Unglück am Backes in Alchen
Ein Schock für alle

Das tragische Unglück am Sonntag beim Backesfest wird bei allen sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.
4Bilder
  • Das tragische Unglück am Sonntag beim Backesfest wird bei allen sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.
  • Foto: sos
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos Alchen. Damit hatte am Sonntagmittag wirklich niemand gerechnet: Das traditionelle Backesfest in Alchen hatte gerade erst begonnen, als die Besucher gegen 11.50 Uhr einen lauten Knall hörten. Eine große Bratpfanne war explodiert, woraufhin etliche Menschen verletzt wurden, sechs davon lebensgefährlich, sodass sie mit Rettungshubschraubern in Kliniken geflogen wurden. Montagvormittag teilte die Polizei dann mit, dass eine 67-Jährige in einer Dortmunder Klinik verstorben ist. Ihre 30-jährige Tochter, die laut Martin Lucke, Vorsitzender des ausrichtenden Heimat- und Verschönerungsvereins Alchen mit der Mutter gerade für die Schicht am Bräter eingeteilt war, wird derweil in einer Klinik in Köln behandelt.
Ein Opfer befand sich am Montag laut Polizeisprecher Michael Zell noch in einem kritischen Zustand, die vier weiteren seien jedoch stabil.

Die Ursache

Zell erläuterte auch die Ursache der Explosion, die der Brandsachverständige am Morgen ermittelt hatte: Die Pfanne sei explodiert, weil die Eigenkonstruktion der Hitze nicht standgehalten habe. Zwischen einer Innenpfanne, auf der die Kartoffeln braten sollten, und einer Außenpfanne sei ein Zwischenraum gewesen, in den die Helfer Öl gefüllt hätten. So sollte die Hitze der darunter lodernden Flamme der Gasflasche gleichmäßig in der Pfanne verteilt werden, statt nur punktuell zu erhitzen.
Weil sich das Öl aufgrund der Hitze jedoch ausgedehnt habe, sei die Pfanne „aufgeplatzt wie ein Luftballon“, versucht Zell das Geschehene zu beschreiben. In der unteren Pfanne seien Risse und Löcher entstanden, durch die das Öl in Richtung Flamme getropft sei und sich entzündet habe.

Falsch bedient oder Materialfehler?

Nicht klar sei, ob es sich um eine Fehlbedienung oder eine Materialermüdung handle, erklärt der Polizeisprecher. Deswegen werde weiter ermittelt. Sicher sei, dass die Pfannen so nicht gekauft wurden, sondern dass sie privat zusammengebaut worden seien. „Es kann sein, dass noch mehr solcher Dinge im Umlauf sind“, befürchtet Zell
Laut Martin Lucke vom Heimatverein war die Pfanne bereits länger im Betrieb, einen Zeitraum konnte er jedoch nicht nennen. Die vergangenen ein bis zwei Jahre sei sie gar nicht im Einsatz gewesen.

"Eine Katastrophe"

Der Vorsitzende nennt das Geschehene ein „furchtbares Ereignis“. Die Mitglieder des Vereins und auch die Bevölkerung seien traumatisiert. Er selbst habe „in relativer Nähe“ gestanden und eine Art Feuerkugel bei den Unterständen gesehen. „Menschen haben gebrannt.“ Dass die ehrenamtlichen Helfer bei einer solchen Veranstaltung Schaden genommen haben, „ist eine Katastrophe“. In Gedanken sei man bei den Opfern, betont er.
Mit den restlichen Helfern, dem Vorstand und einem Vertreter der Kirche sollte Montagabend noch ein Treffen stattfinden, um das Erlebte zumindest ein Stück weit zu verarbeiten, „sofern das überhaupt geht“. Ob es Konsequenzen für die Vereinsarbeit gebe und wenn ja welche, das müsse man erst noch sehen, so Lucke. Sicher sei, dass man keine Risiken eingehen wolle.

Kein alltäglicher Einsatz für die Feuerwehr

Auch für die Feuerwehr sei der Einsatz am Sonntagmittag nicht alltäglich gewesen, erklärt Maik Rother auf Nachfrage. Der Einsatzleiter und stellv. Leiter der Feuerwehr Freudenberg traf am Backes ein, als Kräfte der Einheit Alchen die Versorgung der Verletzten bereits übernommen hatten. Mehrere Personen hätten mit Brandverletzungen auf dem Boden gesessen oder gelegen.
Weil es zu keinem Brand im eigentlichen Sinne gekommen war, hätten sich die Aufgaben der Feuerwehr bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vor allem auf die Betreuung der Verletzten beschränkt, so Rother. Zudem seien die Gasflaschen gekühlt und der weitere Brandschutz sichergestellt worden. Etwa gegen 16 Uhr sei der Einsatz beendet gewesen.

Unter den Opfern auch Bekannte der Einsatzkräfte

Zu diesem Zeitpunkt sei es den Kräften „relativ gut“ gegangen. „Aber was im Nachgang kommt, wenn sich das Erlebte erst mal gesetzt hat, das kann man jetzt nicht sagen.“ Vor allem, weil es sich bei den Opfern auch um Bekannte und Verwandte der Feuerwehrleute gehandelt habe.
Maik Rother sei mit einem solchen Einsatz zum ersten Mal konfrontiert worden, „das war nicht leicht“. Zunächst habe er ganz pragmatisch ein Schema abgearbeitet. Erst später, als die Spannung sich gelegt hatte, habe er über alles nachdenken können. „Da gehen einem die Bilder durch den Kopf. Aber man muss versuchen, nicht alles an einen ranzulassen. Das ist Eigenschutz.“ Trotzdem ist er sicher, dass das Ereignis bei allen noch eine ganze Weile nachhallen wird.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.