Umweltausschuss folgte Bürgeranregung nicht
Nein zum Klimanotstand

Die Warnsignale sind bei Politik und Stadtverwaltung angekommen und werden ernst genommen – den Klimanotstand möchte Freudenberg aber nicht erklären.
  • Die Warnsignale sind bei Politik und Stadtverwaltung angekommen und werden ernst genommen – den Klimanotstand möchte Freudenberg aber nicht erklären.
  • Foto: Christian Schwermer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Freudenberg. Die Rückkehr zur Normalität fällt schwer. Nach dem schrecklichen Unglück in Alchen, in dessen Folge eine 67 Jahre alte Frau ihren schweren Verletzen erlag und fünf weitere Schwerverletzte in verschiedenen Kliniken behandelt werden, steht die Stadt unter Schock. So begann die Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie, Natur und Feuerschutz am Dienstagabend mit einer Schweigeminute für das Opfer und die Verletzten des Unfalls. Man sah es den Mitgliedern an: Angesichts des schlimmen Unfalls rücken lokalpolitische Angelegenheiten derzeit in den Hintergrund.
Dennoch kam das Gremium wie geplant zusammen und arbeitete die Tagesordnung ab – einzig die Auslobung des Klimaschutzpreises wurde gestrichen. Bereits am Morgen erklärte Bürgermeisterin Nicole Reschke im Rahmen des Pressegesprächs zur Vorstellung der Gesundheitstage, dass momentan niemandem der Sinn nach einem fröhlichen Foto stehe. Verständlich. Reschke nutzte zudem die Gelegenheit, den Einsatzkräften für ihre „schnelle und sehr professionelle“ Hilfe zu danken. Auch Einsatzleiter Maik Rother war gekommen, sprach von einem „wunderbaren Zusammenspiel“ mit dem Rettungsdienst. Die Kameraden hätten „Herausragendes“ geleistet.

Grüne plädierten für Unterstützung der Resolution

Das „normale“ Leben muss und wird indes weitergehen. Am Dienstag stand ein durchaus brisantes Thema auf der Agenda des Fachausschusses: Soll in der Stadt der Klimanotstand ausgerufen werden oder nicht? Wie ausführlich berichtet, hatte der Büschergrunder Jörg Bruland genau dies beantragt, jüngst meldete sich Matthias Bach aus Oberheuslingen zu Wort. „Auf keinen Fall“ solle die Stadt den Klimanotstand ausrufen. Bach fürchtet einen „Stillstand in den kommunalen Entscheidungsprozessen“. Zur Bürgeranregung von Jörg Bruland, die vom Haupt- und Finanzausschuss an den Umweltausschuss verwiesen wurde, verfasste die Stadtverwaltung eine umfangreiche Beschlussvorlage, stellte ausführlich dar, was sich in Freudenberg hinsichtlich des Umweltschutzes bereits alles getan hat.
Eine klare Aussage für oder gegen die Ausrufung des Klimanotstandes wurde vermieden, wobei man die Botschaft zwischen den Zeilen lesen konnte. „Handlungen ja, Resolution nein“, fasste es Ausschussvorsitzender Arno Krämer (SPD) am Ende einer kurzen Diskussion zusammen. Letztlich sprach sich das Gremium bei einer Gegenstimme von Christina Berlin (Grüne) dafür aus, den Klimanotstand in Freudenberg nicht zu erklären.

Klimaschutz ein "ganz heißes Thema"

Martin Breloer (CDU) meinte zwar, der Klimaschutz sei ein „ganz heißes Thema“ und die Luft werde im wahrsten Sinne des Wortes immer dünner: „Aber das Klima ist keine Sache, die über Freudenberg steht.“ Die Ausrufung des Klimanotstandes wäre, anders als in vielen NRW-Großstädten („Die haben es nötig“), hier vor Ort das „falsche Signal“. Der Christdemokrat verwies ebenso wie die Verwaltung auf die vielfältigen Aktivitäten, die in der Stadt bereits vorangetrieben werden. Arno Krämer wählte einen anderen Ansatz: „Das Verhalten der Freudenberger Bürger ist noch nicht reif“, stellte der SPD-Mann fest. Klimaschutz sei noch nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen, „da werden wir als Freudenberger nicht ernst genommen, wenn wir gar nicht dahinter stehen und nur ein Stück Papier in die Welt setzen“, führte er aus. Krämers Fazit: „Die Resolution ist inhaltlich richtig, aber für Freudenberg das falsche Signal.“Christiane Berlin hätte es dagegen gerne gesehen, den „Klimaschutz auf eine andere Ebene zu hieven“. Dennoch, auch wenn Freudenberg weiterhin ohne formellen Klimanotstand auskommen will: Daran, dass der Schutz von Natur und Umwelt künftig an erster Stelle der Kommune stehen soll, ließ der Fachausschuss fraktionsübergreifend keinen Zweifel aufkommen. Politik und Stadtverwaltung werden sich in Zukunft an diesen Worten messen lassen müssen.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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