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Tarnnetze statt Turnunterricht
Heimische Gesamtschulen sorgen sich um ukrainische Freunde

In der Turnhalle von Brody werden Tarnnetze geknüpft, um die freiwilligen Soldaten zu unterstützten. Netze, die sonst zum Fischen oder Fußballspielen gedient haben, werden im Krieg umfunktioniert.
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  • In der Turnhalle von Brody werden Tarnnetze geknüpft, um die freiwilligen Soldaten zu unterstützten. Netze, die sonst zum Fischen oder Fußballspielen gedient haben, werden im Krieg umfunktioniert.
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nja Freudenberg/Eiserfeld. An Turnen oder sorgloses Rumtoben denkt in der westukrainischen Kleinstadt Brody derzeit wohl niemand. Die Sporthalle hat in diesen Kriegszeiten eine neue Funktion erhalten. Dort werden Hilfsgüter gesammelt, haben Flüchtlinge eine erste Anlaufstation. Fotos zeigen, wie Fischer- und Fußballtornetze in Tarngeflecht  verwandelt werden: für die freiwilligen, zivilen Widerstandskämpfer, die Putins Truppen die Stirn bieten. Die ihre Heimat und ihre Freiheit verteidigen.

Deutsch steht in Brody auf dem Lehrplan
Nicht unweit der Turnhalle liegt das Ivan-Trush-Gymnasium, benannt nach einem ukrainischen Künstler und Literaturkritiker.

nja Freudenberg/Eiserfeld. An Turnen oder sorgloses Rumtoben denkt in der westukrainischen Kleinstadt Brody derzeit wohl niemand. Die Sporthalle hat in diesen Kriegszeiten eine neue Funktion erhalten. Dort werden Hilfsgüter gesammelt, haben Flüchtlinge eine erste Anlaufstation. Fotos zeigen, wie Fischer- und Fußballtornetze in Tarngeflecht  verwandelt werden: für die freiwilligen, zivilen Widerstandskämpfer, die Putins Truppen die Stirn bieten. Die ihre Heimat und ihre Freiheit verteidigen.

Das Gymnasium in Brody. Die Gesamtschulen Eiserfeld und Freudenberg pflegen eine Partnerschaft. Und sorgen sich derzeit um das Wohl der Menschen.
  • Das Gymnasium in Brody. Die Gesamtschulen Eiserfeld und Freudenberg pflegen eine Partnerschaft. Und sorgen sich derzeit um das Wohl der Menschen.
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Deutsch steht in Brody auf dem Lehrplan

Nicht unweit der Turnhalle liegt das Ivan-Trush-Gymnasium, benannt nach einem ukrainischen Künstler und Literaturkritiker. Unterricht findet dort nur noch sporadisch statt, erzählt Florian Kraft, der 2016 Land und Leute während einer privaten Studienreise kennenlernte. Sein Guide durch die Karpaten damals war Schüler des Gymnasiums gewesen und hatte ihm von deren Interesse an einer Schulpartnerschaft berichtet. Kraft, seinerzeit Lehrer an der Gesamtschule Eiserfeld, ergriff mit Kolleginnen und Kollegen die Initiative: Und so fand schon ein Jahr später ein erstes Kennenlernen von Lehrern aus Eiserfeld und Brody statt. Das freundschaftliche Miteinander, gefestigt in zwei Jahren Schüleraustausch, "adoptierte" Florian Kraft, als er beruflich nach Freudenberg wechselte. Deutsch steht in Brody auf dem Lehrplan. Beide Gesamtschulen stehen nun fest an der Seite des westukrainischen Gymnasiums und der Menschen in der Region.

Längst ist Putins Krieg dort angekommen. Lwiw (Lemberg) liegt nur rund 60 Kilometer entfernt. Das brennende Öllager verpestete jüngst die Luft. Am ersten Kriegstag schlug eine Bombe im Militärstützpunkt Brody ein. Seither werden die rund 20.000 Einwohner immer wieder von Luftalarm in Angst und Schrecken versetzt. "Das ist zermürbend", weiß Florian Kraft, der in Kontakt mit Kollegen und Schülern steht.

