SZ

Gemeinde in der Friedrichstraße verlässt Siegen
Heilsarmee sagt Tschüss

Die Heilsarmee verlässt Siegen zum 30. Juni. Am Sonntag, 4. Juli, um 15 Uhr gibt es lediglich noch einen Abschlussgottesdienst. Leutnantin Silvia Berger wechselt nach Bielefeld.
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  • Die Heilsarmee verlässt Siegen zum 30. Juni. Am Sonntag, 4. Juli, um 15 Uhr gibt es lediglich noch einen Abschlussgottesdienst. Leutnantin Silvia Berger wechselt nach Bielefeld.
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mir Siegen. Es gab in der Öffentlichkeit kein Indiz vorab, deshalb hat die Nachricht von Dienstag Mittag absoluten Neuigkeitswert: „Heilsarmee schließt Gemeinde in Siegen.“ Zum 30. Juni. So heißt es in einer Mitteilung vom Verwaltungssitz der Heilsarmee in Köln.

Gründe gibt es eine ganze Reihe, wie Pressesprecher Manfred Simon auf Nachfrage der SZ sagt: „Wir haben festgestellt, dass eine ganze Reihe großer freikirchlicher und kirchlicher Gemeinden vorhanden sind. Leider haben wir nicht dieses Echo in Siegen, wir sind sehr klein. Deshalb hat unsere Leitung entscheiden, dann gehen wir lieber dorthin, wo der Bedarf noch nicht gedeckt ist.“

Die Gemeinde in der Friedrichstraße 100 mit dem Café Treffpunkt wurde vor fast 120 Jahren - am 15. Oktober 1901 - ins Leben gerufen.

mir Siegen. Es gab in der Öffentlichkeit kein Indiz vorab, deshalb hat die Nachricht von Dienstag Mittag absoluten Neuigkeitswert: „Heilsarmee schließt Gemeinde in Siegen.“ Zum 30. Juni. So heißt es in einer Mitteilung vom Verwaltungssitz der Heilsarmee in Köln.

Gründe gibt es eine ganze Reihe, wie Pressesprecher Manfred Simon auf Nachfrage der SZ sagt: „Wir haben festgestellt, dass eine ganze Reihe großer freikirchlicher und kirchlicher Gemeinden vorhanden sind. Leider haben wir nicht dieses Echo in Siegen, wir sind sehr klein. Deshalb hat unsere Leitung entscheiden, dann gehen wir lieber dorthin, wo der Bedarf noch nicht gedeckt ist.“

Die Gemeinde in der Friedrichstraße 100 mit dem Café Treffpunkt wurde vor fast 120 Jahren - am 15. Oktober 1901 - ins Leben gerufen. In den vergangenen vier Jahren wurde das Korps Siegen von Leutnantin Silvia Berger, Offizierin der Heilsarmee, geleitet, die gerne auf ihre Zeit im Siegerland zurückblickt: „ Viele Menschen hier und auch die schöne Stadt sind mir lieb geworden. Den Blick von meinem Balkon auf das Krönchen werde ich vermissen.“

Wachstum der Heilsarmee stagniert

Gemeinsam mit Silvia Berger durfte die SZ noch einmal den Versammlungsraum anschauen. Eine Tagesmutter hat dort ihr Domizil aufgeschlagen, sicherlich eine Arbeit ganz im Sinne der Heilsarmee. „Aber leider stagniert unser Wachstum, auch unsere sozialen Aufgaben haben sich reduziert“, gesteht Berger ein.

Beim ersten Corona-Lockdown schien es noch, als ob alles und wirklich alles auf die Heilsarmee zulaufen würde. „Alle hatten zu, in der Friedrichstraße 100 war weiter geöffnet. Wir wurden überschwemmt von Leuten, aber auch von Spenden. Vielen Menschen haben wir mit einem ,To-Go-Angebot’ helfen können, das war gut“, bedankt sich Berger für den erfahrenen Zuspruch.

Für Bedürftige sorgen, das ist eine Kernaufgabe der Heilsarmee, aber eine ganze Reihe anderer Anbieter können das auch. Vom Cafe Patchwork angefangen über Diakonie und AWo bis zu den Freien Gemeinden und Calvery Chapel. Berger: „Wir konnten später nicht mehr Fuß fassen. Und unsere Gemeinde besteht hauptsächlich aus Älteren, Junge haben wir nicht. Nicht jeder mag Uniformen, ich schon.“

Eigener Standort für Siegen schwierig

Heilsarmee-Leutnantin Silvia Berger als bisherige Leiterin der Gemeinde Siegen wechselt nach Bielefeld/Osnabrück, Dienstsitz ist Bielefeld. Die netten Siegener ihrer alten Gemeinde werden ihr fehlen: „Einen eigenen Standort für Siegen zu halten, ist schwierig, das kostet ja auch viel. Und eine Blaskapelle tönt ganz anders, hier ist das aber nicht gegeben.“

"Unsere Gemeinde besteht hauptsächlich aus Älteren,
Junge haben wir nicht.
Nicht jeder mag Uniformen, ich schon."

Silvia Berger
Leutnantin der Heilsarmee Siegen

Es sind herzliche Kontakte entstanden, in Gesprächskreisen, in der Frauengruppe, im Gottesdienst oder auch im Café Oase. „Schöne Eindrücke und Begegnungen werden mir in Erinnerung bleiben“, resümiert Silvia Berger. Die Leitung der Heilsarmee bedauert die Schließung und hofft, dass die Gemeindemitglieder in Siegen eine neue christliche Heimat in einer der örtlichen Gemeinden finden werden.

Gottesdienst zum Abschluss

Zum Abschluss gibt es am Sonntag, 4. Juli, noch einen Gottesdienst um 15 Uhr. Um die Hygienemaßnahmen gewährleisten zu können, bittet Silvia Berger um Anmeldungen unter Telefon 0271-56732 (10 bis 12 Uhr). 40 bis 50 Leute wird sie im Saal in der Friedrichstraße mit AHA-Abstand unterbringen können. Für einen Stehkaffee im Freien wird es wohl auch reichen.

P.S.: Die Immobilie Friedrichstraße 100 befindet sich im Besitz der Heilsarmee. Und bleibt es auch. Für den Saal werden noch Verwendungsmöglichkeiten eruiert, vielleicht darf die Tagesmutter mit ihren Kindern bleiben.

Die Heilsarmee verlässt Siegen zum 30. Juni. Am Sonntag, 4. Juli, um 15 Uhr gibt es lediglich noch einen Abschlussgottesdienst. Leutnantin Silvia Berger wechselt nach Bielefeld.
Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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