Vom eigenen Mann vergewaltigt

52-jähriger Kraftfahrer aus Finnentrop zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Finnentrop. Vergewaltigung in der Ehe – gestern Vormittag wurde die erste Anklage eines derartigen Falls im Kreis Olpe verhandelt. Auf der Anklagebank im Saal 083 des Olper Amtsgerichtes ein 52-jähriger Kraftfahrer aus Finnentrop. Ihm gegenüber, fünf Meter entfernt, als Nebenklägerin seine 39-jährige Frau. Beide meiden Blickkontakt, schauen gezielt aneinander vorbei. Nur einmal schaut der Kraftfahrer seine »Noch-Ehefrau« (die Scheidung läuft) an. »Hast du kein Gewissen mehr? Das kannst du mir nicht antun. Du weißt, dass ich das nicht war.«

»Schreie mit einem Kissen erstickt«

Staatsanwalt Günter Scholz definierte das »das« in der Anklageschrift genauer. Nach einem Kneipenbesuch sei der Finnentroper betrunken nach Hause gekommen. Der 52-Jährige wollte Sex mit seiner Frau. Sie aber nicht mit ihm. Dann habe er sich seinen Willen mit Gewalt geholt. Der Staatsanwalt: »Er hat sie aufs Bett geschmissen, ihre Schreie mit einem Kissen erstickt.« Dann soll der Kraftfahrer seine Frau mehrfach vergewaltigt haben, fast eine Stunde lang.

Der 52-Jährige leugnete die Tat. »Ich bin mir keiner Schuld bewusst.« Dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Jochen Schneider gab er Einblick in die schweren familiären Probleme. 1993 habe er seine Frau in der Ukraine kennen und lieben gelernt, 1995 mit nach Deutschland geholt. Der heute 19 Jahre alte Stiefsohn habe seine Beziehung zerstört. Er sei schon früh auf die »schiefe Bahn« geraten, habe »Kontakt zur Mafia« und einen gewaltigen Schlag. Den hat der 52-Jährige nach eigenem Bekunden öfters zu spüren bekommen.

Das, so behauptete gestern der Kraftfahrer, sei auch am besagten Tatabend, dem 19. Februar 2000, einem Samstag, so gewesen. Der Angeklagte: »Wir haben in der Kneipe Fußball geguckt, ich bin dann nach Hause, habe mich ins Bett gelegt. Meine Frau war gar nicht zu Hause. In der Nacht hat dann mein Stiefsohn die Tür zu meiner Wohnung eingetreten, er hat mich dann brutal geschlagen.« Hinter der Anzeige seiner Frau vermutet der Finnentroper einen Racheakt. »Weil ich im Scheidungsverfahren die Unterhaltsforderungen abgelehnt habe.«

Drei Jahre zur Bewährung

Das sah das Gericht gestern anders. Richter Schneider verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Die Strafe wurde für einen Zeitraum von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Richter Schneider: »Die Aussage der Ehefrau hat mich überzeugt. Im Detail konnte sie Einzelheiten der Vergewaltigung schildern.« Wenn sie die Tat aus Rache angezeigt hätte, wäre sie anders vorgegangen, so der Richter.

Hintergrund: Die 39-Jährige hatte am Tag nach der Vergewaltigung bei der Polizei eine Körperverletzung zur Anzeige gebracht. Die Beamten schickten die Frau dann zum Hausarzt, der überwies sie zum Gynäkologen. Erst als die Ärztin Verletzungen im Intimbereich diagnostizierte, die auf eine Vergewaltigung hindeuteten, landete die Akte bei der Olper Kriminalpolizei. Einer Polizistin schilderte die 39-Jährige dann die Vergewaltigung.

Gericht folgte Staatsanwalt

Mit der Höhe des Strafmaßes hielt sich das Gericht an die Anträge der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Die wollten die Strafe jedoch nicht zu Bewährung ausgesetzt sehen. Rechtsanwalt Thomas Trapp aus Finnentrop, Anwalt der 39-jährigen Ehefrau: »Die Tat war an Menschenverachtung kaum noch zu überbieten.« Richter Schneider begründete seine Entscheidung, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, mit der erheblich verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten und mit der Situation der Ehe: »Der Angeklagte war betrunken. Die Ehe lief nicht mehr. Das Paar hatte schon ein halbes Jahr keinen sexuellen Kontakt mehr.«

Verteidiger Thomas Höffer aus Attendorn hatte für seinen Mandanten Freispruch gefordert. Dem Vernehmen nach wird Höffer für seinen Mandanten Berufung einlegen.

mavo

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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