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Glas-Negative von Fotograf Alfred Reppel
Zeitgeschichtlicher Schatz wird im 4-Fachwerk-Museum aufgearbeitet

Alfred Reppels Blick „Hinter der Kirche“: Architektur eingebettet in die Natur. Erkennbar im linken Bildrand die Bahnbrücke, die die Burgstraße hier fortsetzt.
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  • Alfred Reppels Blick „Hinter der Kirche“: Architektur eingebettet in die Natur. Erkennbar im linken Bildrand die Bahnbrücke, die die Burgstraße hier fortsetzt.
  • Foto: Foto: A. Reppel/4-Fachwerk-Museum
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

pebe Freudenberg. „Schau mal, rechts vorn, die Miste! Und dann die Steine an den Straßenecken, um die Häuser zu schützen!“ Vier aufmerksame Augenpaare folgen dem Cursor auf dem Bildschirm im 4-Fachwerk-Museum, der die nächste Fotodatei öffnet. Wieder eine Ansicht des Alten Fleckens: klar, fast am Rand der Überbelichtung, die Lichtreflexe auf dem Straßenpflaster sind zu erkennen, große Panoramen fassen den ganzen Straßenzug. Im Vordergrund: ein Junge in der „Krachledernen“, auch mal ein blühender Baum oder nur ein Schatten. Alles ist sorgfältig komponiert und hinterlässt doch fast den Eindruck eines Schnappschusses.

pebe Freudenberg. „Schau mal, rechts vorn, die Miste! Und dann die Steine an den Straßenecken, um die Häuser zu schützen!“ Vier aufmerksame Augenpaare folgen dem Cursor auf dem Bildschirm im 4-Fachwerk-Museum, der die nächste Fotodatei öffnet. Wieder eine Ansicht des Alten Fleckens: klar, fast am Rand der Überbelichtung, die Lichtreflexe auf dem Straßenpflaster sind zu erkennen, große Panoramen fassen den ganzen Straßenzug. Im Vordergrund: ein Junge in der „Krachledernen“, auch mal ein blühender Baum oder nur ein Schatten. Alles ist sorgfältig komponiert und hinterlässt doch fast den Eindruck eines Schnappschusses.

So kostbar, weil so zerbrechlich

Dieter Siebel, Klaus Siebel-Späth, Gottfried Theis und Bernd Brandemann (4-Fachwerk-Museum/Arbeitskreis für Stadt- und Baugeschichte) sind begeistert von dem, was sie digitalisiert vor sich haben: Aufnahmen des Freudenberger Fotografen und Buchbindermeisters Alfred Reppel, im Flecken „Gollo“ genannt. Die Fotos, betont Bernd Brandemann, seien nicht nur außergewöhnliche zeitgeschichtliche Dokumente, sondern auch ausgesprochen kostbare, weil sie so zerbrechlich sind: Es handelt sich um Glas-Negative, die der Nachwelt erhalten geblieben sind.

Wie das Museum an die Negative kam

Die Geschichte, wie das Museum an die Platten kam, ist reizvoll und doch auch tragisch. Der 1900 geborene Fotograf, der in seinen ersten Lebensjahrzehnten zur „respektablen Bürgerlichkeit“ in Freudenberg gehörte, wie Brandemann sagt, habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine eher merkwürdige Lebensweise zugelegt, die ihn an den sozialen Rand drängte. 1958 kam er beim Brand des Hauses, in dem er lebte, ums Leben. Irgendwann in der Zeit davor habe der Fotograf, der sein Geschäft 1956 abmeldete, die Sammlung mit Glasplatten verkauft – das habe sie gerettet. Die Negative, erzählen die vier SZ-Gesprächspartner, seien nach einer Zwischenstation dann im Haushalt eines Bankiers gelandet. Und das Museum habe die Bilder schließlich bei der Auflösung des Bankierhaushalts erwerben können.

