Umrüsten mit der Cyber-Brille
„Handbücher nicht mehr akzeptiert“

cs Freudenberg. „Cyberrüsten 4.0 – Cyber-physische Unterstützung des Menschen beim Rüstvorgang am Beispiel eines Biegeprozesses zur Kleinserienfertigung auf Basis eines Wissenstransferansatzes“ – das Forschungsprojekt, das vor gut drei Jahren an der Universität Siegen startete und im März dieses Jahres auslief, trägt einen recht sperrigen Namen. Dahinter verbirgt sich jedoch ein simples, fast schon alltägliches Problem, mit dem sich die heimischen Mittelständler immer wieder konfrontiert sehen: Was passiert mit dem Wissen erfahrener Fachkräfte, wenn diese aus dem Unternehmen ausscheiden?

"Expert to go" wurde im September 2018 präsentiert

Im September vergangenen Jahres vermeldete das Team um Prof. Dr.-Ing. Bernd Egel, Inhaber des Lehrstuhls für Umformtechnik, erste konkrete Ergebnisse und präsentierte den „Expert to go“. Dabei handelt es sich um eine Anwendung für eine Mixed-Reality-Datenbrille. Sie projiziert alle nötigen Informationen in Form von Hologrammen in das reale Sichtfeld des Nutzers. Dadurch sollen auch ungelernte Personen zügig befähigt werden, komplexe industrielle Prozesse eigenständig und fehlerlos umzusetzen.

Technik made in Siegerland

Technik made in Siegerland: Die Freudenberger Lachmann & Rink GmbH sorgte im Zuge des Projekts für die Ankopplung des Systems an verschiedene Maschinen. Und weil das Projekt in erheblichem Umfang mit Geldern aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert wurde, verschafften sich die Freudenberger Grünen jetzt, passend zur Europawahl, selbst einen Eindruck in den Räumlichkeiten des Softwareunternehmens an der Hommeswiese. „Europa ist nicht weit weg, sondern hier direkt vor Ort“, stellte Christian Hombach im Rahmen des Besuchs, bei dem auch der ehemalige NRW-Umweltminister Johannes Remmel mit dabei war, fest.

"Handbücher werden nicht mehr akzeptiert"

„Die Leute, die heute lernen, haben andere Zugänge – Handbücher werden nicht mehr akzeptiert“, meinte Stefan Thilo. Der Vertriebsingenieur beschrieb das Wirken der Cyber-Brille als „geisterhaftes Bild, das über die Maschine gelegt wird“. Zwar sei die aktuelle Version der Brille noch nicht serienreif, was vor allem an der zu kurzen Laufzeit des Akkus sowie der unzureichenden Ergonomie liege – wer das Gerät über einen längeren Zeitraum nutzt, bekommt es rasch mit Druck- und Augenschmerzen zu tun. „Wir wollten aber ganz früh mit dabei sein“, stellte Stefan Thilo weiter klar. Aktuell ist übrigens bereits eine neue, verbesserte Version der Cyber-Brille in Arbeit, die einen deutlich höheren Tragekomfort versprechen soll.

Johannes Remmel hakte nach

Die Freudenberger Grünen zeigten sich von dem System jedenfalls beeindruckt und lobten den Fortschritt. Johannes Remmel nutzte die Gelegenheit auch, um kritische Fragen zu stellen. „Viele Betriebe sind vor allem wegen der gut ausgebildeten Leute hier im Siegerland“, stellte der ehemalige Umweltminister fest. Die Cyber-Brille befähige aber jeden, bestimmte Vorgänge umzusetzen, sodass die Unternehmen streng genommen nicht mehr auf gute Mitarbeiter angewiesen seien.  Ein Einwand, dem Claudius Rink deutlich widersprach. Durch solche Systeme könne man die Mitarbeiter länger im Unternehmen halten, weil man diese schnell und leicht in neue Tätigkeiten einweisen könne. „So sorgt man für Abwechslung und lässt eine neue Bindung entstehen“, ist sich der Geschäftsführer sicher, dass die hiesige Wirtschaft von dem neuen System langfristig profitieren wird.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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