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Fund am Kuhlenberg in Freudenberg
Gegenwind vom Haselhuhn für Windräder?

Gerhard Bottenberg begab sich wieder auf Spurensuche im Bereich Kuhlenberg bei Freudenberg – und erblickte erneut das seltene Haselhuhn mit eigenen Augen.
  • Gerhard Bottenberg begab sich wieder auf Spurensuche im Bereich Kuhlenberg bei Freudenberg – und erblickte erneut das seltene Haselhuhn mit eigenen Augen.
  • Foto: NI
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

js/nja Freudenberg. Gerhard Bottenberg ist da, wo er am liebsten ist – aus dem Häuschen. Nicht nur, weil er sich immer wieder draußen an der frischen Luft und in der Natur aufhält, sondern auch, weil er genau dort einen wahren Volltreffer erzielt hat. Der Diplom-Ingenieur, der sich im Länder- und Fachbeirat des Umweltverbandes Naturinitiative (NI) engagiert, hat in der Adventszeit ein Haselhuhn gesichtet. Und das, so berichtet er, nur einen guten halben Kilometer von dem Gebiet entfernt, in dem der Energieversorger EnBW drei Windkraftanlagen errichten möchte.
Seit seiner Kindheit in Freusburg schon ist Bottenberg begeistert von dem seltenen und scheuen Waldvogel, der heute vom Aussterben bedroht ist.

js/nja Freudenberg. Gerhard Bottenberg ist da, wo er am liebsten ist – aus dem Häuschen. Nicht nur, weil er sich immer wieder draußen an der frischen Luft und in der Natur aufhält, sondern auch, weil er genau dort einen wahren Volltreffer erzielt hat. Der Diplom-Ingenieur, der sich im Länder- und Fachbeirat des Umweltverbandes Naturinitiative (NI) engagiert, hat in der Adventszeit ein Haselhuhn gesichtet. Und das, so berichtet er, nur einen guten halben Kilometer von dem Gebiet entfernt, in dem der Energieversorger EnBW drei Windkraftanlagen errichten möchte.
Seit seiner Kindheit in Freusburg schon ist Bottenberg begeistert von dem seltenen und scheuen Waldvogel, der heute vom Aussterben bedroht ist. Seit Jahren schon pirscht er durch die Wälder, um Spuren des Fasanenartigen zu finden, der sich meist in der Deckung des Unterholzes aufhält und den daher nur ausgesprochen wenige Leute zu Gesicht bekommen.
Seit Jahren liefere er indirekte Nachweise des Haselhuhns, erklärt Bottenberg. Er sei froh, dass er in Dr. Franz Müller aus Gersfeld einen international bekannten Haselhuhn- und Spurenexperten habe, der ihm seinen aktuellen Fund bestätigt habe. Am 10. November sei er im Bereich des Birkenbergs fündig geworden, präzisiert der Haselhuhnexperte im SZ-Gespräch. Dort habe er Trittsiegel gefunden, also Fußabdrücke des Tiers. Diese habe er fotografiert, zum Größenabgleich mit einem daneben platzierten Maßband.
Dieser Fund sei „sehr plausibel“, erklärt Bottenberg, da ihm in eben diesem Gebiet schon 2016 ein Spurfund gelungen sei. Mehr noch – einen Monat nach dem bestätigten Trittsiegel dann der Glücksmoment des Vogelfreundes. Am 10. Dezember habe er südlich von der Windkraftzone mit eigenen Augen ein Haselhuhn gesichtet. „Ich war auf einem schmalen Weg zwischen Gebüsch und niedrigem Bewuchs unterwegs, als etwa 40 Meter vor mir ein Haselhuhn aus der Böschung flog.“ Etwa zwei bis drei Meter hoch sei es in gerader Linie über den Weg geflogen und dann wieder in einem rechten Winkel abgebogen und im Dickicht verschwunden. „Das war für mich eine tolle Sache“, berichtet Bottenberg. „Ich konnte die wunderschöne rot-braune Färbung erkennen.“ Bei dem Tier mit seiner etwas pummeligen Körperform und seinen stumpfen Flügeln habe es sich ohne Zweifel um ein Haselhuhn gehandelt.

Alles für das Haselhuhn

„Das Haselhuhn ist für Deutschland vergleichbar mit dem Schneeleoparden am Himalaya, eine äußerst bedeutende und bedrohte Art, für die alles getan werden muss, damit sie nicht ausstirbt“, sagt Immo Voller, Biologe und Naturschutzreferent des NI. Leider reagiere sie auch empfindlich gegenüber einer „Industrialisierung des Waldes durch Windkraftanlagen“.
Und genau hier setzt die NI an. Sie fordert „sofortige und entschiedene Hilfsmaßnahmen, den Schutz des Gebietes als EU-Vogelschutzgebiet und den Verzicht auf Windkraftplanungen in Haselhuhn-Habitaten so wie aktuell am Kuhlenberg bei Freudenberg“. Das Land NRW und der Kreis Siegen-Wittgenstein müssten nun tätig werden, fordert der Verband. „Entsprechende Konsequenzen wären auch schon bei dem 2016 gemeldeten Fund und einem weiteren, ebenfalls von Gerhard Bottenberg aus 2017 am benachbarten Höhenzug Knippen dokumentierten Fund erforderlich gewesen.“ Passiert sei bisher aber „leider nichts“. Die NI fordert das Land auf, dass es „endlich konkretisiert, wie es der Bedeutung des Waldgebietes südlich Freudenbergs gerecht werden“ könne. Neben einer Maßnahmenplanung wie in Vogelschutzgebieten seien auch „eine tatsächliche Handlungsumsetzung sowie die Nachmeldung eines Europäischen Vogelschutzgebietes dringend erforderlich“, so Immo Vollmer und Gerhard Bottenberg.
Der Kreis Siegen-Wittgenstein, der für die Genehmigung der drei geplanten, 230 m hohen „Mühlen“ zuständig ist, bestätigt auf Anfrage, dass die Naturschutzinitiative ihn und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) informiert habe. Der Kreis warte nun auf eine Stellungnahme des LANUV.
Da die Örtlichkeiten der aktuellen Nachweise – die Spur vom November und die Sichtung vom Dezember – etwa anderthalb Kilometer auseinanderliegen, geht Gerhard Bottenberg davon aus, dass es mindestens zwei Brutreviere von Haselhühnern in der Nähe des Kuhlenbergs gibt. Die Borkenkäferkalamität komme dem Gefieder zugute – die Kahlschlagsflächen, bei denen es eine Naturverjüngung gebe, seien eine deutliche Verbesserung des Haselhuhn-Habitats. Er habe daher die Hoffnung, dass das Aussterben dieses Tiers noch abzuwenden sei. „Jedes Huhn zählt!“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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