Renate Jung (l.) und Florian Kraft  (3. v. l.) nahmen als Lehrer der Gesamtschule Eiserfeld 2018 am Schüleraustausch teil. Das Foto zeigt sie mit den Kolleginnen und Kollegen aus Brody. Dritter von rechts ist der ehemalige Schulleiter und heutige Stadtdirektor Ruslan Shyshka - er ist in die Koordination der Versorgung von Flüchtlingen und Soldaten auch stark eingebunden.
  • Renate Jung (l.) und Florian Kraft (3. v. l.) nahmen als Lehrer der Gesamtschule Eiserfeld 2018 am Schüleraustausch teil. Das Foto zeigt sie mit den Kolleginnen und Kollegen aus Brody. Dritter von rechts ist der ehemalige Schulleiter und heutige Stadtdirektor Ruslan Shyshka - er ist in die Koordination der Versorgung von Flüchtlingen und Soldaten auch stark eingebunden.
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Hilfsverein nahe Kassel bringt Güter an polnisch-ukrainische Grenze

"Unterricht findet dort in Präsenz so gut wie gar nicht mehr statt", berichtet er. Renate Jung, Eiserfelder Lehrerin im Ruhestand, pflegt ebenfalls den Kontakt zu den Menschen in Brody. Sie berichtet von einer ukrainischen Kollegin, die nun wohl mit ihren zwei Kindern nach Deutschland fliehen wird: "Sie lehrt online. Die Kinder sind gut ausgestattet oder erhalten Laptops von der Schule. Sie unterrichtet selbst Schüler, die schon im Ausland sind." Die Gemeinde kümmert sich auch um die vielen Binnenflüchtlinge: Ukrainer, die sich aus den stark umkämpften Regionen in den doch ruhigeren Westen ihres Landes gerettet haben. Die Menschen in Brody bieten Unterkunft und Verpflegung. Sie sorgen sich aber auch um die Ausstattung ihrer Liebsten, die ihre Freiheit verteidigen. Stoffe werden dunkel eingefärbt, um Tarnmöglichkeiten zu schaffen. Renate Jung hat erfahren: "Kommunen, die nicht hart umkämpft sind, sind auf sich gestellt. Die Verwaltungen sind gefordert, die zivile Verteidigung selbst auf die Beine zu stellen. "Und hier ergriff sie privat die Initiative: Sie fragte in Brody nach, was am dringendsten benötigt wird, und füllte mit Unterstützung von Familie und Bekannten 16 Umzugskartons mit Handtüchern, Gummistiefeln, Fliesjacken und Säcken für den Barrikadenbau. Über einen Hilfsverein nahe Kassel gelangten die Güter an die polnisch-ukrainische Grenze. Von dort brachte sie ein ehemaliger Gymnasiast nach Brody. 

Freudenberger Gesamtschüler bastelten Friedenslichter, um die Menschen in der Ukraine zu unterstützen.
  • Freudenberger Gesamtschüler bastelten Friedenslichter, um die Menschen in der Ukraine zu unterstützen.
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Gesamtschule Freudenberg sammelt Spenden

Die Gesamtschule Freudenberg möchte ihren Freunden in Brody unter die Arme greifen.  In der vergangenen Woche verteilte die 9c Friedenslichter in der Nachbarschaft, um Spenden zu sammeln. 204 Euro kamen zusammen. Der Krieg beschäftigt und erschüttert die Schulgemeinschaft. Geldspenden für das Binnenflüchtlingslager der Partnerschule können zudem auf ein Konto des Caritasverbands Siegen-Wittgenstein überwiesen werden (Iban: DE56 4605 0001 0000 0822 22, Verwendungszweck: Ukraine – Caritas Brody). Über 9000 Euro, so Florian Kraft, sind schon zusammengekommen. Renate Jung und er kennen die Caritasstation in Brody persönlich. Ihr Leiter ist zugleich Schulpfarrer im Gymnasium. Auch die Gesamtschule Eiserfeld, Renate Jungs frühere Wirkungsstätte, sorgt und kümmert sich um die Menschen in Brody und der Partnerschule. Jüngst beteiligte sich die Schulgemeinde an einer Hilfsgüteraktion für die Ukraine. Nach den Osterferien soll ein Sponsorenlauf Geld für die Freunde in der Not einspielen.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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