Kirchengemeinde richtet Spendenkonto ein
Große Hilfsbereitschaft nach Unglück in Alchen

Die ev. Kirche in Alchen ist am Sonntag Schauplatz für einen Gedenkgottesdienst.
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cs Alchen. Der Wunsch sei vielfach aus der Bevölkerung herangetragen worden, erklärte Oliver Günther. „Die Leute hier äußerten immer wieder, dass sie nicht nur Blumen niederlegen, sondern darüber
hinaus helfen und etwas Konkretes tun möchten, um die Not der Menschen zu lindern“, führte der Pfarrer im Rahmen eines Pressegesprächs am Donnerstag aus. Dem Impuls aus der Dorfgemeinschaft komme man nun nach. Kurzerhand wurde ein Spendenkonto (IBAN DE09 4605 0001 0070 7505 75, BIC WELADED1SIE, Verwendungszweck: Unglück in Alchen) für die diakonische und seelsorgerliche Bewältigung der Folgen des Unglücks in Alchen vom 8. September eingerichtet. Am vergangenen Sonntag kam es im Rahmen des vom Heimat- und Verschönerungsverein ausgerichteten Backesfestes, wie ausführlich berichtet, zu einem tragischen Unglück, als eine Bratpfanne explodierte. Eine 67-Jährige verstarb am Montag in einem Dortmunder Krankenhaus , fünf weitere Schwerverletzte werden nach wie vor in Kliniken behandelt.

"Die Betroffenheit der Menschen ist immens"

Es gebe niemanden im Freudenberger Ortsteil, der nicht in irgendeiner Weise durch den schlimmen Unfall betroffen sei, führte Oliver Günther aus: „Die Betroffenheit der Menschen ist immens.“ Gemeinsam mit Bürgermeisterin Nicole Reschke sei überlegt worden, ob und wie man ein Spendenkonto einrichten könne. Dies erfolgt nun durch die ev.-ref. Kirchengemeinde Oberholzklau, Inhaber wird das Presbyterium. „Die Kirchengemeinde wird ein Gremium, bestehend aus Vertretern der Bürgerschaft, der Stadt Freudenberg und der Kirchengemeinde, berufen, das später über die konkrete Verwendung der zweckgebundenen Mittel entscheidet“, erklärte der Pfarrer das Prozedere. Dem Gremium würden er selbst und Nicole Reschke angehören: „Wir haben Bereitschaft signalisiert, Verantwortung zu übernehmen.“ Über die weitere Zusammensetzung stünden in naher Zukunft Gespräche an.

Verwendung der Spenden noch unklar

Wofür die Spenden tatsächlich verwendet werden und wie viel Geld überhaupt zusammenkommt, könne man gegenwärtig noch nicht sagen. „Wir müssen gut schauen, wie wir mit den Einzelschicksalen umgehen“, meinte Oliver Günther und erklärte, dass man versicherungstechnische Aspekte oder finanzielle Nöte, die in der Folge des Unglücks entstünden, derzeit nicht überblicken könne.
Fest steht: Die „Öalcher“ rücken in dieser schweren Zeit zusammen. Das zeige sich auch in den abendlichen Begegnungen in der Alcher Kirche, berichtete Günther. Seit Dienstag und noch bis Samstag ist das Gotteshaus jeweils in der Zeit von 18 bis 20 Uhr geöffnet. Am ersten Tag hätten rund 30 Personen den Weg in die Kirche gefunden, am Mittwoch etwa 50 Menschen. „Es zeigt sich, dass die Leute jetzt miteinander reden – und nicht mehr nur mit mir oder den Seelsorgern“, blickte Oliver Günther zurück. Daher müsse man die Abende nun ein wenig organisieren: Ganz am Anfang steht eine kurze Andacht, danach ist Zeit, die Trauer und das Entsetzen in aller Stille zu verarbeiten – die Alcher entzündeten zum Gedenken zahlreiche Kerzen. Nach wie vor stehen natürlich separate Räume für Einzelgespräche zur Verfügung. Ehrenamtliche Helfer richten das Gebäude nach den Abenden wieder her.

An den Abenden fanden zahlreiche Alcher den Weg in das Gotteshaus, kamen ins Gespräch, spendeten sich gegenseitig Trost - und entzündeten Kerzen in Gedenken an das Opfer und die Verletzten des Backesfest-Unglücks.
  • An den Abenden fanden zahlreiche Alcher den Weg in das Gotteshaus, kamen ins Gespräch, spendeten sich gegenseitig Trost - und entzündeten Kerzen in Gedenken an das Opfer und die Verletzten des Backesfest-Unglücks.
  • Foto: Christian Schwermer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Der Ort bereitet sich auf den Gedenkgottesdienst vor

Am kommenden Sonntag findet vor Ort um 10 Uhr ein Gedenkgottesdienst statt. Der Platz in der recht kleinen Kirche wird für den erwarteten Andrang wohl nicht ausreichen. „Wir schaffen so viele Plätze wie möglich, müssen aber natürlich Rettungswege freihalten“, erklärte Oliver Günther, dass das Foyer des Gotteshauses nicht bestuhlt werden kann. Einsatzkräfte der Polizei werden vor Ort sein, um die Verkehrssituation zu regeln, wie die Pressestelle der Kreispolizeibehörde am Donnerstag auf SZ-Anfrage bestätigte. Aus nachvollziehbaren Gründen ist für Sonntag ein ausdrückliches Film- und Fotoverbot ausgesprochen worden. Die Befürchtung, dass sich einige (überregionale) Medienvertreter nicht daran halten könnten, ist in Alchen durchaus vorhanden. Die Menschen müsse man schützen, stellte Pfarrer Oliver Günther klar. Eines hätten die Dorfbewohner mittlerweile in jedem Fall gelernt: „Die Alcher können auch Nein sagen.“

TV-Gottesdienst abgesagt

Die Einrichtung des Spendenkontos war nicht die einzige Botschaft, die Pfarrer Oliver Günther parat hatte. Am Sonntag, 29. September, hätte in der Alcher Kirche ein TV-Gottesdienst stattfinden sollen, der am 6. Oktober in privaten Medien ausgestrahlt worden wäre. „Eine Fernsehkamera in der Kirche wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht angemessen“, stellte Oliver Günther klar. Ein „normaler“ Gottesdienst wird an dem Datum – wie an allen anderen Sonntagen auch – stattfinden und den Besuchern einen geschützten Raum der Besinnung und der Geborgenheit bieten.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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