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Prozess um Messer-Attacke in Freudenberg
Angeklagter soll eingewiesen werden

Im Oktober 2018 kam es im Bereich des Freudenberger Hit-Marktes zu einer Messerstecherei – das Urteil vor dem Landgericht Siegen fällt am Donnerstag.
  • Im Oktober 2018 kam es im Bereich des Freudenberger Hit-Marktes zu einer Messerstecherei – das Urteil vor dem Landgericht Siegen fällt am Donnerstag.
  • Foto: kalle (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Siegen/Freudenberg. Dass der Angeklagte, der im Oktober 2018 einen 28-Jährigen mit mehreren Messerstichen im Bereich des Freudenberger Hit-Parkdecks lebensbedrohliche Stichverletzungen zugefügt haben soll, aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie in einer Einrichtung untergebracht werden wird, steht wohl außer Frage. Nach den Plädoyers am Montag muss die 1. große Strafkammer des Siegener Landgerichts entscheiden, ob der 25-Jährige – zeitlich unbegrenzt – in ein psychiatrisches Krankenhaus oder für einen bestimmten Zeitraum in eine Entziehungsanstalt eingewiesen werden wird.
Für Staatsanwältin Inga Happe steht fest, dass der junge Freudenberger zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war, dementsprechend freizusprechen ist und den Weg in ein psychiatrisches Krankenhaus finden soll.

cs Siegen/Freudenberg. Dass der Angeklagte, der im Oktober 2018 einen 28-Jährigen mit mehreren Messerstichen im Bereich des Freudenberger Hit-Parkdecks lebensbedrohliche Stichverletzungen zugefügt haben soll, aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie in einer Einrichtung untergebracht werden wird, steht wohl außer Frage. Nach den Plädoyers am Montag muss die 1. große Strafkammer des Siegener Landgerichts entscheiden, ob der 25-Jährige – zeitlich unbegrenzt – in ein psychiatrisches Krankenhaus oder für einen bestimmten Zeitraum in eine Entziehungsanstalt eingewiesen werden wird.
Für Staatsanwältin Inga Happe steht fest, dass der junge Freudenberger zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war, dementsprechend freizusprechen ist und den Weg in ein psychiatrisches Krankenhaus finden soll. Verteidiger Lars Brögeler plädierte dafür, dass sein Mandant auf dem Parkdeck in Notwehr gehandelt habe und er somit in einer Entziehungsanstalt seinen Drogenkonsum in den Griff bekommen und den Grundstein für ein straffreies Leben legen soll.

Unterbringung nach Paragraf 63 die schwerwiegendere Maßnahme

Zum Hintergrund: Strafrechtlich stellt die zeitlich unbegrenzte Unterbringung nach Paragraf 63 StgB die wesentlich schwerwiegendere Maßnahme dar, während die Einweisung in eine Entziehungsanstalt nach Paragraf 64 StgB meist auf die Dauer von zwei Jahren begrenzt ist. Gutachter Bernd Roggenwallner schloss eine Unterbringung auf Zeit aus – der Angeklagte sei kognitiv und intellektuell nicht in der Lage, eine solche Therapiemaßnahme durchzuhalten. Lars Brögeler merkte indes an, dass man beide Maßnahmen auch nebeneinander anordnen und zunächst mit der Anwendung des Paragrafen 64 beginnen könne.
Die Kammer wird außerdem über das Strafmaß der weiteren dem Angeklagten zur Last gelegten Taten zu befinden haben. Einem 29-Jährigen soll der Freudenberger im Sommer 2018 mit einem Stein eine Kopfverletzung zugefügt haben. Während Inga Happe dies als gefährliche Körperverletzung wertete und eine Freiheitsstrafe von einem Jahr forderte, verwies Lars Brögeler darauf, dass sich der 29-Jährige vor Gericht „wie die Axt im Walde“ verhalten habe: „Wer weiß, wie so jemand sich im richtigen Leben verhält“, mutmaßte der Strafverteidiger und erinnerte daran, dass der Angeklagte – obwohl von kräftiger Statur – vom Auftreten des 29-Jährigen so sehr beeindruckt war, dass er zunächst Schutz bei einem städtischen Mitarbeiter suchte. Erst als der junge Mann seinen Mandanten erneut aufgesucht und ihn aufgefordert habe, einen anderen Weg einzuschlagen, sei es zu dem Schlag mit dem Stein gekommen – das sei als Notwehr zu rechtfertigen.

Im Zweifel für den Angeklagten?

Genauso wie die Messerstiche in Freudenberg. Das 28-jährige Opfer habe angegeben, seinen Mandanten zur Rede stellen zu wollen – „das habe ich als Verteidiger schon 1000 mal gehört, in höchstens 50 Fällen trifft das zu“. Es sei davon auszugehen, dass der spätere Geschädigte äußerst forsch vorgegangen sei, obwohl das Messer gut sichtbar in der Seitentasche des Rucksacks des Angeklagten gesteckt habe. Weil sich der genaue Tathergang nicht zweifelsfrei klären lasse, sei auch hier von einer Notwehr-Handlung auszugehen. Einmal in Fahrt, teilte Brögeler kräftig aus: Der Staatsanwaltschaft warf er etwa eine „Rosinentheorie“ vor, das sei „kein guter Stil“. Man müsse sich auch mit den Dingen auseinandersetzen, die gegen die eigene Überzeugung sprächen. Bernd Roggenwallner attestierte der Verteidiger „keine gutachterliche Sternstunde“ und hielt die Ausführungen des Nervenarztes für angreifbar. Bei seinem Mandanten sei erst nach den Messerstichen ein psychotischer Schub eingetreten – und eben nicht im Vorfeld oder während der Tat. Aus diesem Grund könne von einer Schuldunfähigkeit keine Rede sein, sodass die Voraussetzungen für die Anwendung des Paragrafen 64 gegeben seien.

Aussetzung zur Bewährung ausgeschlossen

Einig waren sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft lediglich in zwei Punkten. Im Sommer 2018 soll der Angeklagte an einem Firmentor seines Vaters in Siegen den Schriftzug „LSD-Partys sind lustiger, wenn alle Bescheid wissen“, angebracht haben, für diese Sachbeschädigung soll eine Einzelstrafe von drei Monaten verhängt werden. Und ein Ladendiebstahl, bei dem der Siegerländer auf frischer Tat ertappt wurde und seinen Verfolger geschlagen haben soll, sei als räuberischer Diebstahl zu werten und mit einer Freiheitsstrafe von neun Monaten zu ahnden. Die Aussetzung zur Bewährung schlossen sowohl Inga Happe als auch Lars Brögeler aus, wobei die Staatsanwältin eine Gesamtfreiheisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten forderte, die Verteidigung auf zehn Monate Haft plädierte.
Das Urteil spricht Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach am kommenden Donnerstag, 19. Dezember, um 14 Uhr.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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