»Es lohnt sich, Christ zu sein«

Hans Müller in Kirchengemeinde Oberholzklau verabschiedet

Oberholzklau. Einen großen Bahnhof wollte Hans Müller nicht. Das ist nicht seine Art. Bescheidenheit hat er gelernt und gelebt, der langjährige Presbyter aus Oberholzklau. 44 Jahre lang hat er das Amt ausgeübt. Jetzt wurde er von seiner Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet.

Die Kirchenordnung lässt laut Pressemitteilung des Kirchenkreises eine längere Dienstzeit für ihn nicht zu. Auf das 75. Lebensjahr sei die Altersobergrenze für Presbyter festgesetzt. Die erreiche Hans Müller in dieser Woche. »Damit endet der ungewöhnliche und beeindruckende ehrenamtliche Dienst eines Landwirtes, dem der Glaube an Jesus Christus und sein Engagement in der Kirche wichtig waren. Dadurch wurde sein Leben geprägt und reich beschenkt«, würdigt ihn der Kirchenkreis.

1956 wurde Hans Müller zum Presbyter der Kirchengemeinde Oberholzklau berufen. Ab 1975 bis zu seinem Ausscheiden aus dem ehrenamtlichen Dienst in den vergangenen Tagen nahm er das Amt des Kirchenmeisters wahr. Damit prägte er maßgeblich die Entwicklung der Kirchengemeinde Oberholzklau. 30 Jahre lang sang er zudem im Kirchenchor. Seine umgängliche Wesensart und seine fundierte Sachkompetenz waren bekannt und wurden nicht nur in der Kirchengemeinde geschätzt. Die Synode des Kirchenkreises Siegen wählte ihn 1973 in den Ausschuss für öffentliche Verantwortung, dessen Vorsitz er 15 Jahre lang inne hatte. Seit 1975 ist Hans Müller Mitglied der Kreissynode.

1973 erlebte er das vielleicht prägendste Ereignis seines Dienstes. Er wurde dazu berufen, mit Vertretern der Rheinischen Kirche und der Evangelischen Kirche von Westfalen Indonesien zu besuchen. Er nahm teil an der Konferenz der Delegation mit Mitgliedern des Nationalen Indonesischen Christenrates und der Vereinigten Evangelischen Mission in Cibogo. Nicht lange nach der Rückkehr aus Indonesien wurde Hans Müller als Mitglied in die Missionshauptversammlung der Vereinigten Evangelischen Mission berufen. Er besuchte später erneut Indonesien und reiste nach Kamerun aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Deutschen Seemannsmission.

Zu Beginn der 80er Jahre wurde er in die Landessynode und in die Leitung der Evangelischen Kirche von Westfalen gewählt. Die beiden Aufgaben in den höchsten Organen der Landeskirche füllte er 20 Jahre lang mit hohem Pflichtbewusstsein aus. »Die Arbeit in der Kirchenleitung in Bielefeld ist mir immer sehr wichtig gewesen«, ließ er kürzlich die Mitglieder der Kreissynode wissen. »Ich habe mir diese Arbeit leisten können, weil mich meine Familie auf dem landwirtschaftlichen Betrieb tatkräftig unterstützt hat.« Mit welcher Leidenschaft Hans Müller seine Aufgabe in der Kirchenleitung wahrnahm, macht eine kleine Begebenheit deutlich. Vor einigen Jahren brach er sich bei der Arbeit im Stall den Fuß. Unglücklicher Weise fand einige Stunden später in Bielefeld eine Sitzung der Landeskirche statt. Er sei also, so Hans Müller, mit dem gebrochenen Fuß nach Bielefeld zu der Sitzung gefahren und habe sich erst nach der Sitzung, zurück im Siegerland, in ärztliche Behandlung begeben. Der Fuß sei für fünf Wochen eingegipst worden.

Der Kreissynode gab er mit auf den Weg, dass die Kirche von Gottes Gnade und Güte lebe und Jesus Christus Herr der Kirche sei. Er habe den Eindruck, dass in den vergangenen Jahren viel christliche Substanz in der Gesellschaft verloren gegangen sei. Viele Menschen lebten so, als ob es keinen Gott gäbe. Das Projekt des Kirchenkreises »gemeinsam unterwegs« sieht er als eine gute Möglichkeit an, die Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Benötigt werde vermehrt eine gute erweckliche Predigt und das persönliche Zeugnis vom eigenen Glaubensleben. Die Menschen müssten merken, dass es sich lohne, Christ zu sein.

Aber nicht nur in der Kirche, auch beruflich und politisch hat sich Hans Müller engagiert. Er war Vorstandsmitglied bzw. Vorsitzender verschiedener örtlicher und überregionaler berufsständischer Vertretungsorgane, Bürgermeister und Gemeindedirektor der früheren selbstständigen Gemeinde Mittelhees und ––nach der kommunalen Neugliederung ––Mitglied des Rates der Stadt Kreuztal und mehrere Ausschüsse.

Für seinen Abschied aus den Ämtern der Kirche hatte Hans Müller einen Wunsch, der ihm gerne gewährt wurde. Er wollte sich im Gottesdienst mit einer Predigt verabschieden. Die hat er am vergangenen Sonntag in Oberholzklau gehalten. Darin betonte er, dass die wichtigste Kraftquelle für seine Arbeit die Wortlesung und das tägliche Gebet sei. Anschließend fand im Gemeindehaus die Abschiedsfeier statt. Alle noch lebenden Pfarrer, die er während seiner 44-jährigen Dienstzeit in Oberholzklau erlebt hat, waren gekommen. Gotmar Thiemann, 30 Jahre lang Pfarrer in der Gemeinde, erinnerte an die gemeinsame Zeit mit dem Mann, der »sich selbst bereitgestellt den Heiligen zum Dienst« (1. Kor. 16,15).

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.