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(Update) Reinhard Schulz löst sein Atelier auf
Bauhaus prägte Stil des Büschergrunders

Auch das wird in Erinnerung bleiben: Reinhard Schulz in seinem Atelier. Der inzwischen 92-Jährige gibt einen Großteil seiner Arbeiten nun ab. Er stellt sie am Sonntag zugunsten des Vereins Kultur-Flecken Silberstern zur Verfügung.
  • Auch das wird in Erinnerung bleiben: Reinhard Schulz in seinem Atelier. Der inzwischen 92-Jährige gibt einen Großteil seiner Arbeiten nun ab. Er stellt sie am Sonntag zugunsten des Vereins Kultur-Flecken Silberstern zur Verfügung.
  • Foto: Claudia Irle-Utsch
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ciu Büschergrund. Ein Stück Kreide. Mehr brauchte Reinhard Schulz im Grunde nicht, um zu unterrichten. Werken, Kunst, Geschichte, Sozialkunde. Er lehrte, was er gelernt hatte, konnte aus einem Schatz an Wissen und Erfahrung schöpfen, verbunden mit seinen individuellen Vorstellungen und Ideen. Er hatte (und hat!) seinen eigenen Kopf, und wer dem 1927 geborenen Mann begegnet, spürt das. Ein Gespräch mit ihm ist nicht beiläufig, sondern konturiert, ernsthaft und zugleich amüsant, durchaus fordernd und dabei tiefgründig genug, um sich auch des Heiter-Anekdotischen zu bedienen. Im Grunde so, wie es auch seine künstlerischen Arbeiten sind: in den Linien klar, mitunter kräftig akzentuiert, doch immer mit genügend Raum auch für Fläche, Licht und Farben.

ciu Büschergrund. Ein Stück Kreide. Mehr brauchte Reinhard Schulz im Grunde nicht, um zu unterrichten. Werken, Kunst, Geschichte, Sozialkunde. Er lehrte, was er gelernt hatte, konnte aus einem Schatz an Wissen und Erfahrung schöpfen, verbunden mit seinen individuellen Vorstellungen und Ideen. Er hatte (und hat!) seinen eigenen Kopf, und wer dem 1927 geborenen Mann begegnet, spürt das. Ein Gespräch mit ihm ist nicht beiläufig, sondern konturiert, ernsthaft und zugleich amüsant, durchaus fordernd und dabei tiefgründig genug, um sich auch des Heiter-Anekdotischen zu bedienen. Im Grunde so, wie es auch seine künstlerischen Arbeiten sind: in den Linien klar, mitunter kräftig akzentuiert, doch immer mit genügend Raum auch für Fläche, Licht und Farben.

Erlös geht an Kultur-Flecken Silberstern

Nun hat Reinhard Schulz – gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria – einen Entschluss gefasst: Er räumt sein Atelier, in dem er gleich neben dem Eingang zum Haus auf der Gambachshöhe in Büschergrund jahrzehntelang gemalt, gezeichnet, konzipiert hat. Eine gute Weile, sagt er, habe er mit diesem Vorhaben gerungen, doch seit die Entscheidung gefallen sei, dass diese Räumlichkeiten künftig anders genutzt werden könnten, gehe es ihm gut damit. Am Sonntag stellte er seine Werke zwischen 16 und 18 Uhr im Kultur-Flecken Silberstern (Am Silberstern 4 in Freudenberg) zum Verkauf aus; die Resonanz war enorm. Nun gibt es eine Fortsetzung der Aktion: am Sonntag, 15. September, ebenfalls von 16 bis 18 Uhr. Der gesamte Erlös – gezahlt wird nach je eigenem Ermessen – kommt dem rührigen Kulturverein zugute.

