Finnentroperin rettet kurz vorm „Ruhestand“ aus der Datei noch ein Leben
Stammzellspende nach 20 Jahren

Heidrun Kramer und ihr Mann Ludwig. Die 62-Jährige ist bereits seit 20 Jahren bei der DKMS registriert, als sie Anfang 2020 für die Stammzellspende angefragt wird. Damit hatte die Finnentroperin überhaupt nicht mehr gerechnet.
  • Heidrun Kramer und ihr Mann Ludwig. Die 62-Jährige ist bereits seit 20 Jahren bei der DKMS registriert, als sie Anfang 2020 für die Stammzellspende angefragt wird. Damit hatte die Finnentroperin überhaupt nicht mehr gerechnet.
  • Foto: DKMS
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

sz Finnentrop. Heidrun Kramer (62) ist bereits seit 20 Jahren bei der DKMS registriert, als sie Anfang 2020 für die Stammzellspende angefragt wird. Damit hatte die Finnentroperin überhaupt nicht mehr gerechnet. Mit ihrer Spende schenkte sie einem Mann aus Deutschland eine zweite Lebenschance. Im Frühjahr 2022 ist die Anonymitätsfrist vorbei, und die passionierte Linedancerin hofft ihren Empfänger dann persönlich kennenlernen zu können. Bisher schreiben sie sich anonyme Briefe, die über die DKMS weitergeleitet werden.

Du musst nochmal
etwas Gutes tun
in deinem Leben.
Heidrun Kramer
Stammzellenspenderin

Heidrun Kramer konnte nie gut Blut sehen. Mit 40 Jahren fasste sie sich noch einmal ein Herz und entschied sich dazu, zur Blutspende zu gehen und sich auch als Stammzellspenderin bei der DKMS registrieren zu lassen. „Du musst nochmal etwas Gutes tun in deinem Leben“, sagte sie sich. Das war im Sommer 2000. Damals wurde zur Registrierung noch Blut abgenommen.

Nach 20 Jahren „genetischen Zwilling“ entdeckt

Seit Ende 2017 erfolgt die Aufnahme als Spender oder Spenderin ausschließlich per Wangenschleimhauptabstrich mit medizinischen Wattestäbchen. Für den nächsten Schritt, die so genannte Bestätigungstypisierung, ist in der Regel jedoch immer noch eine Blutentnahme notwendig. Dass Heidrun 20 Jahre später als „genetischer Zwilling“ gefunden wurde, erstaunte sie sehr. „Im Januar 2020 bekam ich einen Anruf von der DKMS, mit der Frage, ob ich noch für eine Spende zur Verfügung stehe. Ich war total überrascht, habe sofort zugestimmt und mich sehr gefreut, dass ich die Chance bekomme, vielleicht jemandem das Leben zu retten“, sagt sie.

Spende und Vorbereitung gut vertragen

Was Heidrun nicht wusste: Eine Fremdspende für einen Patienten oder eine Patientin ist nur bis zum 61. Geburtstag möglich. „Bis dahin war mir nicht bewusst, dass man nur bis 60 Jahre spenden darf. Ende März 2020 habe ich gespendet, und nur knapp einen Monat später wurde ich 61 Jahre“, sagt sie. Und weiter: „Die Spende hat rund fünf Stunden gedauert, und meine größte Sorge war, ob ich zwischendurch die Toilette aufsuchen darf. Aber das war kein Problem. Ich fühlte mich die ganze Zeit gut aufgehoben. Es waren sehr viele jüngere Spender dort, und ich konnte essen, trinken und fernsehen. Ich habe die Spende und die Vorbereitung gut vertragen. An einem Tag hatte ich ein wenig Kopf- und Gliederschmerzen, anschließend Muskelkater in den Armen, aber nichts im Vergleich zu dem, was mein Empfänger wahrscheinlich durchgemacht hat.“

Heidruns Patient hatte doppeltes Glück

In den meisten Fällen fragen die behandelnden Ärzte für die Patienten jüngere Spender an, oft unter 30. Der Grund dafür ist, dass im Alter chronische Erkrankungen zunehmen, die eine Spende ausschließen. Bei Personen über 61 Jahren ist zudem meist die Produktion der Blutstammzellen geringer, und man erreicht nicht das gewünschte Volumen für die Empfängerseite. Grundsätzlich ist für die Spende jedoch die Übereinstimmung der Gewebemerkmale zwischen Spender und Empfänger ausschlaggebend. Diese Merkmale sind sehr individuell und kommen in Abermillionen Kombinationen vor, sodass es großes Glück bedeutet, wenn der „genetische Zwilling“ gefunden wird. Heidruns Patient hatte sogar doppeltes Glück: Heidrun stand noch zur Verfügung und passte, war gesund, und ihr Körper reicherte genügend Stammzellen an.

Meine Enkel haben
einen kleinen Lebensretter-Pokal für
mich gebastelt.
Heidrun Kramer

Lebensretter-Pokal von den Enkeln

Heidruns Familie und Freunde sind sehr stolz auf sie und haben sie im Spendeprozess sehr bestärkt. „Meine Enkel haben einen kleinen Lebensretter-Pokal für mich gebastelt und mir überreicht. Ich habe allen gesagt, sie sollen sich auch registrieren lassen. Einfacher kann man kein Leben retten“, sagt die (ehemalige) Altenpflegerin, die zwei Kinder und vier Enkelkinder hat.
Und weiter: „Es lohnt sich auf jeden Fall zu spenden. Ich kann es noch gar nicht fassen, einen genetischen Zwilling zu haben, und bin total froh und ein bisschen stolz, dass er überlebt hat. Ich freue mich jedes Mal, wenn er sich meldet und schreibt, dass es ihm gutgeht. Dieser Mann ist der einzige, mit dem ich in regelmäßigem Briefkontakt stehe, alle anderen werden angerufen oder bekommen eine WhatsApp. Das ist auch mal wieder etwas sehr Schönes und Besonderes.“

Autor:

Redaktion Olpe aus Stadt Olpe

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