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Ev. Gotteshaus Freudenberg wird saniert
Neues Kapitel Kirchen-Geschichte

Sie bildet den krönenden Abschluss des Alten Fleckens und darf auf keinem Fotomotiv fehlen: Die ev. Kirche in Freudenberg weist aber einen erheblichen Sanierungsbedarf auf, der vor gut einem Jahr durch einen Zufall ans Tageslicht kam.
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  • Sie bildet den krönenden Abschluss des Alten Fleckens und darf auf keinem Fotomotiv fehlen: Die ev. Kirche in Freudenberg weist aber einen erheblichen Sanierungsbedarf auf, der vor gut einem Jahr durch einen Zufall ans Tageslicht kam.
  • Foto: Christian Schwermer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Freudenberg. Über die Geschichte dieses Gotteshauses könnte man Bücher schreiben. Erbaut in den Jahren 1601 bis 1606, brannte die ev. Kirche in Freudenberg, die den krönenden Abschluss des Alten Fleckens bildet, 1666 beim großen Stadtbrand aus, der Wiederaufbau dauerte bis ins Jahr 1675. Aus dieser Zeit stammen die markanten Holzsäulen im Inneren des Gebäudes – und genau diese sind nun der Anlass dafür, dass das Gotteshaus umfangreich saniert werden muss. Wenn im Mai kommenden Jahres die Hauptarbeiten beginnen, wird ein neues Kapitel Freudenberger Kirchen-Geschichte aufgeschlagen.

cs Freudenberg. Über die Geschichte dieses Gotteshauses könnte man Bücher schreiben. Erbaut in den Jahren 1601 bis 1606, brannte die ev. Kirche in Freudenberg, die den krönenden Abschluss des Alten Fleckens bildet, 1666 beim großen Stadtbrand aus, der Wiederaufbau dauerte bis ins Jahr 1675. Aus dieser Zeit stammen die markanten Holzsäulen im Inneren des Gebäudes – und genau diese sind nun der Anlass dafür, dass das Gotteshaus umfangreich saniert werden muss. Wenn im Mai kommenden Jahres die Hauptarbeiten beginnen, wird ein neues Kapitel Freudenberger Kirchen-Geschichte aufgeschlagen. Dann werden die morschen Holzsäulen ertüchtigt,  eine neue Beleuchtung sowie eine moderne Brandmeldeanlage eingebaut und die hintere Mauer wird trockengelegt Außerdem bekommt die Immobilie innen und außen einen frischen Anstrich verpasst. Kostenpunkt: 750 000 Euro. „Wir können nicht warten – es muss gehandelt werden“, stellt Pfarrer Thomas Ijewski klar.

Durch Zufall auf die Mängel aufmerksam geworden

Es war ein glücklicher Zufall, der die ev. Kirchengemeinde auf den dringenden Sanierungsbedarf des Gebäudes aufmerksam machte. Vor rund einem Jahr sollte ein Holzgutachter einen Blick auf die Insekten, die hoch oben auf dem Kirchturm ihr Unwesen treiben, werfen. Rasch stellte sich heraus, dass von den Tieren keinerlei Gefahr ausgeht – der Fachmann nahm auf Bitte von Baukirchmeister Matthias Marx aber die feuchten Stellen am Fuße der grünen Holzsäulen genauer unter die Lupe. Das schockierende Ergebnis: Die Säulen sind von innen hohl, im unteren Bereich zudem völlig verfault – der Zahn der Zeit macht eben auch nicht vor der deutschen Eiche halt. „Das ist aktuell das Hauptproblem der Kirche“, meint Thomas Ijewski. Unverzüglich habe man den auf historische Kirchen und Denkmalschutz von Sakralbauten spezialisierten Architekten Christoph Harder aus Hagen um Rat gebeten. Ein Statiker bescheinigte der Kirche die Standsicherheit für die kommenden Jahre, attestierte jedoch ebenfalls dringenden Handlungsbedarf.