Erinnerung an den Jour fixe und schöne Feiern

Maria und Reinhard Schulz, erzählt die im Kultur-Flecken aktive Friederike Schlebusch, hätten bei Vereinsgründung zu den ersten Mitgliedern gehört. Froh, dass sich in der Kleinstadt kulturell etwas tue. Vieles von dem, was es im Siegerland an Weltläufigkeit vermisste, erreiste sich das Paar oder setzte manches auch in den eigenen vier Wänden um. So habe es, daran erinnert sich Friederike Schlebusch, als Junglehrerin an der Realschule Freudenberg Kollegin der beiden, früher täglich einen Jour fixe gegeben, ab 18 Uhr die Gelegenheit, bei anregenden Getränken anregende Gespräche zu führen. Am letzten Schultag vor den Ferien weitete sich dieses informelle Treffen in aller Regel aus – unvergessen, wie auch die thematisch ausgefeilt arrangierten Karnevals-Sausen, bei denen Schulz‘ Haus sich zum Beispiel in einen Palast aus 1001 Nacht verwandeln konnte.

Reinhard Schulz erschuf Haus im Bauhaus-Stil

Dieses Savoir-vivre faszinierte und inspirierte, und dass das so war, lag sicher auch am Geist des Hauses, das Reinhard Schulz Anfang der 1970er-Jahre im Bauhaus-Stil geplant und gebaut hat. Wichtig, erzählt er, sei ihm gewesen, dass Haus und Garten eine Einheit bildeten, dass es eine Verbindung von außen und innen gebe und drinnen – abgesehen vom Zugang zum Bad – auch keine einzige Tür. Es brauchte Flächen (für Bilder – dass es mal seine eigenen sein würden, die dort hängen, hätte er anfangs nicht gedacht – und natürlich für Bücher), Durchgänge (mal großzügig und weit, mal enger, um Rückzugsräume zu schaffen) und Fenster zum Licht. „Ich hatte das Glück, spät genug zu bauen“, sagt Reinhard Schulz, „da kannte ich mich schon.“ Und so passt das Haus zu ihm „wie ein Maßanzug“. In diesen Rahmen fügt sich auch das Interieur: Möbel, Lampen, Zuckerlöffel – all das ist stimmig, zeugt vom unbedingten Willen, das eigene Leben zu gestalten.

Zeit als Lehrer in Kairo

In den frühen Jahren war das Reinhard Schulz nicht durchweg möglich, in seiner Vita folgt auf das „1927 in Niederschlesien geboren“ sehr unmittelbar: „1943 Luftwaffenhelfer in Breslau – 1944 Soldat mit Fronteinsatz – 1945 Helfer auf einer Schiffswerft, dann auf einem Bauernhof“. Es war Krieg. 1948 ein Lichtblick: „Schulbesuch“. Sein Abitur machte er in Wolfenbüttel, begann 1951 als Volksschullehrer in Braunschweig. Es folgten das Examen zum Realschullehrer und eine Anstellung in Schleswig-Holstein.
Er lernte Maria kennen, auch sie Lehrerin und mit einem starken Drang, andernorts zu leben. „Ich wollte weg aus Deutschland“, berichtet sie. Und wie sehr sie das wollte, ist im Gespräch immer noch zu spüren. Kabul, Lima oder Kairo waren Möglichkeiten. „Es wurde dann Kairo.“ Sie unterrichtete an der Deutschen Schule der Borromäerinnen, er ab 1967 an der Deutschen Evangelischen Schule der ägyptischen Hauptstadt. Was beide schätzten: die Wissbegierde der Schülerinnen und Schüler, genährt aus der Notwendigkeit, dass Lernen Chancen eröffnen kann. Das hätten sie später in Deutschland vermisst, sagen die beiden, die das laute Leben in Kairo wieder eintauschten gegen die geordnetere Welt in der Heimat.

Südwestfalen als Basis für weite Reisen

Wegen ihrer großen Liebe zu Italien suchten sie eigentlich eher im Süden, in Bayern, Baden-Württemberg oder Hessen, Arbeit, doch damals herrschte an den Schulen zum Teil Einstellungsstopp. So wurde letztlich das südlichste Nordrhein-Westfalen die Basisstation für auch künftig weite Reisen. Vor und nach der Pensionierung, die wiederum dann noch einmal neue Ufer entdecken ließ: Reinhard Schulz begann, intensiver zu malen, zu zeichnen, zu schreiben. So entstanden unzählige Hefte zu unterschiedlichen Themen: vielfach Reise-Skizzen, aber auch historische oder gesellschaftspolitische Betrachtungen. Bis heute: „Freudenberg und seine atypische Stadtentwicklung“ ist das jüngste dieser Werke – und fast fertig.

Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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