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Mit "Corona-Öffnungszeiten"
Doppelter Startschuss für Friseurmeisterin Sandra Kinkel

Hat der Corona-Frisur den Kampf angesagt: Friseurmeisterin Sandra Kinkel ist Neu-Selbstständige und freut sich auf „viele Typveränderungen“ ab Montag.
  • Hat der Corona-Frisur den Kampf angesagt: Friseurmeisterin Sandra Kinkel ist Neu-Selbstständige und freut sich auf „viele Typveränderungen“ ab Montag.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sabe Freudenberg. Nach dem Wochenende ist für eine ganze Branche der lange Montag vorbei. Ausgerechnet Friseurbetriebe können am 1. März unter Auflagen wieder öffnen - ungeachtet der Lockdown-Verlängerung.Für Friseurmeisterin Sandra Kinkel ein doppelter Startschuss. In Freudenberg wagt die 39-Jährige die Neueröffnung in der Neueröffnung. Am Jahresanfang hatte die ehemalige Angestellte den schicken Laden im Herzen der Altstadt von Evelyne Pechmann übernommen. Aus „Haarkultur“ wird „Die Haarmeister“. Mitten in der Unbeständigkeit einer Pandemie. Das verlangt von der Neu-Selbstständigen Nerven aus Drahtseil.

sabe Freudenberg. Nach dem Wochenende ist für eine ganze Branche der lange Montag vorbei. Ausgerechnet Friseurbetriebe können am 1. März unter Auflagen wieder öffnen - ungeachtet der Lockdown-Verlängerung.Für Friseurmeisterin Sandra Kinkel ein doppelter Startschuss. In Freudenberg wagt die 39-Jährige die Neueröffnung in der Neueröffnung. Am Jahresanfang hatte die ehemalige Angestellte den schicken Laden im Herzen der Altstadt von Evelyne Pechmann übernommen. Aus „Haarkultur“ wird „Die Haarmeister“. Mitten in der Unbeständigkeit einer Pandemie. Das verlangt von der Neu-Selbstständigen Nerven aus Drahtseil. Samt einer großzügigen Portion ihrer „Das-kriegen-wir-schon-hin-Mentalität“:

Friseurmeisterin Sandra Kinkel erfüllt sich mit eigenem Laden einen Traum

Zwar erfüllt sie sich mit „ihrem“ Laden einen „totalen Traum“, den Start hatte sich Kinkel allerdings anders vorgestellt. „Ein wenig leichter“, sagt sie. „Und mit Sektempfang.“
Der muss warten. Wie auch nach den Lockerungen im ersten Lockdown sind Erfrischungsgetränke für die Kunden untersagt. Zum Maßnahmenpaket des Hygieneschutzes gehören außerdem, man kennt das, strenge Abstands- und Hygienemaßnahmen, medizinische Masken und Kundenbegrenzung über Terminvereinbarung sowie die (heiß diskutierte) Quadratmeterregel (eine Person auf 10 Quadratmeter). Gerade letzteres, so monieren es viele Friseure, sei für kleinere Salons kaum zu „handeln“.

In Zeiten von Corona müssen Friseure clever planen

Desinfizieren, organisieren, vorfinanzieren. Auch Sandra Kinkel rechnet schon jetzt mit 30 prozentigen Einbußen. Obwohl die Terminbücher randvoll sind. Zwölf Stühle hätten Platz, mit sechs wird gestartet. „Man kann nicht die Schlagzahlen umsetzten, die man möchte. Geldverdienen geht anders.“ Um die Grenze der Unwirtschaftlichkeit zu übertreten, braucht es viel Planung. Ständig ist Kinkel im Salon, baut letzte Regale auf, nimmt Kundenanfragen entgegen, checkt die Hygienestandards. Wieder und wieder. Für zeitaufwendiges Haarefärben bei einer Langhaarkundin beispielsweise hat Kinkel Lösungen gefunden, die zumindest etwas entlasten. In zwei vormaligen (Lager-)Räumen hat sie Platz geschaffen. Wo vorher hinter den Kulissen die Farbe angemischt wurde, soll sie ab Montag auch auf den Köpfen einwirken können. „Es ist viel zu stemmen. Aber wenn ich so die Sicherheit aller gewähren kann, dann mache ich es gern.“

Friseure arbeiten mit "Corona-Öffnungszeiten"

