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Klassisches im Autokino
Brasscussion eröffnet neue Format

Mit einem Klassik-Programm ging der Verein „Der virtuelle Hut“ in die Region: Im OX-Autokino auf der Freudenberger Wilhelmshöhe war am Sonntagabend klassische Musik zu hören, unterhaltsam, gekonnt und mit ansteckender Verve präsentiert. Dem Publikum in und neben den Autos gefiel’s.
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  • Mit einem Klassik-Programm ging der Verein „Der virtuelle Hut“ in die Region: Im OX-Autokino auf der Freudenberger Wilhelmshöhe war am Sonntagabend klassische Musik zu hören, unterhaltsam, gekonnt und mit ansteckender Verve präsentiert. Dem Publikum in und neben den Autos gefiel’s.
  • Foto: René Traut
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

bst Freudenberg. 36 Konzerte der Philharmonie Südwestfalen mussten zuletzt abgesagt werden, stattdessen musizierten kleine Ensembles, darunter auch das Percussionistenquartett 40-mal bei sozialen Einrichtungen in der Region. Seit Kurzem gibt es vor stark verkleinertem Publikum Konzerte mit dem Streichorchester im Apollo-Theater Siegen, die Holzbläser und Hornisten bereiten die Aufnahme einiger Sätze aus der Gran Partita von Wolfgang Amadeus Mozart vor. Nach dem erfolgreichen Auftritt des im März kreierten Blechbläserquintetts Blech5@ beim Livestream-Osterprogramm des neu gegründeten Vereins „Der virtuelle Hut“ im Siegener Lÿz entstand die Idee, Blechbläserquintett und Schlagzeugerquartett zusammenzuführen zum Ensemble Brasscussion.

bst Freudenberg. 36 Konzerte der Philharmonie Südwestfalen mussten zuletzt abgesagt werden, stattdessen musizierten kleine Ensembles, darunter auch das Percussionistenquartett 40-mal bei sozialen Einrichtungen in der Region. Seit Kurzem gibt es vor stark verkleinertem Publikum Konzerte mit dem Streichorchester im Apollo-Theater Siegen, die Holzbläser und Hornisten bereiten die Aufnahme einiger Sätze aus der Gran Partita von Wolfgang Amadeus Mozart vor. Nach dem erfolgreichen Auftritt des im März kreierten Blechbläserquintetts Blech5@ beim Livestream-Osterprogramm des neu gegründeten Vereins „Der virtuelle Hut“ im Siegener Lÿz entstand die Idee, Blechbläserquintett und Schlagzeugerquartett zusammenzuführen zum Ensemble Brasscussion. Das passte bestens zur Idee, das Anfang Mai auf dem Parkplatz der Diskothek Ox konstituierte Autokino auf der Freudenberger Wilhelmshöhe für Konzerte zu nutzen, die der „virtuelle Hut“ und Organisator Martin Horne mit Unterstützung der Sparkasse Siegen rasch zur Realisierung bringen konnten: Von einer professionell ausgerüsteten Bühne übertragen drei Kameras das Agieren der Musiker auf die 40 Quadratmeter große LED-Wand, während der Ton über einen UKW-Radiosender direkt in die Autos übertragen wird, wo die gewünschte Einstellung bezüglich Lautstärke und Klangbild erfolgen kann.