Die Hauptarbeiten beginnen im Mai

Ab Mai werden alle sechs Holzsäulen im Innenraum freigelegt, um sie herum eine Holzkonstruktion errichtet, die wiederum mit Stahlstützen auf dem Boden abgefangen wird. So wird die derzeit sehr punktuell wirkende Last auf eine größere Fläche verteilt. Sieben Zentimeter des zerstörten Holzes werden abgesägt und durch ein Steinfundament ersetzt. „So verhindern wir, dass weiter Feuchtigkeit von unten aus dem Erdreich hochsteigt und erhalten die Kirche für die nachkommenden Generationen“, zeigt sich Ijewski von der komplexen Maßnahme überzeugt. Im Zuge der Arbeiten müsse die Kirche ausgeräumt, die Orgel gut eingepackt und nach Abschluss des Projektes sorgfältig gereinigt werden. Die Wand im hinteren Bereich des Innenraums wird durch eine Drainage trockengelegt und im Anschluss neu verputzt und gestrichen. Darüber hinaus werden kleinere Arbeiten – etwa die Kittung von Rissen in den Säulen und im Mobiliar, das zudem frische Farbe erhalten soll – gleich in einem „Aufwasch“ mit erledigt. „Wir machen all die Dinge, die uns schon länger stören“, fasst es Pfarrer Ijewski zusammen.

Probleme auch mit der Balkenkonstruktion

Eine Etage höher kamen weitere Probleme ans Tageslicht: Einige der so stabil wirkenden Dachbalken sind vom „Holzwurm“ befallen. Den kleinen Käfern wird bald mit dem schonenden Mirkowellenverfahren zu Leibe gerückt – das Holz wird erwärmt und die Insekten dadurch abgetötet. Bewusst habe man sich gegen den Einsatz von chemischen Mitteln entschieden, stellt Ijewski klar. So können die Balken zwar erhalten werden, müssen aber dennoch durch eine neue Konstruktion auf dem Dachboden zusätzlich stabilisiert werden. Die Kirche wird in diesem Zuge komplett eingerüstet und das Dach für diese Arbeiten ein Stück weit geöffnet. So steht dem Gotteshaus ein echtes Mammutprojekt bevor – lediglich hinter den Punkt „elektrische Leitungen“ konnten die Planer schon einen Haken machen. Die waren buchstäblich in einem brandgefährlichen Zustand (Ijewski: „Nach dem schrecklichen Brand in Notre-Dame haben wir das sofort umgesetzt“) und wurden bereits erneuert.

Kosten von 644 000 Euro

Insgesamt summieren sich die Arbeiten, die jederzeit eng mit den Denkmalschutz-Experten abgestimmt werden, auf den stolzen Gesamtbetrag von 644 000 Euro, hinzu kommen 43 000 Euro für die Planungsphase (Gutachten, statische Prüfungen, bauhistorische Untersuchung, Architektenhonorar). Vorsorglich wird ein Puffer eingerechnet, sodass unter dem Strich 750 000 Euro stehen – aufgeteilt in einen Topf mit Maßnahmen, die durch Fördergelder zumindest teilweise wieder reingeholt werden können (542 000 Euro), und ein Bündel von Arbeiten, für die die Kirchengemeinde eigenständig aufkommen muss (102 000 Euro). „Uns wurde ausdrücklich bescheinigt, dass unsere Kirche ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung ist“, meint Pfarrer Thomas Ijewski. Immerhin handele es sich um das älteste reformierte Kirchengebäude in ganz Westfalen, auch die vielen Touristen aus der ganzen Welt hätten das Gebäude längst als lohnenswertes Besichtigungsobjekt für sich entdeckt.

Ambitionierte Spendensumme avisiert

Insgesamt soll ein großer Teil der Kosten durch Denkmalförderung der öffentlichen Hand (Stadt, Land, Bund) übernommen werden, zudem sitzen einige Stiftungen ebenso wie der ev. Kirchenkreis Siegen als Geldgeber mit im Boot. Der Kirchengemeinde selbst stehen nach eigener Aussage Rücklagen zur Verfügung. Dennoch: Ohne eine finanzielle Beteiligung der Gemeindemitglieder – also private Spenden – wird das Projekt nicht umzusetzen sein. Als Ziel wurde die stolze Summe von 100 000 Euro (Spendenkonto: ev. Kirchengemeinde Freudenberg, Sparkasse Siegen, IBAN: DE68 4605 0001 0070 0022 25) veranschlagt. Auf verschiedene Weisen können die Menschen helfen, etwa durch den Kauf einer Flasche „Flecker Kirchenwein“. Die avisierte Spendensumme ist dennoch ambitioniert, daraus macht auch Thomas Ijewski keinen Hehl: „Wir vertrauen darauf, dass den Freudenbergern unsere Kirche auch etwas wert ist.“

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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