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Obstbau als Generationenprojekt
Knipsen, spreizen, erziehen

Enzyklopädie auf zwei Beinen. Die Kurse von Friedhelm Geldsetzer sind oft schon Monate vorher ausgebucht.
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  • Enzyklopädie auf zwei Beinen. Die Kurse von Friedhelm Geldsetzer sind oft schon Monate vorher ausgebucht.
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goeb Freudenberg. Friedhelm Geldsetzer ist erstens geduldig und zweitens um keine Antwort verlegen. Als einziger Fachwart für Obstbau weit und breit teilt er sein Wissen gern. Zu ihm in die (oft ausgebuchten) Kurse kommen sowohl die Verzweifelten als auch die Fortgeschrittenen, wenn es um Obstgehölze geht.

In diesen Tagen zückte der Meister seine Schere im wunderschönen Freudenberger Kurpark. Dort zeigte er seinen 13 Teilnehmern des VHS-Kurses „Pflanz- und Erziehungsschnitt“, wo und wie „geknipst“ wird, soll der Baum eine schöne und gesunde Krone bekommen, deren Früchte leicht zu ernten sind.

goeb Freudenberg. Friedhelm Geldsetzer ist erstens geduldig und zweitens um keine Antwort verlegen. Als einziger Fachwart für Obstbau weit und breit teilt er sein Wissen gern. Zu ihm in die (oft ausgebuchten) Kurse kommen sowohl die Verzweifelten als auch die Fortgeschrittenen, wenn es um Obstgehölze geht.

In diesen Tagen zückte der Meister seine Schere im wunderschönen Freudenberger Kurpark. Dort zeigte er seinen 13 Teilnehmern des VHS-Kurses „Pflanz- und Erziehungsschnitt“, wo und wie „geknipst“ wird, soll der Baum eine schöne und gesunde Krone bekommen, deren Früchte leicht zu ernten sind.

Waffenschmidts Roter und Freudenberger Nützerling

Nicht irgendwelche Sorten stehen dort, sondern solche mit wohlklingenden Namen wie Freudenberger Nützerling, Waffenschmidts Roter oder Schölers Erfolg. Das sind historische Apfelsorten der Region, die nicht von ungefähr dort in die Erde gekommen sind. Geldsetzer ist nicht nur Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Freudenberg, Pflanzenschutzberater und Pomologe, er führt nebenbei auch noch Gäste durch die Altstadt – bei Tageslicht und ohne.

Theorie ist das Eine: An die praktische Umsetzung geht es am Nachmittag im Kurpark.
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Natürlich hat er die Stadt bei der Entwicklung ihres neuen Konzepts für den Park „pomologisch“ beraten. „Hier wächst später mal Obst, das von den Bürgern geerntet werden kann. Da kann dann auch mal ein schönes Obstwiesenfest gefeiert werden.“

Nicht von heute auf morgen

15 Jahre braucht ein anständiger Baum, bis er im Vollbesitz seiner Möglichkeiten ist und richtig liefert. So einen Baum, ermahnt er die Truppe, habe man nicht von heute auf morgen. Man kann es dem Baum schwer machen oder leicht – wenn man die richtigen Kenntnisse hat.
„Geimpft“ worden mit der Leidenschaft ist er vom Großvater aus dem Bergischen, erzählt er. Seit 55 Jahren beschäftigt sich der heute 77-Jährige mit der Thematik. Mit ruhiger, sonorer Stimme und sicherer Hand demonstriert er nachmittags auf der Leiter seinen Gästen ganz praktisch, was sie morgens in der Theorie bei ihm gelernt haben.

„Jetzt weiß ich auch, was ich jahrelang falsch gemacht habe“, entfährt es einer Dame und alles lacht. „Ich schneide hier, seht ihr, auf Blattauge, was nach außen geht“, fährt Geldsetzer fort. Es geht um Saftwaage und Anschnitt des Terminaltriebs, um Wundverschluss, Schlitzastigkeit und Krankheitsdruck. Eine Welt für sich ist das.

,,Für mich sind das Erfahrungswerte''

10 Prozent Totholz toleriert er, Vogel- und Insektenschutz hin oder her. Da ist für ihn die Grenze. „Ich kann den Vögeln ja auch künstliche Nisthilfen anbieten. Klar, gibt’s da auch andere Meinungen zu, aber für mich sind das einfach Erfahrungswerte.“

Heute will man Bäume heranziehen, die im Idealfall eine 6 Meter breite regelmäßige Krone entwickeln. Eine Ebene in der Krone, das reicht. „Früher machten die Bauern an diesen Hochstämmen eine zweite Ebene. Da ist man heute weg von. Wir wollen den riesigen Ansatz nach oben nicht. Wer will diese Früchte denn noch ernten?“

Die Natur liefert das Material selbst – eine Spreize aus Haselnussholz.
  • Die Natur liefert das Material selbst – eine Spreize aus Haselnussholz.
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Der Fachmann zeigt abschließend, wie man mit wenigen Schnitten aus einer Haselnussrute eine Spreize herstellt und sie ganz ohne Hilfsmittel, nur mit der Spannung, die die Zweige des Obstbaums selbst liefern, einsetzt.

„Obstbau ist ein Generationenprojekt“, gibt er dem Kurs zum Abschluss mit auf den Weg. Deshalb soll die kluge Frau bzw. der kluge Mann vorbauen.
Glaubt man Geldsetzer, dämmern am Horizont andere Zeiten herauf. Pandemie, quersitzende Schiffe im Suez-Kanal, Lieferengpässe. „Ihr werdet später froh sein, wenn ihr euch selbst versorgen könnt.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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