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Alcher blicken nach vorn
Backesfest-Tragödie: Zwischen Trauer und Zuversicht

Der Backes in Alchen ist bereits wieder zu einem beliebten Anlaufpunkt geworden. Auch wenn die Erinnerungen an die Katastrophe vom 8. September allgegenwärtig sind – im Dorf kehrt Stück für Stück Normalität ein.
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  • Der Backes in Alchen ist bereits wieder zu einem beliebten Anlaufpunkt geworden. Auch wenn die Erinnerungen an die Katastrophe vom 8. September allgegenwärtig sind – im Dorf kehrt Stück für Stück Normalität ein.
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cs Alchen. Die Erinnerungen an den 8. September sind bei Klaus Irle nach wie vor sehr präsent. Ein paar schöne Stunden hatte er auf dem Backesfest in Alchen verbringen wollen, als er plötzlich, an der Theke stehend, von der rechten Seite einen Feuerball auf sich zurasen sah. „Ich bin weggelaufen und ging davon aus, dass ich am Rücken brenne“, berichtete der Alcher, dessen schlimme Verbrennungen im Anschluss 16 Tage lang in einer Spezialklinik im Ruhrgebiet behandelt wurden. Als einer der ersten Schwerverletzten kehrte Klaus Irle nach der schrecklichen Explosion einer Bratpfanne, die zwei Frauen in den Tod riss und insgesamt elf Menschen zum Teil schwer verletzte, in den Freudenberger Ortsteil zurück.

cs Alchen. Die Erinnerungen an den 8. September sind bei Klaus Irle nach wie vor sehr präsent. Ein paar schöne Stunden hatte er auf dem Backesfest in Alchen verbringen wollen, als er plötzlich, an der Theke stehend, von der rechten Seite einen Feuerball auf sich zurasen sah. „Ich bin weggelaufen und ging davon aus, dass ich am Rücken brenne“, berichtete der Alcher, dessen schlimme Verbrennungen im Anschluss 16 Tage lang in einer Spezialklinik im Ruhrgebiet behandelt wurden. Als einer der ersten Schwerverletzten kehrte Klaus Irle nach der schrecklichen Explosion einer Bratpfanne, die zwei Frauen in den Tod riss und insgesamt elf Menschen zum Teil schwer verletzte, in den Freudenberger Ortsteil zurück. „Unwahrscheinlich schön“ sei die große Anteilnahme gewesen, die er und seine Familie erfahren haben. Und: „Von meiner Seite aus gab es nie das Gefühl, dass es einen Schuldigen aufseiten des Heimatvereins gibt. Es war ein Unfall – und für den ganzen Ort eine schreckliche Situation.“

Langsame Rückkehr der Normalität

Gut drei Monate nach der Tragödie kehrt in Alchen so etwas wie Normalität ein. Nein, am Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ werde man 2020 nicht teilnehmen, auch an die Ausrichtung eines Backesfestes im kommenden Jahr sei definitiv nicht zu denken, berichtete Martin Lucke am Dienstag im Rahmen eines Pressegesprächs. „Und unsere Mitgliederversammlung wird erst stattfinden, wenn die Ergebnisse der Ermittlungen vorliegen“, führte der 1. Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins aus, gemeinsam werde man mit den Vereinsmitgliedern über die künftige Arbeit des Vereins befinden. Dennoch: „Die Blicke sind vorsichtig nach vorn gerichtet. Das Leben geht weiter – und viele haben die Sehnsucht, einen Haken dahinter zu machen.“ Das wird wohl erst gelingen, wenn die Staatsanwaltschaft Siegen alle Gutachten ausgewertet hat und entschieden wird, ob gegen Einzelpersonen Anklage erhoben wird. „Das schwebt wie eine dunkle Wolke über dem Verein und belastet uns alle sehr“, gibt Lucke unumwunden zu.

