60 Tage fehlen zum Bleiben

Familie Shantakumar muss ausreisen / Gut integriert

sz/pebe Freudenberg. Ein bitterer Einschnitt steht am kommenden Freitag der Familie Shantakumar aus Sri Lanka bevor: Die fünfköpfige Familie muss Deutschland verlassen. »Wie Ihnen bekannt ist, sind Sie vollziehbar zur Ausreise aus der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet«, heißt es in einem Schreiben des Kreis-Ausländeramts. Darin wird die Familie aufgefordert, sich samt Gepäck – 30 Kilo pro Person – um 7.30 Uhr vor ihrer »Unterkunft« bereitzuhalten. Dies wird das Ende eines fast achtjährigen Aufenthalts in der Bundesrepublik sein, insgesamt hat Familienvater Markandu Shatakumar 21 Jahre fern der Heimat gelebt. Zwar haben sich die Shantakumars bereit erklärt, freiwillig auszureisen, trotzdem regt sich nachvollziehbarer Widerstand gegen den Bescheid des Ausländeramts.

»Nur zwei Monate fehlen, damit die Familie für immer in Deutschland blieben könnte«, heißt es in einem Bittgesuch des Vereins für soziale Arbeit und Kultur in Siegen. Das Pech der Eheleute, so der Verein: Sie kamen im April 1995 nach Deutschland und nicht schon am 15. Februar. Dass sie bereits vorher fünf Jahre lang in Deutschland gelebt hätten, spiele bei der Berechnung keine Rolle. »Unfassbar«, so die Einschätzung des Vereins. »Unfassbar« sei dies auch für den Arbeitgeber des Familienvaters, eine weltweit operierende Fastfoodkette. Die Firma hatte Anträge gestellt und auf die Unverzichtbarkeit ihres Mitarbeiters hingewiesen. Das Arbeitsamt hatte Markandu Shatakumar eine Arbeitserlaubnis ausgestellt.

Probleme sehen die vielen Unterstützer und Freunde der Familie vor allem auch für die drei minderjährigen Kinder. Es sei für sie ein »harter Schlag, gezwungen zu werden, in ein Land auszureisen, das sie nicht kennen« und das ihren Eltern seit 1985 keine sichere Heimat mehr sei. Insbesondere das älteste Kind sei sehr betroffen und leide darunter, dass es seine Freunde für immer verlassen solle. Dies bestätigt auch die Osterbergschule als Förderschule der Stadt Freudenberg. Die Klassenleiterin und viele ihrer Kollegen attestieren dem Jungen eine starke Verwurzelung in seiner Heimat Freudenberg, schätzen sein freundliches Wesen, das eine Bereicherung für die Klasse sei. Der Junge sei fleißig und ausdauernd. Aber seitdem die Abschiebung laufe, reagiere er zunehmend verstört, werde von Weinattacken heimgesucht und fühle sich und seine Familie in der gegenwärtigen Situation bedroht. Sich vorzustellen, dass er »nicht mehr in der Klassen- und Schulgemeinschaft sei könnte, hinterlässt gleichermaßen tiefe Betroffenheit bei Lehrern und Schülern«, heißt es in einem Brief der Schule.

Eine seelische Beeinträchtigung aufgrund der drohenden Ausreisesituation sieht auch eine Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie gegeben. In einer der SZ vorliegenden Bescheinigung heißt es, der Junge leide u.a. an einer »posttraumatischen Belastungsstörung mit Angstzuständen«, und weiter: »Die Erkrankung wird meines Erachtens durch die Bedrohung, in das Krisengebiet des Herkunftslandes der Eltern zurückkehren zu müssen, weiter aufrechterhalten.« Diese Bedrohung komme »einer täglich wiederkehrenden Traumatisierung gleich, die allen therapeutischen Bemühungen entgegenwirkt«. Langfristige Behandlungserfolge seien nur zu erwarten, »wenn die reale Angst vor einer möglichen Abschiebung nicht im Vordergrund steht«.

Trotz der eindeutigen Integration der Familie, trotz der Unabhängigkeit der Familie von der Sozialhilfe, trotz guter Deutschkenntnisse aller Familienmitglieder muss die Familie ausreisen. »Zwei fehlende Monate scheinen der stichhaltige Beweis zu sein, dass die Familie trotz des langjährigen Aufenthalts in Deutschland nicht integriert ist und die Ausländerbehörde sie deswegen nicht akzeptieren kann«, hießt es in dem Bittgesuch des Vereins für soziale Arbeit und Kultur. Das Schreiben endet mit dem Satz: »Sind die Gesetze rein formal oder haben sie auch etwas mit Menschen zu tun?«

Die letzte Hoffnung der Familie ruht auf einer Petition an den Düsseldorfer Landtag. Über die Frage einer Entscheidung des Petitionsausschusses gibt es unterschiedliche Angaben: Während die Petition laut Kreisverwaltung abgelehnt sein soll, ist der betroffenen Familie und dem Verein für soziale Arbeit und Kultur nichts von einer Entscheidung bekannt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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