"Heimat-Scheck" half beim Digitalisieren

Die Motive auf den Fotos umfassten viele Blicke auf Freudenberg, auf den Alten Flecken und seine Bewohner und die Umgebung der Stadt, bis hin zu Motiven aus dem Wildenburger Land. Reppel habe die Fotografien wohl auch zu Postkarten verarbeitet, so Brandemann. Reppel-Aufnahmen gebe es auch noch gerahmt und in Passepartouts gesetzt in manchen Haushalten, ergänzt Dieter Siebel. Dank Landesunterstützung („Heimat-Scheck“) sei eine Reinigung, Sortierung und digitale Aufarbeitung der Fotos möglich geworden, einige seien zerbrochen gewesen.

Sind begeistert vom fotografischen Schatz: Gottfried Theis, Bernd Brandemann, Klaus Siebel-Spätz und Dieter Siebel (v. l.).
  • Sind begeistert vom fotografischen Schatz: Gottfried Theis, Bernd Brandemann, Klaus Siebel-Spätz und Dieter Siebel (v. l.).
  • Foto: Peter Barden
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Von der Qualität sind die vier begeistert: Die Fotografien hätten eine hohe Feinkörnigkeit. Das habe zur Folge, dass in den digitalisierten Fotos eine kaum denkbare Informationsvielfalt zu entdecken sei, sagt Brandemann. Klaus Siebel-Späth klickt zum Beweis in eines der Bilder und zoomt es heran: Der Ausschnitt offenbart lesbare Geschäftsschilder, an einem überdachten Mitteilungskasten ist sogar noch ein Blatt mit der Überschrift „Öffentliche Mahnung“ zu erkennen. Aber auch der künstlerische Ausdruck des Fotografen überrascht mit der Genauigkeit der Bildkomposition und der Detailfülle. Entstanden seien die Bilder in den 20er- und 30er-Jahren, erklärt Gottfried Theis. So sind auf manchen Bildern zum Beispiel auch noch Hakenkreuz-Fahnen zu sehen. Die Erinnerung an furchtbare Zeiten ist plötzlich greifbar, auch für Jüngere.

"Vom Glas zum Bild" ab 16. Juli

Die Glasplatten seien weder signiert, noch hätten sie andere Wiedererkennungszeichen Reppels, sagt Theis, aber die Plattenherkunft sei gesichert, einerseits, weil sie als Konvolut zusammenblieben, andererseits, weil die Geschichte von Reppel bis zum Ankauf lückenlos dokumentierbar sei. Die rund 140 Fotos von Reppel sollen in der vom 16. Juli bis 4. September geplanten Ausstellung „Vom Glas zum Bild“ zu bewundern sein. Die Qualität der Bilder sei so gut, dass für diese Ausstellung zwei Bilder sogar sehr großformatig gedruckt werden sollen. Die 219 Glasnegative selbst – darunter auch nicht von Reppel stammende Negative, die dem Museum zur Verfügung gestellt wurden – sollen dann sicher und fachgerecht gelagert werden, ihre Existenz als Digitalisat macht eine weitere Erforschung leicht möglich.

Dieter Siebel: "So war das!"

Was ist der zeitgeschichtliche Wert dieser Fotos? Für Dieter Siebel ergibt er sich schon aus seiner eigenen Biografie: „Ich bin 1937 geboren, es ist für mich ein exakter Blick in meine Kindheit“, schwärmt er. Die Fotos hinterließen einen „starken Eindruck“: „So war das!“ Er erinnere sich auch noch an Alfred Reppel, der in alter Fotografenmanier „mit Kasten und Überwurf“, so Siebel lachend – im Ort unterwegs gewesen sei.

Broschüre zur Ausstellung

„Die Fotos sind eine Wucht“, ergänzt Bernd Brandemann, insbesondere hinsichtlich einer intensiven Stadtbildanalyse und einer Erforschung des Freudenberger Straßenbilds. Ob Oranienstraße, Mittelstraße, Unterstraße, Hinter der Burg, Blick auf den Bahnhof, altes Rathaus, Kirchplatz – es gibt viel, sehr viel zu entdecken und zu verstehen. Zur Ausstellung ist übrigens auch eine Broschüre geplant, In dieser wird nicht nur Reppel genannt, sondern – im Zuge der Fotografie-Geschichte der Stadt – unter anderem auch Robert Wilhelm Siebel, ebenfalls Buchbinder und wahrscheinlich der erste Freudenberger „Berufs-Fotograf“.

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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