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Freilichtbühne Freudenberg hat in neue Bühnentechnik investiert
Aber: Wann geht es endlich wieder los?

Fast 80 Scheinwerfer tauchen das Geschehen auf der Bühne ins rechte Licht. Gesteuert werden sie aus der Regiekabine, wie der Ton. Fast fünf Jahre wurde umgerüstet, um die Freilichtbühnen-Inszenierungen auf einen aktuellen technischen Stand zu bringen.
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  • Fast 80 Scheinwerfer tauchen das Geschehen auf der Bühne ins rechte Licht. Gesteuert werden sie aus der Regiekabine, wie der Ton. Fast fünf Jahre wurde umgerüstet, um die Freilichtbühnen-Inszenierungen auf einen aktuellen technischen Stand zu bringen.
  • Foto: Freilichtbühne Freudenberg / Friedhelm Geldsetzer
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la - Rückblick auf die Anfänge der Bühnenausstattung  und Ausblick in die Zukunft. Friedhelm Geldsetzer erinnert sich: „Selbst der Stromanschluss fehlte für die erste Inszenierung.“
la Freudenberg.  Wie eine Ruine steht das Holzskelett von „Schloss Löwenau“ aus der Inszenierung „Ein toller Einfall“ auf der Drehbühne der Freilichtbühne in Freudenberg. Das schmuddelige Winterwetter verstärkt die Tristesse, die über dem Areal liegt. Denn wie es weitergeht, steht in den Corona-„Sternen“.
Freilichtbühne entwirft für diese Saison  "Plan b"In der vergangenen Saison wurde das Erwachsenenstück „Wochenend und Sonnenschein“ und das Kinderstück „Dschungelbuch“ Mitte März  wegen der  Pandemie  komplett abgesagt.

la - Rückblick auf die Anfänge der Bühnenausstattung  und Ausblick in die Zukunft. Friedhelm Geldsetzer erinnert sich: „Selbst der Stromanschluss fehlte für die erste Inszenierung.“
la Freudenberg.  Wie eine Ruine steht das Holzskelett von „Schloss Löwenau“ aus der Inszenierung „Ein toller Einfall“ auf der Drehbühne der Freilichtbühne in Freudenberg. Das schmuddelige Winterwetter verstärkt die Tristesse, die über dem Areal liegt. Denn wie es weitergeht, steht in den Corona-„Sternen“.

Freilichtbühne entwirft für diese Saison  "Plan b"

In der vergangenen Saison wurde das Erwachsenenstück „Wochenend und Sonnenschein“ und das Kinderstück „Dschungelbuch“ Mitte März  wegen der  Pandemie  komplett abgesagt. Und auch dieses Jahr wird es keine Inszenierungen geben, dafür rennt den Verantwortlichen die Probenzeit davon.
„Hinter den Kulissen“, sagt Sprecher Christian Wallhäuser, „basteln wir schon an Alternativ-Konzepten.“ Verständlich. Schließlich möchte die Bühne nicht in Vergessenheit geraten. Große Darsteller-Aufmärsche, da ist sich Wallhäuser sicher, wird es nicht geben. „Vielleicht“, sagt das Vorstands-Mitglied, „ist es möglich, Bands auftreten zu lassen, oder ein kleines Best-Of-Programm zu inszenieren.“ Den Freudenbergern bleibt nicht viel anderes übrig, als die Entwicklung abzuwarten.
Warten, warten und warten, heißt es aber auch noch für jemand anderen: Timo Fricke. Er ist Chef der Technik und des Teams von rund 15 Mitarbeitern, die noch Verstärkung suchen. Ein Bereich, den der normale Zuschauer nicht sieht, nur wahrnimmt, wenn die Szenen ins rechte Licht gerückt werden, wenn das Ensemble den richtigen Ton trifft.

