SPD und FDP wollen die Ampelanlage abschaffen
Diskussion um Kreisverkehr auf der Bahnhofstraße

Zu Stoßzeiten ist eine Fahrt über die Freudenberger Bahnhofstraße kein Vergnügen: Durch die roten Ampeln stockt der Verkehr immer wieder. Abhilfe soll zunächst eine intelligente Schaltung der Anlagen schaffen, mittel- und langfristig könnten die Ampeln dort komplett abgeschafft werden.
  • Zu Stoßzeiten ist eine Fahrt über die Freudenberger Bahnhofstraße kein Vergnügen: Durch die roten Ampeln stockt der Verkehr immer wieder. Abhilfe soll zunächst eine intelligente Schaltung der Anlagen schaffen, mittel- und langfristig könnten die Ampeln dort komplett abgeschafft werden.
  • Foto: Christian Schwermer (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

cs Freudenberg. Der Ärger war Arno Krämer (SPD) deutlich anzumerken. „Um es freundlich zu sagen“, zürnte der Sozialdemokrat in der jüngsten Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses in Richtung Stadtverwaltung, „sehen wir uns überhaupt nicht verstanden. Mit diesem Beschlussvorschlag können wir nicht umgehen, das zeigt eine ablehnende Haltung der Stadtverwaltung“.

Ampelanlage abschaffen

Im April dieses Jahres hatten SPD und FDP gemeinsam beantragt, die Ampelanlagen an der Bahnhofstraße abzuschaffen (die SZ berichtete). Die Verkehrssituation sei „nicht gut“, führte Arno Krämer weiter aus, es gebe Staus und stehende Fahrzeuge, so entstehe ein Schaden für Umwelt und Klima. Etwas zugespitzt forderte er gar, „man möge mir einen Seitenschneider geben, um die Stromleitungen zu kappen – dann schauen wir einfach mal, was passiert“.

Keine "Hauptstadt-Verhältnisse"

Zumindest in einem Punkt waren sich Arno Krämer und Christoph Reifenberger (CDU) einig: „Auch wir können mit der Vorlage nichts anfangen“, stellte der Christdemokrat klar, widersprach dem SPD-Mann ansonsten jedoch vehement. Man solle das Machbare tun, der Landesbetrieb solle sich mit intelligenten Systemen beschäftigen. Reifenberger weiter: „Wir reden hier über den morgendlichen und abendlichen Verkehr, wir haben keine Hauptstadt-Verhältnisse.“ Entsprechend schlug Reifenberger vor, die Vorlage von der Tagesordnung zu nehmen – was jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich war. Christian Hombach (Grüne) stimmte den Ausführungen Reifenbergers zu und meinte, man habe in Freudenberg keine „permanent verstopfte City. Zunächst sollten wir die Optimierung der Ampelanlage abwarten“. Das wiederum veranlasste Arno Krämer zu einem Konter: „Man kann der Meinung sein, dass dort alles gut ist“, spottete der Sozialdemokrat. Wer behaupte, dass außerhalb der Stoßzeiten „alles normal“ sei, dem empfehle er, tagsüber einmal über die Bahnhofstraße zu fahren.

Schwierige Situation

Karl-Hermann Hartmann, zum Zeitpunkt der Sitzung noch als Baudezernent im Amt und inzwischen in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet (die SZ berichtete), erklärte, dass die einst breitere Bahnhofstraße im Zuge einer erwarteten Ortsumgehung schmaler angelegt wurde, was gegenwärtig wiederum die Situation für Linksabbieger erschwere. „Daran leiden wir bis heute“, meinte Hartmann, sah es jedoch positiv, dass der Landesbetrieb grünes Licht für die Digitalisierung der Ampelschaltung erhalten habe. Wenn man von Kreisverkehren spreche, sei indes der Abzweig zur Krottorfer Straße der „Knackpunkt“, dieser sei sehr beengt. Im Bereich Kuhlenbergstraße dagegen sei ein Kreisel durchaus im Bereich des Möglichen.

Stau mit Kreisel nicht ausgeschlossen

Jochen Simon, Abteilungsleiter Straßen und Verkehr, empfahl, im Zuge der ganzen Diskussion einmal einen Blick nach Olpe zu werfen. Im Zentrum der Kreisstadt sind bekanntlich mehrere große Kreisverkehre angelegt, „zu Spitzenzeiten staut sich der Verkehr dort aber auch bis nach Dahl“, meinte Simon. Allgemein müsse die Leistungsfähigkeit von Kreisverkehren erst einmal berechnet werden.

Auswirkungen auf andere Verkehrsteilnehmer

Nach vielen Wortbeiträgen versuchte Ausschussvorsitzender Johannes Werthenbach (CDU) die Diskussion zusammenzufassen und formulierte drei Aufträge an die Stadtverwaltung: Diese soll Möglichkeiten darstellen, die im Hinblick auf Steuerung und/oder Abschaffung der Ampelanlagen möglich wären. Außerdem müssen Auswirkungen auf andere Verkehrsteilnehmer, wie etwa Radfahrer, geprüft werden. Und: Es soll das Gespräch mit Straßen NRW gesucht werden, inwieweit die Anlegung von Kreisverkehren im Zentrum möglich wäre.
Marc Krügl (FDP) sprach ein humoristisches Schlusswort: „Es ist wichtig, dass wir uns nicht im Kreis drehen – oder vielleicht doch?“, lächelte der Freidemokrat. Jedenfalls sei es von Bedeutung, dass „etwas läuft“. Mit einstimmigem Votum winkte das Gremium den von Johannes Werthenbach neu formulierten Beschlussvorschlag schließlich durch.
In der Sitzung des Rates am Donnerstag kam die Thematik erneut auf die Agenda – abermals vermisste Arno Krämer eine Formulierung mit dem Ziel, die Ampeln abzuschaffen. Nach kurzer Diskussion und einer leichten Änderung der Beschlussvorlage verabschiedete das Stadtparlament den Beschluss bei einer Enthaltung.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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