Die Pandemie verlangt viel Flexibilität, mit der die Hünsbornerin dienen kann. Im Team gilt sie als „die Freestylerin“ („ich liebe krasse Schnitte, die eben nicht so normal sind“). Das jetzt, mit der Eröffnung, gleichsam harte Wochen auf Kinkel und das Team warten – „Corona-Öffnungszeiten“ von acht bis acht und auch am Samstag – kann ihr die Freude auf den doppelten Stichtag nicht nehmen. „Ich freue mich auf Typveränderungen, schneiden, schneiden, schneiden von morgens bis abends und eine geile Stimmung.“
Trotzdem: Auch die Power der Friseurmeisterin hat manchmal ihre Pausen. „Der Optimismus schwankt“, gibt sie offen zu. Alles habe sie bis hierhin vorfinanzieren müssen – „finanzielle Hilfen habe ich bisher keine bekommen“. Dafür aber emotionale. Ihr Mann, das gesamte Team – „ohne die Unterstützung hätte ich das gar nicht alles geschafft“.

Aufgespiesst: Haareschneiden - eine Betrachtung aus männlicher Sicht Man kann den Leuten nur vor den Kopf gucken, heißt es im Volksmund. Aber das reicht im Augenblick ja oft schon. Es ist gefühlt Jahre her, dass man das Klicken der Schere im Ohr hatte, das sonore Summen des Maschinchens im Nacken hörte und anschließend gefragt wurde: „Darf ich Ihnen noch Gel ins Haar machen?“, ehe mit wunderbarem Schwung das Cape durch die Salonluft flatterte und das abgeschnittene Haar aufs Linoleum segelte. Man sang damals noch O Tannenbaum und Leise rieselt der Schnee. Vor allem jetzt, nach 75 Tagen zugesperrter Friseursalons, zeigt sich, wie sehr der Mensch doch den Kräften der Natur ausgeliefert, ja, ein Naturkind ist. Wenn man die Nachrichten guckt, guckt man immer auch danach, wie er oder sie sich hält. Anders als Bundesligaprofis dürfen Politiker*innen nicht den Eindruck erwecken, sie ließen sich schwarz im Keller die Haare schneiden. Käme das raus, wären sie ihren Job los. Wie die Natur allmählich wieder zu ihrem Recht kommt, sieht man zum Beispiel an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der sich seine Matte vorn irgendwie hochtoupiert, während der Toni Hofreiter von den Grünen das Motto verinnerlicht zu haben scheint: Wer lang hat, lässt lang hängen. Meine Lebensgefährtin sagt immer, der Kretschmann aus Baden-Württemberg sehe besser aus, seit er nicht mehr zum Friseur geht. Geschmackssache. SPD-Gesundheitsexperte Karl Wilhelm Lauterbach (dünnes Haar, strähnig) erweckt zurzeit jedenfalls den Eindruck, als ginge er in die Oberstufe. Kommen wir zu den Damen, die ich für die eigentliche Triebkraft hinter der einsamen Öffnung der Friseursalons halte. Der große Unterschied zwischen den Geschlechtern – so zumindest meine Beobachtung – ist, dass es den Herrn relativ egal ist, wie sie das Haupthaar zurzeit tragen. Es wird viel geschmunzelt und geneckt, wenn man sich begegnet: „Könntest ja auch mal wieder zum Friseur gehen“ (beide lachen). Bei den Damen ist das viel komplizierter. Ich habe noch den Schrei des Erschreckens („Nicht schon wieder!“) einer lieben Kollegin im Ohr, als in der Pressekonferenz im Advent erklärt wurde, dass am 16. Dezember auch die Friseure dichtmachen müssen. Für Frauen hat der Termin im Salon eine ganz andere Bedeutung als für uns Männer. Nicht nur ist die Verweildauer der Frauen in den Friseursalons viel höher als bei uns (zwei Stunden statt 20 Minuten), sie zahlen dafür auch viel mehr als wir. Es kommt sogar vor – das weiß ich aus eigener Anschauung aus früheren Tagen –, dass sie zu Hause vor Wut und Verzweiflung weinen, wenn sie vom Friseur kommen, weil etwas nicht ihren Wünschen entsprochen hat. So etwas würde einem Anton Hofreiter wahrscheinlich nie passieren. Dafür mankiert es bei ihm an anderer Stelle. Egal, es darf ab Montag wieder gewaschen, geschnitten, gefärbt, gefönt und gelegt werden, und das ist auch gut so. Eines hat uns das 75-Tage-Freilandexperiment gewiss gezeigt: Was Friseure können, können nur Friseure. Andreas Goebel
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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