Brasscussion mit gelungener Premiere

Das für den Start der „KinOX-Open-Air-Classic“-Konzerte gebildete Nonett Brasscussion wurde der Premierensituation am Sonntagabend gerecht mit einem Programm, das allerlei Besonderheiten präsentieren konnte. Bezug genommen wurde auf die Herkunft der Musiker ebenso wie auf das Autokino als Konzertort. „Die Wiederbelebung der Operette aus dem Geist gehobenen Unsinns“, so witzelte ein Rezensent im Bericht über die Uraufführung von „Das trojanische Boot“ von Mnozil Brass und Bernd Jeschek bei der Ruhrtriennale 2005 – mit der Ouvertüre in der Bearbeitung durch Leonard Paul eröffneten Brasscussion das Konzert, das Tubist Attila Benkö humorvoll moderierte.
An seine und des Schlagzeugers Matthias Kelemens ungarischen Wurzeln erinnerte die Polka schnell op. 332 „Éljen a Magyár“ („Es lebe der Ungar“) von Johann Strauss (Sohn) in der Bearbeitung für Schlagzeugquartett von Yu Fujiwara, der selbst mitwirkte, von dem auch die meisten der weiteren Arrangements stammen und der solistisch beim traditionellen „Yagi Bushi“ auf der Taiko, einer japanischen Fasstrommel, überzeugend wirkte. Der britische Komponist Steven Verhelst hatte zur Erinnerung an die Opfer der Tsunami-Katastrophe mit Atomreaktor-GAU 2011 in Japan den weltweit bekannt gewordenen „Song für Japan“ kreiert, dem er nun in Corona-Zeiten den „Song For Health“ folgen ließ, sehr einfühlsam von Brasscussion dargeboten.

Samba und Jazz

Verhelsts Landsmann, der Schlagzeuger David Friederich, brachte seine Virtuosität als Stepptänzer ein zum von seinen Schlagzeugerkollegen dargebotenen „Palm Leave Rag“ von Scott Joplin und erntete dafür vom hupenden und klatschenden Publikum begeisterten Applaus. An Schlagzeuger Danielo Kochs Herkunft erinnerte der „Samba De Uma Nota Só“ des brasilianischen Sängers, Pianisten, Gitarristen, Komponisten und „Miterfinders“ des Bossa Nova Antonio Carlos Jobim, mit südamerikanischen Flair verbreitendem Schwung dargeboten vom Percussionistenquartett. Dieses steuerte zudem „Greetings To Hermann“ des bayerischen Jazzschlagzeugers Hans Günter Brodmann bei mit bestechenden Mallet- und Marimba-Soli. Und bei Giovanni Sollimas „Millenium Bug“ wechselten die Schlagzeuger in rasanter Weise zwischen Marimbaphon, Vibraphon und Trommeln.

Songs aus der "Dreigroschenoper"

Die Philharmonie-Blechbläser Thomas Kiess (Trompete), Julian Huss (Posaune), Attila Benkö (Tuba), Orchester-Intendant Michael Nassauer (Horn) sowie Trompeter Stephan Müller vom Musikkorps der
Bundeswehr in Siegburg brillierten u. a. mit Arrangements aus Musicals und Filmmusik. Vielfältige Klangschattierungen durch Einsatz von Dämpfern oder unterschiedlicher Trompeten und Flügelhörner, ausdifferenzierte dynamische Kontraste z. B. bei vier Songs aus Kurt Weills Musik zur "Dreigroschenoper“ bestachen ebenso wie die Herausarbeitung rhythmischer Finessen bei Johan de Meijs Medley „Moment For Morricone“ mit bekannten und beliebten Motiven aus Filmmusiken von Ennio Morricone. Am Schluss demonstrierten die neun Musiker beim „Mambo No. 5“ von Pérez Prado nochmals die musikalische Genialität dieser Fusion von Blechbläsern und Schlagzeugern. Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus per „Hupkonzert“ des begeisterten Publikums konnten nochmals alle Musiker und ganz besonders die Stabspieler bei Gustav Peters „Zirkus Renz“ ihre Virtuosität und ausgeprägte Spielfreude demonstrieren zum Abschluss dieses ganz besonderen „Sommer-Eröffnungkonzerts“.

Rege Kulturszene in der Region

Fazit: 13 Wochen nach dem Lockdown-Beginn beweisen die Philharmonie Südwestfalen und die Kulturszene der Region überhaupt, dass sie sich den Einschränkungen höchst innovativ und vital stellen und ihrem Publikum weiterhin hochkarätige Veranstaltungen bieten können. Die zum Ausdruck gebrachte große Dankbarkeit des Publikums am Sonntagabend ließ erkennen, dass dieses Engagement geschätzt und gewürdigt wird.

Autor:

Bernd Sensenschmidt (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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