"Leben der Menschen wird zerstört"
„Augen auf“ lehnt Gewerbegebiet auf dem Ischeroth ab

Der Protest gegen ein Gewerbegebiet am Freudenberger Ischeroth ist u. a. in Bühl vielerorts lesbar.
  • Der Protest gegen ein Gewerbegebiet am Freudenberger Ischeroth ist u. a. in Bühl vielerorts lesbar.
  • Foto: Christian Schwermer (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz/nja Freudenberg. „Ja“ zum Naturschutzgebiet Ischeroth sowie „nein“ zum Gewerbegebiet Wilhelmshöhe-Nord und zur Erweiterung des Gewerbegebiets Hommeswiese II: Das sind Kernaussagen des Freudenberger Vereins „Augen auf“ zum Entwurf des Regionalplans. Der markante Berg Ischeroth, so Vorsitzende Jennifer Wachsmuth, sei Teil einer großräumigen Biotopvernetzung. „Viele Tier- und Pflanzenarten benötigen die störungsfreie räumliche Zuordnung miteinander verbundener, ausreichend großer Lebensräume. Für diese Arten sind diese Areale normales Aufenthalts-, Jagd- und Nahrungsrevier.“ Bisher sichere der Ischeroth eine solche offene Wanderung z. B. von Rotwild, Wildkatzen und Luchsen. Er sei somit ein Teil des europaweit bedeutsamen Wildtierkorridors „Grünes Band der Landhecke“.

Lautstarke Empörung auf 43 Seiten

Weithin sichtbare Industrie-Terrasse auf dem Ischeroth befürchtet

Er bilde die wichtigste Verbindung zwischen dem Rothaargebirge und dem südlichen Sauerland zum Westerwald. Dass bei Baumaßnahmen auf dem höchsten Punkt des Berges direkt zwei Bächen – Lederbach und Wending – im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben werde, liege auf der Hand. Das Vorkommen der anspruchsvollen Waldschmetterlinge Großer Blauschillerfalter und Großer Eisvogel zeige die Hochwertigkeit des Ischerother Waldes mit Schluchtwald: „Der Ischeroth hat eine hohe Biodiversität, die zu schützen und zu erhalten ist. Rotmilane und Schwarzmilane ziehen hier regelmäßig ihre Kreise.“

Die Pläne des Luftkurortes Freudenberg würden den Ischeroth hingegen in eine „weithin sichtbare Industrie-Terrasse“ verwandeln. Massive Waldvernichtung und Landschaftsumformung würden erwartet. „Obwohl wir bereits von Gewerbe und Industriegebieten umzingelt sind, müssen wir uns, trotz der allgegenwärtigen Debatte zum Klimaschutz, jetzt gegen ein weiteres wehren. Werden Kultur- und Charakterbild der Region zerstört, wird auch das Leben der Menschen dort zerstört.“

Lebensqualität der Anwohner in der Hommeswiese Freudenberg leidet

Tiefe Einschnitte in die Lebensqualität erlebten die Anwohner in der Hommeswiese Tag für Tag, meint der Verein: „Ein Gewerbegebiet direkt vor der Haustür. Wie wertvoll ist da ein Naherholungsgebiet wie der Ischeroth.“ Bestreben müsse es sein, Kulturlandschaften wie Ischeroth, Knippen und Kuhlenberg als nationales Naturerbe zu pflegen und zu fördern. Die Stadt Freudenberg habe zwar im Erörterungsverfahren darauf hingewiesen, dass zum Schutz der Bewohner im Ortsteil Büschergrund Lärmschutzmaßnahmen vor unzumutbaren Verkehrsbelastungen erforderlich wären. Die tatsächliche Belastung sei jedoch nie überprüft worden.

„Hier wird Biodiversität zerstört“

Abschließend richtet sich der Blick auf die Hommeswiese, wo in einer Durchgangsstraße in unmittelbarer Nähe der Anwohner „bis zu zehn Lkw nachts zu unterschiedlichsten Zeiten starten“. Statt einer Erweiterung des Gewerbegebietes Hommeswiese II „muss hier unbedingt die Zumutbarkeit der Verkehrsbelastung überprüft“ und Lärmschutz auf den Ortsteil Bockseifen erweitert werden.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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