Aufmöbeln ist nicht gefragt

Restaurator Martin Quandel hat Respekt vor der Tradition

Freudenberg. Nicht nur Kleider, auch Möbel gehen mit der Mode. Deshalb kann sich Schreinermeister Martin Quandel ziemlich sicher sein: Der Fensterbeschlag, den er gerade fachgerecht montiert, stammt aus dem Jahr 1900. Wenn es sein muss, kann der 38-Jährige das auch wissenschaftlich belegen. Denn mit wissenschaftlichen Konzepten und Gutachten umzugehen, hat Martin Quandel gelernt. Ebenso wie die traditionellen Handwerkstechniken in Theorie und Praxis. Der Freudenberger hat sich zum geprüften Restaurator im Tischlerhandwerk qualifiziert. 13 Wochen hat er dafür gebüffelt. „Eine harte Zeit”, sagt er. Mehr als drei Monate Vollzeitschule: das bedeutet 65 Arbeitstage den eigenen Betrieb im Stich lassen, pures Vertrauen auf die Mitarbeiter. Zum Verdienstausfall addieren sich die Lehrgangskosten. Warum macht das ein erfolgreicher Handwerksmeister, der einen Traditionsbetrieb (1898 vom Uropa gegründet) in der vierten Generation führt? „Es war für mich eine Herausforderung”, antwortet Martin Quandel spontan. Außerdem habe er sich ein zweites Standbein schaffen wollen. „Als Handwerksmeister muss ich mich von den zahlreichen Hausmeisterdiensten und auch von den Angeboten aus dem Baumarkt absetzen”, erklärt er seine Berufsauffassung. Das ist der Schreinerei Quandel bereits gelungen. Im Juli hat der „Chef” beim Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege in Fulda die Prüfung abgelegt. Schon jetzt hat er Aufträge im gesamten Siegerland, im Hochsauerlandkreis und im Kreis Olpe. Auch auf der Wildenburg war Martin Quandel jetzt tätig. Dort hat er die Fenster erneuert. „Erneuert ist vielleicht das falsche Wort”, ergänzt der Restaurator. Aus altem Kulturgut neue Produkte zu erstellen, das liegt nicht im Selbstverständnis der Restauratoren. Vielmehr geht es darum, Mittel und Wege zu finden, wie die vorgefundene, aus vergangenen Jahrhunderten stammende Substanz am besten zu erhalten ist. Martin Quandel: „Es ist nicht die Aufgabe eines Restaurators, aus einem abgenutzten Möbelstück durch Lacke und Furnier ein neues anzufertigen.” Bei seiner Arbeit an denkmalgeschützten Objekten bevorzugt Martin Quandel individuelle handwerkliche Lösungen. Da setzt er auch schon mal das Werkzeug des Uropas ein: „Ein tolles Gefühl, wenn man bedenkt, dass damit schon vor 100 Jahren gearbeitet wurde.” Überhaupt kommt ihm die lange Tradition des Betriebes zu Gute. In der Schreinerei lagern viele alte Haustüren, Fenster, Beschläge und Glas. Selbst alter Tafelleim ist noch vorhanden. Sicher wird der auch in Freudenberg zum Einsatz kommen. In der denkmalgeschützten Altstadt warten noch viele Aufträge auf den Restaurator und sein Team. mavo

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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