Geplanter Windpark "Kuhlenberg"
Gegenwind aus Dirlenbach

Das Naturschutzgebiet Dirlenbachtal liegt nördlich des Freudenberger Ortsteils – die Idylle möchten sich Bürger und Anwohner nicht von drei riesigen Windenergieanlagen zerstören lassen, die bald in unmittelbarer Nähe in der umstrittenen Vorrangzone „Kuhlenberg“ entstehen sollen.
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  • Das Naturschutzgebiet Dirlenbachtal liegt nördlich des Freudenberger Ortsteils – die Idylle möchten sich Bürger und Anwohner nicht von drei riesigen Windenergieanlagen zerstören lassen, die bald in unmittelbarer Nähe in der umstrittenen Vorrangzone „Kuhlenberg“ entstehen sollen.
  • Foto: Christian Schwermer
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cs Dirlenbach. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windkraft – aber eben an der richtigen Stelle“, fasste Roger Wagener das Anliegen der Dirlenbacher zusammen. Eine Bürgerinitiative wolle man deshalb nicht ins Leben rufen, „wir sind ein loser Verbund von Bürgern“, ergänzte André Christoph. Die Gruppe transportierte beim SZ-Ortsbesuch dennoch ein klares Statement in die Öffentlichkeit: Den Planungen der EnBW Energie Baden-Württemberg, innerhalb der Freudenberger Vorrangzone „Kuhlenberg“ drei Windräder mit einer Gesamthöhe von jeweils rund 230 Metern zu errichten, begegnet man mit großer Skepsis.

Sorge um Naturschutzgebiete

Vor allem die avisierte Lage der drei mächtigen „Windmühlen“ bereitet Sorge. Diese sollen nach dem Willen von Investor und Betreiber schließlich zwischen zwei Naturschutzgebieten errichtet werden. Das „Rödersche“ umfasst eine Fläche von 9,5 Hektar, liegt nordwestlich des Freudenberger Ortsteils und ist vor allem wegen seiner Biotope und Gewässer für den Artenschutz bedeutend. Für die Überlegungen der Dirlenbacher noch wichtiger sind die möglichen Windkraft-Auswirkungen auf das rund 16 Hektar große Naturschutzgebiet Dirlenbachtal, das unmittelbar nördlich des Dorfes gelegen ist. Direkt vor der eigenen Haustüre beobachten die Bürger bei ihren Spaziergängen nach eigener Aussage des Öfteren Vogelarten wie den Graureiher, den Rotmilan, den Schwarzstorch oder den Mäusebussard.

Ausführungen zum Graureiher machten skeptisch

Stichwort Graureiher: „Der wohnt hier, seit 45 Jahren wird das Dirlenbachtal als Lebensraum von den Graureihern genutzt“, ist sich Alexander Krätzig sicher. Entsprechend wurden die Anwohner bei der Lektüre des von EnBW erstellen Gutachtens stutzig, in dem davon die Rede ist, dass zwei der Tiere lediglich in einer Entfernung von rund 1,6 Kilometer zum geplanten Windpark gesichtet worden seien. „Da war es für uns offensichtlich, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann“, blickte André Christoph zurück. Seitdem schauen die Dirlenbacher ganz genau hin und deckten aus ihrer Sicht weitere erhebliche Mängel in den Untersuchungen auf, vor allem den Rotmilan und den Schwarzstorch betreffend. Für ersteren stellte das Gutachten fest, dass es in der Vorrangzone kein Brutvokommen gebe – „wir aber haben mehrere der Tiere gesichtet und dies auch fototechnisch belegt“, erläuterte André Christoph. Und auch der Schwarzstorch finde mehrmals den Weg in das beschauliche Tal, sind sich die Dirlenbacher sicher. Die gesamten Untersuchungen bezeichneten die Bürger vor diesem Hintergrund als „äußerst fragwürdig“ und fühlen sich offenkundig von den Behörden „verschaukelt“. Hinzu kommt, dass rund 1,3 Kilometer südwestlich des Areals das Vogelschutzgebiet „Westerwald“ liegt. Die Ergebnisse der von EnBW veranlassten Verträglichkeitsprüfung stimmten ganz und gar nicht mit den eigenen Beobachtungen überein, erklärten die Anwohner übereinstimmend.

Bedenken auch hinsichtlich des Schallschutzes

Neben den Fragen des Artenschutzes drängen sich für die Dirlenbacher weitere Bedenken auf. Im Dirlenbachtal herrsche häufig eine Inversions-Wetterlage, der Wind komme meistens aus der gleichen Richtung – talabwärts ins Dorf hinab. „Wir möchten wissen, ob dies hinsichtlich des Schallschutzes ausreichend bedacht wurde“, erklärte André Christoph und deutete auf die von ihm installierte Windmessanlage, die die These mit fundierten Daten stützen soll.
Darüber hinaus sorgen sich die Bürger um das Freudenberger Landschaftsbild insgesamt und teilen die Bedenken von Dieter Tröps. Auch der Kreisheimatpfleger kündigte seinen Widerstand gegen den Windpark an und bemängelte im Rahmen einer Sitzung des Beirates der Unteren Naturschutzbehörde einen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild. „Ist es im Sinne der Verantwortlichen, wenn in naher Zukunft der neu gestaltete Freudenberger Kurpark, der durch erheblichen Einsatz von Steuermitteln als Erholungsort für Einheimische und als Touristenattraktion umgestaltet werden soll, nicht nur einen Fotoblick auf die weit über Deutschlands Grenzen hinweg bekannte, denkmalgeschütze Altstadt, sondern auch auf die wunderschön herausragenden Windkraftanlagen hat?“, fragen die Bürger in einem öffentlichen Brief vielsagend.

Erörterungstermin steigt am 28. Mai

Nun legen die Dirlenbacher ihre Hoffnungen auf den 28. Mai: Für jenen Dienstagvormittag (10 Uhr) ist ein Erörterungstermin im Freudenberger Rathaus anberaumt. Hier möchten die Bürger ihre Einwände, Bedenken sowie das gesammelte Informationsmaterial einbringen und darstellen. „Vielleicht hätten wir bereits früher reagieren müssen“, räumte André Christoph ein, „bisher sind die Planungen aber an uns vorbei gegangen“. Nun sei man für die Thematik sensibilisiert und wolle die Sorgen vortragen – und den Gegenwind aus Dirlenbach spürbar werden lassen.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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