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Corona hat das Theater im Griff
Harte Zeiten für die Freilichtbühne Freudenberg

„Peterchens Mondfahrt“: Das Kinderstück der Saison 2019 war ein riesiger Erfolg. Das Foto zeigt aber auch, mit welchen Schwierigkeiten die Freilichtbühnen-Inszenierungen in Zeiten von Corona zu kämpfen haben, denn die Akteure stehen dicht nebeneinander auf der Bühne und können keinen Abstand halten. Und auch keine Masken tragen …
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  • „Peterchens Mondfahrt“: Das Kinderstück der Saison 2019 war ein riesiger Erfolg. Das Foto zeigt aber auch, mit welchen Schwierigkeiten die Freilichtbühnen-Inszenierungen in Zeiten von Corona zu kämpfen haben, denn die Akteure stehen dicht nebeneinander auf der Bühne und können keinen Abstand halten. Und auch keine Masken tragen …
  • Foto: Jörg Langendorf (Archivfoto)
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

la Freudenberg. Schloss Löwenau hat auch schon mal bessere Zeiten erlebt. Der Dreh- und Angelpunkt in der turbulenten Verwechslungskomödie „Ein toller Einfall“ steht nur noch als Holzgerippe auf der Bühne der Freudenberger Freilichtbühne. Und auch der Eisbär aus „Peterchens Mondfahrt“, der im Zuschauerraum liegt, inmitten zusammengerückter Zuschauerbänke und dem ersten Herbstlaub, schaut melancholisch drein. In die Gegenwart und in die Zukunft.
Denn was wird werden, das fragt sich die Freilichtbühne Freudenberg. „Zum ersten Mal“, so Christian Wallhäuser, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, „seit Bestehen der Bühne fiel eine komplette Saison aus.

la Freudenberg. Schloss Löwenau hat auch schon mal bessere Zeiten erlebt. Der Dreh- und Angelpunkt in der turbulenten Verwechslungskomödie „Ein toller Einfall“ steht nur noch als Holzgerippe auf der Bühne der Freudenberger Freilichtbühne. Und auch der Eisbär aus „Peterchens Mondfahrt“, der im Zuschauerraum liegt, inmitten zusammengerückter Zuschauerbänke und dem ersten Herbstlaub, schaut melancholisch drein. In die Gegenwart und in die Zukunft.
Denn was wird werden, das fragt sich die Freilichtbühne Freudenberg. „Zum ersten Mal“, so Christian Wallhäuser, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, „seit Bestehen der Bühne fiel eine komplette Saison aus.“ Und Christina Schaab, Spielleiterin im Erwachsenen-Theater, ergänzt: „Vom Lockdown angesichts der Corona-Pandemie habe ich an meinem Geburtstag erfahren. Mir sind die Tränen gekommen, und meine Kinder haben mich gefragt: „Mama, warum weinst Du?“

Als die Absage der Saison kam, war sie schon gut vorbereitet

Dabei waren wir mit den Proben für die beiden neuen Stücke „Wochenend und Sonnenschein“ und „Das Dschungelbuch“ schon weit fortgeschritten. Die Besetzungen waren klar, die Text- und ersten Stellproben gelaufen, wir waren kurz davor, erstmals auf der Bühne zu proben.“
Aus und vorbei, die Saison 2020 ist komplett gelaufen, beide Stücke sind ins nächste Jahr verschoben. Das Ärgerliche dabei, die elf Sondervorstellungen für Schulen und Kindergärten waren schon komplett ausverkauft, und beim „Traum“-Sommer 2020 wären die Zuschauer-Rekorde gepurzelt, allein schon deshalb, weil man mit der Verwechslungskomödie von Britt Löwenstrom und dem Rudyard-Kipling-Klassiker im Kindertheater auf zwei sichere Publikumsmagneten gesetzt hatte.

Viele Menschen spendeten die Eintrittsgelder

In Zeiten der Pandemie – Christina Schaab: „Wir haben bei den Krediten zwar eine Verlängerung bei den Banken bekommen, aber die Fixkosten laufen weiter“ – gab es allerdings auch einen Lichtblick: Viele der Zuschauer, die bereits Karten gekauft hatten, spendeten das Geld. „Wir waren“, sagt Christian Wallhäuser, „überrascht über die Solidarität der Bevölkerung.“ Die Freilichtbühne, die ausschließlich ehrenamtlich arbeitet, ist im Bewusstsein der Bevölkerung fest verankert.
Weil Bühnenbauer Arke Zeiß in Hagen umzog, kamen letzte Woche die dort eingelagerten neuen Kulissen für die beiden Stücke per Transporter. „Jetzt“, so der Requisitenleiter Hendrik Schaab, „heißt es erst einmal alles winterfest verpacken.“ Und seine Erinnerung an das plötzliche Aus hört sich zwar amüsant an, war es aber nicht. „Ich habe noch die Kokosnüsse für das ,Dschungelbuch’ zum Kuhlenberg gebracht, und dann wurden sie nicht im Urwald von den Affen geworfen, sondern landeten im Requisiten-Regal.“

Premieren für 2021 geplant, aber ...

Wie es weitergeht, das ist in Freudenberg, beim Vorstand und den 130 Mitwirkenden in beiden Stücken, noch nicht klar. Geplant ist erst einmal für den 5. Juni 2021 die Premiere im Kindertheater, und eine Woche später – 12. Juni 2021 – geht es mit Sonnenschein ins Wochenende. „300 000 Euro“, sagen Christina Schaab und Christian Wallhäuser, „müssen wir pro Saison für die Inszenierungen und den Erhalt des Geländes und der Gebäude erwirtschaften, um über die Runden zu kommen. Davon 90 Prozent selbst, zehn Prozent gibt es an Zuschüssen.“ Ob sie es schaffen, wird von der Pandemie-Entwicklung abhängen und von der Frage, welches Sicherheitskonzept dann greifen soll. Christina Schaab: „Wir müssen uns ja nicht nur um die Zuschauer und um die vielen Akteure auf der Bühne sorgen, sondern auch um die Parkeinweiser und um die Aktiven, die für das Catering zuständig sind, und jene, die hinter den Kulissen den Betrieb steuern.“ Dazu stellt sich die Frage: „Sind überhaupt alle bereit, wieder ihre Rollen zu übernehmen?“
Beim Dschungelbuch wird das schon etwas schwierig. Das Findelkind Mowgli wird von Kindern in drei Altersgruppen gespielt. Und auch hier stellt sich die Frage: „Sind die Kleinsten, zwischen 4 und 6 Jahren, nicht längst aus der Rolle herausgewachsen und viel zu groß, um ein kleines Findelkind zu spielen?“

Die finanziellen Verluste sind riesig

All das sind Fragen, die die Verantwortlichen der Freilichtbühne in der nächsten Zeit beantworten müssen, die ein Sicherheitskonzept ausarbeiten werden, um zu retten, was zu retten ist. Denn so erfreut man über die Zuschüsse ist – u. a. gab es vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe im Frühjahr einen Zuschuss von 15 000 Euro und Spenden – noch eine ausgefallene Saison, die 67. Spielzeit seit Bestehen der Bühne, hätte weitreichende Konsequenzen. Klarer ausgedrückt: „Der Verein müsste Insolvenz anmelden, und ein Freudenberger Kultur-Highlight würde der Vergangenheit angehören und ein Opfer der Pandemie sein.“

Autor:

Jörg Langendorf aus Wilnsdorf

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