Technik wurde komplett modernisiert

Mag auf der Bühne der Winterblues spielen, das Reich der Technik – ganz in den Farben Schwarz, Grau und Weiß – wirkt wie ein moderner Hightech-Stand, mit flimmernden Monitoren, mit einem riesigen Schaltpult und einer Beleuchtung, die automatisch gedimmt wird, wenn es auf der Bühne losgeht. Stück für Stück wurde die Bühnentechnik auf den neuesten Stand gebracht, angefangen von neuen Traversen und Motoren für das Auf- und Absenken über Kabel, bis hin zu Multifunktionsscheinwerfern und der modernsten LED-Technik. Der gesamte Szenenablauf wird programmiert, von der Ansage doch die Handys abzuschalten bis zum Schlussakkord.
Timo Fricke: „Die Sanierung der Bühnentechnik war auch dringend notwendig. Hinter den Verkleidungen liefen die Mäuse.“ Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Timo Fricke: „Seit die Bühnentechnik komplett fertig ist, wurde sie noch nicht ein einziges Mal eingesetzt.“
Bei dem grau-schwarz-weißen Kommandostand schlägt noch ein anderes Herz höher, das von Friedhelm Geldsetzer, oder wie ihn das Freilichtbühnen-Ensemble nennt, "dem Vater der Technik“. Er ist ein Urgestein der Freilichtbühne, kam durch Bernd Klein – „Wir sind beide aus der Altstadt“ – 1958 dazu.

Friedhelm Geldsetzer ist der "Vater der Technik" der Freilichtbühne

Der Rundfunk- und Fernsehtechniker war genau der Richtige, die Bühne ins rechte Licht zu setzen. Wenn man heute als Zuschauer die aufwendigen Inszenierungen mit Pyrotechnik – besonders beim Kinderstück – und technischen Finessen sieht, kann man sich kaum vorstellen, wie der Anfang 1956 war, als man im alten Steinbruch „Kriegskassenraub zu Freudenberg“ zur 500-Jahr-Feier spielte. Geldsetzer: „Wir haben im Hand- und Spanndienst die Bühnenfläche geschaffen, und es gab noch nicht mal einen Stromanschluss.“ Den Strom holte man sich von der nahe gelegenen Lederfabrik, die Scheinwerfer montierte man auf drei Fahnenmasten und der Kommandostand war im Kirschbaum untergebracht.
Wenn Friedhelm Geldsetzer erzählt, wie der Stromanschluss gelegt, wie Steuerleitungen hinter den Kulissen verlegt und die ersten 62 kleinen Farbfilter montiert wurden, dann kann man sich das heute im Hightech-Stand kaum vorstellen. Die Freilichtbühne Freudenberg sah sich immer als einen Teil des kulturellen Angebots in der Region und hat die Beziehungen zur Bühne in Elspe gepflegt. Vielleicht gab es deshalb zum 25-jährigen Jubiläum der Freudenberger von den Elspern eine Mikroanlage geschenkt.
„Bei allem technischen Fortschritt“, sagt Friedhelm Geldsetzer, „hat bei uns immer die Sicherheit für das Ensemble im Vordergrund gestanden. Dazu kam, wir wollten immer authentisch bleiben.“ Wenn der Dimpfelmoser im „Räuber Hotzenplotz“ die Kaffeemühle gedreht hat und ein Lied erklang, dann kam es aus der Kaffeemühle und nicht aus der Tonkabine.

20 km Steuerungskabel liegen auf dem Areal

40 Jahre hat Friedhelm Geldsetzer an der Freilichtbühnen-Technik getüftelt, dann den Stab weitergereicht an Timo Fricke und sein Team. Die kleinen Anekdoten, die er erzählt, sind unerschöpflich. Im Thema Technik ist er geblieben und mit einem gewissen Stolz weist er darauf hin, dass innerhalb des Runds etwa 20 000 Meter Steuerungskabel verlegt sind. Eines eint Geldsetzer und Fricke: Die Saison könnte starten, ohne Corona, ohne Sicherheitsabstand, dafür aber im Licht und mit dem Ton der neuen Technik.

Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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