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Ermittlungen ein harter Schlag für das Ehrenamt

Nach dem Backesfest-Unglück erhebt die Staatsanwaltschaft Siegen Anklage wegen fahrlässiger Tötung.
  • Nach dem Backesfest-Unglück erhebt die Staatsanwaltschaft Siegen Anklage wegen fahrlässiger Tötung.
  • Foto: rt (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Nun sind die Würfel also gefallen. Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelt nach dem Backesfest-Unglück in Alchen gegen eine Privatperson wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von einem tatkräftig anpackenden Ehrenamtler, der sich in seiner Freizeit eifrig für „seinen“ Heimat- und Verschönerungsverein engagierte und am 8. September 2019, einem Sonntag, wie selbstverständlich die „Schicht“ an der Bratpfanne übernommen hatte. Wie hätte der Mann ahnen können, dass ihm diese Konstruktion um die Ohren fliegen, zahlreiche Menschen schwer verletzen und gar zwei Frauen in den Tod reißen würde?

Nun sind die Würfel also gefallen. Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelt nach dem Backesfest-Unglück in Alchen gegen eine Privatperson wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von einem tatkräftig anpackenden Ehrenamtler, der sich in seiner Freizeit eifrig für „seinen“ Heimat- und Verschönerungsverein engagierte und am 8. September 2019, einem Sonntag, wie selbstverständlich die „Schicht“ an der Bratpfanne übernommen hatte. Wie hätte der Mann ahnen können, dass ihm diese Konstruktion um die Ohren fliegen, zahlreiche Menschen schwer verletzen und gar zwei Frauen in den Tod reißen würde? Hört man sich im Verein um, ist die Meinung eindeutig: Ganz sicher hat der Ehrenamtler kein Risiko gesehen, war einfach nur darauf aus, die Gäste mit schmackhaften Leckereien nach Siegerländer Art zu versorgen.

Alchen hätte überall passieren können

Oliver Günther traf damals im Gedenkgottesdienst den Nagel auf den Kopf: „Alchen hätte überall passieren können im Siegerland – aber es ist hier passiert, bei uns“, sagte der Pfarrer. In der Tat, denn Hand aufs Herz: Auf vielen Dorffesten wird mit alten Grills oder eben Eigenkonstruktionen gearbeitet. Ohne jede böse Absicht, und selbst wenn mit den Geräten einmal etwas nicht ganz rund laufen sollte: „Ach, für die Feier heute wird es schon noch klappen, morgen beim Aufräumen schauen wir uns das in Ruhe an.“

Anklage trifft das Ehrenamt bis ins Mark

Die jetzt eingeleiteten Ermittlungen dürfte das Vereinsleben in der Region bis ins Mark treffen und mächtig Unruhe in den Vorständen aufkommen lassen. Wie werden Feierlichkeiten in Zukunft gestaltet, wenn Ehrenamtliche damit rechnen müssen, im Fall der Fälle vor Gericht zu landen?
Natürlich ist es richtig, dass die Staatsanwaltschaft die furchtbare Tragödie juristisch-nüchtern betrachtet und aufarbeitet. Warum man aber bereits im Dezember vorgeprescht ist und eine Entscheidung für spätestens Januar angekündigt hat, bleibt ein großes Rätsel. Im Wochentakt wurde die Bekanntmachung verschoben, die Akteure in Alchen so einer enorm belastenden Hängepartie ausgesetzt. Und die geht nun in die nächste Runde: Völlig offen ist, ob und wie wie irgendwann ein Gericht in der Sache entscheiden wird. Fest steht nur: Mit den schrecklichen Folgen der Explosion sind alle Beteiligten genug gestraft.

Anmerkung der Redaktion: Am Montagabend berichtete die Siegener Zeitung exklusiv, dass die Staatsanwaltschaft Siegen Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen ein Vorstandsmitglied des Heimat- und Verschönerungsvereins erheben werde. Am Dienstagvormittag teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit, dass der Mann im Ermittlungsverfahren zunächst als Beschuldigter geführt werde. Hier hat er zunächst die Möglichkeit, zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung Stellung zu nehmen und ggf. einzelne entlastende Beweiserhebungen zu beantragen. Oberstaatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss erklärte auf Anfrage der SZ, dass es nicht zwingend zu einer öffentlichen Anklage kommen müsse; es könne etwa auch sein, dass das Verfahren gegen Auflagen (Strafbefehlsverfahren) eingestellt werde. Es liege keine abschließende Entscheidung seitens der Staatsanwaltschaft vor.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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