Das "Buch Haselhuhn" nicht zuklappen
Naturschutzinitiative legt neue Spuren aus Freudenberg vor

Die NI sieht im Waldgebiet am Kuhlenberg einen passenden Lebensraum für das Haselhuhn.

sz Freudenberg. Nachdem der Kreis Siegen-Wittgenstein und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) den Spurenfund des Umweltverbands Naturschutzinitiative (NI) zuletzt nicht als einen Nachweis für das Haselhuhn bestätigt hatten, legt die NI nun erneut Funde vor, die von einem Haselhuhnvorkommen am Kuhlenberg zeugen sollen. Dipl.-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI und Dipl.-Ing. agr. Gerhard Bottenberg, Haselhuhnkenner der NI, widersprechen damit der Einschätzung der Fachbehörden.

Keine Spur vom Haselhuhn am Kuhlenberg

Die NI zeigt sich "irritiert" von der Ablehnung des Nachweises, da zuvor ein anerkannter Wissenschaftler und Autor von Spurenbüchern, Dr. Franz Müller, die Interpretation als „Haselhuhnspur“ bestätigt habe. Zudem weise das Gebiet - "entgegen der Darstellung der Kreisverwaltung" -  eine vergleichsweise gute Eignung als Haselhuhn-Lebensraum auf.
Verwundert ist der Umweltverband auch darüber, dass der Kreis weder die zitierten „Haselhuhnexperten“ namentlich genannt habe, noch deren Ergebnisse zur Verfügung gestellt worden seien. "Dies gehöre aber zu einem wissenschaftlich fundierten und transparenten Diskurs dazu." Die Naturschutzinitiative habe die Informationen deshalb bei der Kreisverwaltung und dem LANUV nachgefordert.

Untersuchungen hinterfragt

Die NI findet, die Ausführungen der Kreisverwaltung sollten kritisch hinterfragt werden: Die vom LANUV kontaktierten Behörden hätten in den angrenzenden Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahre keinen einzigen Nachweis eines Haselhuhn-Fundes für den die Landesgrenzen überschreitenden Raum bestätigen können. Biologe Vollmer, der eine Recherche zu aktuellen Haselhuhnbeobachtungen durchführte, hinterfragt, ob es überhaupt Untersuchungen dieser Bundesländer gegeben habe, die eine solche Behauptung für einen so großen Raum rechtfertigen können. 

Sicht- und Spurnachweise

Die NI hat dem LANUV und der Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein für das Gebiet am Kuhlenberg in Freudenberg nun "erneut mehrere aktuelle Sicht- und Spurnachweise mehrerer sachkundiger Personen zur Diskussion und Bewertung vorgelegt". „Aufgrund der Detailliertheit der neuen Angaben muss von einer hohen Validität der Daten ausgegangen werden, sodass in der Gesamtschau der Nachweise und der noch ausreichend bestehenden Habitateignung von einem Vorkommen der Art Haselhuhn ausgegangen werden muss“, betone Biologe Immo Vollmer.

Buch "Haselhuhn" zuklappen?

Die entscheidende Frage aber sei, ob das Haselhuhn hier noch mit annähernd hoher Wahrscheinlichkeit vorkommen könne, so der Umweltverband. „Es nährt sich der Eindruck, dass unter den konkurrierenden Entwicklungsinteressen vorschnell das Buch ,Haselhuhn' zugeklappt werden solle und im übertragenen Sinn darauf verzichtet wird‚ einem Ertrinkenden einen Rettungsring zuzuwerfen“, erklären Gerhard Bottenberg und Immo Vollmer.

Schutzmaßnahmen fürs Haselhuhn gefordert

Die NI erwartet jetzt vom LANUV aufgrund des neu vorgelegten Materials eine erneute und direkte Antwort sowie eine Revision der erfolgten Meldung. „Wir fordern daher eine schnelle Ableitung von Schutzmaßnahmen für das Haselhuhn im betroffenen Freudenberger Raum und eine Nachmeldung als europäisches Vogelschutzgebiet (Wälder bei Freudenberg)“, so Harry Neumann, Landesvorsitzender NRW der Naturschutzinitiative.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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