, weder filtriert noch künstlich haltbar gemacht. „Das ist gut für Nägel, Haut und Haar zur inneren Anwendung“, schmunzelt der Schliprüthener. Absoluten Pils-Fans sei es am Anfang etwas zu süß. „Der Malzgeschmack ist sehr intensiv – süffig durch die Bank.“ Verwendet werde reines Wasser aus dem Ort und nur wenig Hopfen. Schwarz werde das Bier durch die Zugabe von Röstmalz. Bei Frauen stehe der dunkle Gerstensaft hoch im Kurs. „Das trinken auch Radler-Verfechterinnen pur“, erzählt Dominik Mette im Gespräch mit der SZ.

Braustube in der ehemaligen Garage

Wir sitzen in der Braustube. Die massiven Holztische sehen aus, als hätte noch kein Glas Pils ohne Bierdeckel auf ihnen gestanden. „Das ist unsere ehemalige Garage.“ Früher diente sie als Raum für Brauereibesichtigungen. „50 Personen in zwei Gruppen konnten wir beherbergen. 25 in der Garage, weitere 25 in der nahegelegenen Skihütte. Die wurde jetzt aber verkauft und steht uns nicht mehr zur Verfügung.“ Vor der Pandemie entscheiden die Kleinbierbrauer, die Garage umzubauen. Vom Schreiner gefertigte Holztische, Sitzbänke und Hocker mit Leder bezogen, Wandverkleidung, warmes Licht und eine schicke Theke – es sieht hier aus wie in einer richtigen Gaststätte. Nur die Gäste fehlen. Denn die Fertigstellung ging einher mit dem Beginn der Krise. „Vorher waren alle Termine in kürzester Zeit ausgebucht.“ Jetzt müssten erstmal die nächsten Schritte der Lockerungen abgewartet werden.

Praxisbuch bringt die Sache ins Rollen 

Eigentlich sollte das Herstellen von Bier für Dominik Mette nur ein Hobby sein. Er erinnert sich an das Jahr 2007. „Ich suchte damals nach einer Freizeitbeschäftigung, nach einem Ausgleich.“ Dann sei ihm Bierbrauen in den Sinn gekommen. Angeschubst habe ihn aber seine Frau. „Sie hat mir ein Praxisbuch von Udo Krause geschenkt.“ Seinen Bruder habe er nicht lange zum Mitmischen von Wasser, Hopfen und Malz überreden müssen. „Wir standen vor großen Aufgaben.“ Zumal zu dieser Zeit einige kleinere Brauereien aufgegeben hätten. „Wir wollten loslegen.“ Heute stellen die Familienväter in unregelmäßigen Abständen bis zu 400 Liter Bier an einem Brautag her. Selbst ein ausgereiftes Marketingkonzept liegt in der Schublade. „Das hat ein Student im Rahmen seiner Bachelorarbeit für uns angefertigt. Das ist unbezahlbar.“ Einiges ist schon umgesetzt worden, Weiteres soll zur Fortsetzung der kleinen Erfolgsgeschichte folgen – von einer „wilden Konstruktion“ mit altem Milchbottich bis hin zur säuberlich gefliesten und technisierten Produktionsstätte samt Besucherraum.

Am 1. Mai 2008 begann eine Tradition

„Im Dorf konnte man sich nicht vorstellen, dass zwei Männer in der Garage Bier brauen“, blickt der der 48-Jährige zurück. „Alle tranken die gängigen Sorten der umliegenden Großbrauereien.“ Am 1. Mai 2008 öffnen dann Dominik und Matthias Mette das Garagentor erstmalig für die Allgemeinheit. Sie sind vorbereitet, schenken Kostproben an Schliprüthener und Wanderer aus. „Wir waren uns nicht sicher, jeden von unserem Bier überzeugen zu können. Für den Notfall hatten wir uns daher auch mit handelsüblichem Bier eingedeckt.“ Der 48-Jährige hat das Protokoll von damals noch genau im Kopf. „Um 19.23 Uhr war das Selbstgebraute komplett aufgebraucht.“ Die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen. „Und wer auch nach fünf Stunden noch ,auf Wiedersehen’ sagt, dem glaube ich das auch.“ Der Feiertag habe jedenfalls Rückenwind gegeben. Bis heute ist am
1. Mai Einkehrtag an der Hohle Straße.

Gewinne werden in Neuerungen investiert 

„Der Profitgedanke stand seinerzeit nicht im Vordergrund, dabei ist es auch geblieben“, erzählt Mette. Gewinne seien stets in Neuerungen investiert worden. „Unser Anspruch war immer, dass uns das Bier schmeckt, und natürlich spornt auch der Gedanke an lebenslanges Freibier an“, lacht der 48-Jährige und überreicht mir zum Abschied ein Fünf-Liter-Fässchen Schwarzpils, die beliebteste Sorte der Schliprüthener Eigenkreationen. „Das ist die Ein-Mann-Party-Patrone“, aber der Trend gehe stark zum Zweitfass, scherzt Mette ganz in Sauerländer Manier. Auch ich sage „auf Wiedersehen“, zwar nicht nach fünf Stunden, aber nach einer sehr kurzweiligen Zeit im gallischen Dorf am Ende des Kreises Olpe.

Die kleine Brauerei in Schliprüthen war bereits die dritte Station der Serie über die kleine Braukunst im Kreis Olpe. Die SZ war bereits in Helden zu Besuch:

Brauer seit dem ersten Bier

In Saalhausen:

Von Hell bis Black


Und die Reise soll noch weitergehen...

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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