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Zirkus Trumpf hofft auf ein Wunder
Die Manege bleibt leer

Eigentlich wollte der Zirkus Trumpf mit allen Artisten und Tieren seine Zelte in Freudenberg längst abgebrochen haben. Wegen des Coronavirus wurden jedoch alle Aufführungen abgesagt.
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  • Eigentlich wollte der Zirkus Trumpf mit allen Artisten und Tieren seine Zelte in Freudenberg längst abgebrochen haben. Wegen des Coronavirus wurden jedoch alle Aufführungen abgesagt.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos Freudenberg. Rebecca Trumpf trägt die Verantwortung für drei Familien und über 20 Tiere. Doch darüber möchte die 52-Jährige im Moment am liebsten gar nicht nachdenken. „Ich bin mit den Nerven am Ende, ich habe nächtelang geweint“, so die Inhaberin des Zirkus’ Trumpf. Eigentlich wäre vor zwei Wochen Premiere in Dahlbruch gewesen, doch wegen Corona mussten vorerst alle Vorstellungen abgesagt werden. Die eingeplanten Einnahmen brechen also weg. „Manchmal kann ich gar nicht denken vor lauter Sorgen“, sagt die Mutter von acht Kindern.
Zirkus Trumpf überwintert in FreudenbergDenn die laufenden Kosten müssen weiter gezahlt werden: Tierarztbesuche, Futter, Reparaturen der Wagen, Essen für die Familien.

sos Freudenberg. Rebecca Trumpf trägt die Verantwortung für drei Familien und über 20 Tiere. Doch darüber möchte die 52-Jährige im Moment am liebsten gar nicht nachdenken. „Ich bin mit den Nerven am Ende, ich habe nächtelang geweint“, so die Inhaberin des Zirkus’ Trumpf. Eigentlich wäre vor zwei Wochen Premiere in Dahlbruch gewesen, doch wegen Corona mussten vorerst alle Vorstellungen abgesagt werden. Die eingeplanten Einnahmen brechen also weg. „Manchmal kann ich gar nicht denken vor lauter Sorgen“, sagt die Mutter von acht Kindern.

Zirkus Trumpf überwintert in Freudenberg

Denn die laufenden Kosten müssen weiter gezahlt werden: Tierarztbesuche, Futter, Reparaturen der Wagen, Essen für die Familien. So auch die Miete für den Platz gegenüber des Bethesda-Krankenhauses, der der Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort gehört. „Wir sind so dankbar, dass wir überhaupt hier bleiben dürfen“, betont Tochter Silvana Trumpf. Seit vier Jahren dürfe der Zirkus hier überwintern. Normalerweise hätten sie ihre Zelte im März längst abgebrochen, dann startet die Saison. Doch dieses Jahr macht Corona allen einen Strich durch die Rechnung.

Aufgeben kommt nicht infrage

Dass die Trumpfs vom einen Tag auf den anderen leben, ist für sie nicht neu, auch Hochs und Tiefs gehören dazu, gerade in dieser Branche. „Aber so schlimm wie in dieser Krise war es noch nie.“ Vor allem weil niemand wisse, wie lange die Einschränkungen noch bestehen. Aufgeben kommt aber nicht infrage.

Den Zirkus im Blut

„Der Zirkus besteht seit über 300 Jahren, wir sind in der achten Generation“, sagt Silvana Trumpf über das Familienunternehmen, das seine Anfänge in Ostberlin hatte. „Wir hängen dran. Das ist in unserem Blut. Jetzt einfach aufzuhören ist leichter gesagt als getan.“ Zumal die Möglichkeiten beschränkt seien. Die 33-Jährige hat die Schule nach der 3. Klasse beendet, „dann ging es weiter als Artistin. Ich kann nichts anderes“. Heutzutage sei das ganz anders, ihre Kinder würden von der Zirkusschule NRW unterrichtet. „Die kriegen eher einen Schulabschluss.“

Auch ohne Corona eine schwierige Branche

Hinzu komme, dass die Familien das freie Leben gewohnt seien. Jede Woche an einem anderen Ort im Siegerland, neue Nachbarn, neue Zuschauer. Alles andere würde sie einengen. Und doch: Der Zirkusalltag ist auch ohne Corona alles andere als sorgenfrei. „Manchmal kommt keiner. Dann bauen wir umsonst auf.“ Früher sei das ganz anders gewesen, erinnert sich Rebekka Trumpf, da seien die Kinder den Wagen hinterhergerannt. Heute seien es vor allem Großeltern mit ihren Enkeln, die die Vorstellungen besuchen. „Die erhalten den Zirkus.“
Jetzt kommen von den ohnehin schon wenigen Besuchern gar keine mehr. Trotzdem wird weiter geübt: Seilakrobatik, Clownerie, Tierdressuren. „Wir rosten sonst ein“, erklärt Silvana Trumpf. Außerdem ist es eine Möglichkeit, die Sorgen für einen kurzen Moment zu vergessen.

Familie Trumpf kennt die Vorurteile 

Verschwinden werden sie so einfach aber nicht. Die fünf Kinder und sieben Erwachsenen wollen essen, so auch die Alpakas, Ponys, Ziegen, Hunde und Tauben. „Wir lieben unsere Tiere“, unterstreicht Silvana Trumpf, die die vielen Vorurteile kennt. Nur die Ponys und Tauben würden in die Vorstellungen einbezogen, alle anderen Vierbeiner gehörten als liebgewonnene Begleiter dazu. „Erst werden die Tiere versorgt, dann wir“, merkt ihr Lebensgefährte an. Davon dürfe sich jeder selbst überzeugen.

Hilfen jeglicher Art sind willkommen

Nicht alle sind dem Zirkus gegenüber negativ eingestellt: Ein junger Mann kommt auf den Schotterplatz; dabei hat er einen Beutel mit Lebensmitteln. „Ich hab’ gehört, ihr braucht Hilfe“, sagt er, und verschwindet gleich wieder. Für solche Spenden seien die Familien sehr dankbar, so die 33-Jährige. Auch wenn es manchmal unangenehm sei, die Hilfe anzunehmen. „Aber ohne geht es nicht. Wir brauchen die Unterstützung.“ Egal in welcher Form: Heu, Kraftfutter, Möhren, Lebensmittel – alles werde gebraucht (mehr Informationen unter Tel. 01 51 / 25 89 13 65).
Um sich für die Unterstützung erkenntlich zu zeigen, plant Familie Trumpf schon jetzt eine kostenlose Vorstellung. Wann diese jedoch stattfinden wird, ist nicht absehbar. „Aber wir glauben an ein Wunder“, hofft Rebecca Trumpf auf ein baldiges Ende der Krise.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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