Alle verspüren eine enorme Dankbarkeit

Alchen – ein Ort zwischen der anhaltenden Trauer um die beiden Todesopfer und Zuversicht für die kommenden Jahre. Immer wieder fällt in den Ausführungen der Vorstandsmitglieder ein Begriff: Dankbarkeit. Es sei ein wichtiges Anliegen, diese Dankbarkeit für die unvorstellbare Welle des Mitgefühls hinaus in die Region zu tragen, unterstreicht Martin Lucke. Viele gute Worte, Briefe und Umarmungen wurden den Alchern zuteil – und auf dem eigens von der ev.-ref. Kirchengemeinde Oberholzklau eingerichteten Spendenkonto gingen bislang unglaubliche 53.000 Euro ein. „Das ist ganz großartig“, fand Pfarrer Oliver Günther.

Dorfgemeinschaft rückte noch enger zusammen

Wenn man einer solchen Katastrophe, die überall im Siegerland hätte geschehen können, überhaupt etwas Positives abgewinnen kann, dann wohl die Tatsache, dass die Dorfgemeinschaft noch enger zusammengerückt ist. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt Schuldzuweisungen an den Heimatverein vernommen“, berichtete Martin Lucke und sein Stellvertreter Volker Nimke fügte hinzu: „Man wurde überall umarmt, wir haben große Liebe gespürt.“ Groß ist die Freude, dass alle neun Verletzten inzwischen so weit genesen sind, dass sie das Weihnachtsfest im Kreise ihrer Familien feiern können. Obwohl der eine oder andere seine Rehamaßnahmen auch im kommenden Jahr wird fortsetzen müssen und die seelischen Wunden längst nicht geheilt sind – dieser Umstand bringt viel Hoffnung nach Alchen, gerade jetzt in der besinnlichsten Zeit des Jahres.

Alcher nehmen die Zukunft wieder in die Hand

Nach dem Unfall (Martin Lucke: „Ein traumatisches Ereignis, ein Schockzustand für das ganze Dorf“) schien Alchen für einige Zeit wie gelähmt, nun nehmen die Menschen ihre Zukunft wieder in die Hand. Die Arbeit in den bereits gegründeten Projektgruppen für den Kreiswettbewerb geht weiter, dafür haben sie sich einstimmig ausgesprochen. Der Spielplatz soll ertüchtigt, der Schulhof umgestaltet und ein neuer Wanderweg ausgezeichnet sowie eröffnet werden, außerdem sind weitere Naturprojekte geplant. „Wir hoffen auf ein positives Miteinander und die Bereitschaft vieler Menschen, an der Gestaltung einer positiven Zukunft ihres Dorfes teilzunehmen“, sagte Martin Lucke.
„Das wäre ganz sicher im Sinne der beiden Verstorbenen gewesen“, ergänzte Volker Nimke und verriet, dass es Überlegungen für eine Gedenktafel gebe, die möglicherweise am Aufgang zum Backes angebracht werden wird. Die Zuversicht ist zurück in Alchen – ohne dabei jemals die Erinnerung an die beiden Frauen verblassen zu lassen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter Auf das erste Hauptgutachten folgt ein zweites. Wie die Staatsanwaltschaft Siegen auf SZ-Anfrage mitteilte, wurde eine weitere Überprüfung der Bratpfanne in Auftrag gegeben. Am 8. September dieses Jahres war das Gerät im Rahmen des Alcher Backesfestes explodiert, zwei Frauen erlagen später ihren schweren Brandverletzungen. Während das erste Gutachten zur Feststellung der Brandursache gedient habe, gehe es nun konkret um die Eigenkonstruktion selbst. Das Gerät werde dabei „auf links gedreht“ und sämtliche Schweißnähte genauestens überprüft. Der Einsatz einer Sonde soll weitere Auskünfte liefern, wie es zu dem schrecklichen Unfall kommen konnte – und vor allem darüber, ob Fehler in der Bedienung gemacht wurden oder die Ursache auf einen Materialschaden zurückzuführen ist. Das Ergebnis des Gutachtens werde voraussichtlich Mitte Januar vorliegen, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.
Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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