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Wenn auf Unfall Unfall folgt
Gaffer haben viele Ausreden

Polizei und Feuerwehr ergreifen schon Maßnahmen, um Gaffer von der Unfallstelle fernzuhalten. Dennoch ist das Thema immer wieder ein Problem.
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sp Freudenberg. Das Blaulicht, die zerstörten Fahrzeuge, die verletzten Menschen. Sie ziehen die Blicke auf sich. Doch nur beim reinen Schauen bleibt es nicht immer. Die Geschwindigkeit des eigenen Fahrzeugs wird reduziert, es wird ausgestiegen, die Kamera gezückt und ohne Rücksicht auf die Opfer oder Einsatzkräfte wird die Unfallstelle auf Bildern und in Videos festgehalten.
Für Polizei, Feuerwehrleute und Sanitäter ist das frustrierend, denn sie haben andere Prioritäten, als die Gaffer zu vertreiben oder sie anzuzeigen. „Das Hauptproblem bei den Gaffern ist, das gilt für uns und für die Rettungskräfte, wir müssen erst einmal unsere Arbeit machen“, sagt Peter Fajardo, Polizist bei der Autobahnpolizei in Freudenberg.

sp Freudenberg. Das Blaulicht, die zerstörten Fahrzeuge, die verletzten Menschen. Sie ziehen die Blicke auf sich. Doch nur beim reinen Schauen bleibt es nicht immer. Die Geschwindigkeit des eigenen Fahrzeugs wird reduziert, es wird ausgestiegen, die Kamera gezückt und ohne Rücksicht auf die Opfer oder Einsatzkräfte wird die Unfallstelle auf Bildern und in Videos festgehalten.
Für Polizei, Feuerwehrleute und Sanitäter ist das frustrierend, denn sie haben andere Prioritäten, als die Gaffer zu vertreiben oder sie anzuzeigen. „Das Hauptproblem bei den Gaffern ist, das gilt für uns und für die Rettungskräfte, wir müssen erst einmal unsere Arbeit machen“, sagt Peter Fajardo, Polizist bei der Autobahnpolizei in Freudenberg. Das bedeutet: die Unfallstelle absichern, den Opfern helfen und weitere Gefahren verhindern. Ob währenddessen beispielsweise auf der Gegenfahrbahn fotografiert und gefilmt werde, könnten die Einsatzkräfte dabei nicht immer im Blick haben.
Der 35-Jährige kann verstehen, dass Menschen von Natur aus neugierig sind und schauen, aber das größte Problem sei, wenn Fahrer die eigene Geschwindigkeit reduzierten, es zu Staus und damit zu weiteren Unfälle komme. „Es ärgert einen, wenn durch die gaffenden Verkehrsteilnehmer zusätzlich ein Stau entsteht“, sagt Fajardo. Außerdem störten Schaulustige Einsatz- und Rettungskräfte immer wieder bei ihrer Arbeit. Das kann weitreichende Folgen haben und im schlimmsten Fall Menschenleben gefährden.

Gaffer haben viele Ausreden

Wenn er die Gaffer zur Rede stelle, äußerten sie Vorwände wie „Kann ich irgendwie noch helfen?“ oder „Ich wollte mich nur mal erkundigen“ – und dabei hätten sie die ganze Zeit ihr Handy in der Hand. Warum der Unfallort festgehalten wird, kann sich Fajardo nicht erklären. Vielleicht, weil man ein großes Mitteilungsbedürfnis habe oder weil man zeigen wolle, warum man zu spät gekommen sei. „Das kann zig Gründe haben, warum man das festhält.“ Dass es die Gaffer selbst treffen könnte – „im Vorfeld macht sich da keiner Gedanken drüber“, bedauert Fajardo.
Wie sehr Gaffer ein Ärgernis für die Einsatzkräfte sind, zeigte kürzlich eine Situation auf der A 3 bei Frankfurt. Polizisten hatten laut Medienberichten einen Autofahrer angehalten, der einen Unfallort filmte, an dem zwei Menschen gestorben waren. Die Polizisten hielten den Fahrer an und führten ihn zu einem Toten – ein offensichtlicher Versuch der Abschreckung. „Ich persönlich wäre kein Freund davon, sie mitzunehmen“, sagt Fajardo, da gehe es schließlich auch um den Schutz der Opfer.

Ein QR-Code soll Gaffer belehren

Aber was tun gegen Schaulustige, die keinen Respekt davor oder vor der Arbeit der Rettungskräfte haben? In einem Pilotprojekt der Johanniter in Berlin sind Fahrzeuge und Ausrüstung der Rettungskräfte mit einem QR-Code versehen. Wird mit einem Handy gefilmt, erkennt die Kamera den Code. Es öffnet sich automatisch ein Bild mit der Warnung „Stopp! Gaffen tötet!“. „Von der Idee her finde ich es absolut sinnvoll“, so Fajardo. Noch besser aber fände er, wenn die QR-Codes dabei helfen könnten, die Gaffer ausfindig zu machen. Denn: „Die Ahndung danach gestaltet sich besonders schwer.“ Nur einmal habe er an einer Unfallstelle, – weil die Umstände es zuließen – mit einer Kamera Autos, Fahrer und ihre Aktion fotografieren können. Die Schaulustigen bemerkten, dass sie beobachtet wurden und seien zurückhaltender gewesen.
Fajardo sagt deutlich: „Ich würde mir wünschen, dass es stärker bestraft wird.“ Nur auf das Fehlverhalten hinzuweisen, reiche nicht aus: „Es gibt Menschen in unserer Gesellschaft, denen ist das gleichgültig.“ Das sieht Matthias Ebertz, Leiter der Feuerwehr Siegen, ähnlich. Es gebe Menschen, die seien unbelehrbar. Er vermutet, dass das Pilotprojekt nicht nachhaltig genug sei. Auch Ebertz hat die Erfahrung gemacht: „Gaffen ist überall und immer Thema.“
Die Feuerwehrleute versuchten dem entgegenzuwirken, indem sie ihre Fahrzeuge beispielsweise so stellten, dass sie die Sicht nähmen. Decken und aufstellbare Wände kämen schon länger zum Einsatz. Denn Ziel sei es nicht nur, den Unfallopfern zu helfen, sondern auch ihre Persönlichkeitsrechte zu schützen.

Polizei und Feuerwehr ergreifen schon Maßnahmen, um Gaffer von der Unfallstelle fernzuhalten. Dennoch ist das Thema immer wieder ein Problem.
Autobahnpolizist Peter Fajardo und seine Kollegen kämpfen immer wieder mit Gaffern, die für zusätzliche Staus sorgen.
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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