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Nachtclubs in Zeiten von Corona
Ox derzeit keine Disco, aber eine Bar

So ziehen sich die abgetrennten Lounges durch den ganzen Bar-Bereich. René Hellwig, Carolina Pfeifer und Gero Euteneuer (v. l.) sind in ihrem Spuckschutz-Séparée „happy“ über – zumindest ein bisschen – Nachtclub-Normalität.
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  • So ziehen sich die abgetrennten Lounges durch den ganzen Bar-Bereich. René Hellwig, Carolina Pfeifer und Gero Euteneuer (v. l.) sind in ihrem Spuckschutz-Séparée „happy“ über – zumindest ein bisschen – Nachtclub-Normalität.
  • Foto: Sarah Benscheidt
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

sabe Freudenberg.  Es liegt was in der Luft. Dumpfe Bässe, Vorfreude, Unsicherheit. Das erste Mal nach über fünf Monaten Pause durften in die Freudenberger Discothek „Ox“ 150 Gäste rein. „Für mich fühlt sich das an wie eine Neueröffnung“, sagt Nachtclubbetreiber Karl Quante, den die SZ am Eingang des beliebten Nachtschuppens trifft. „Fragen über Fragen“, sagt er und beobachtet, wie langsam (aber sicher) die ersten Gäste eintrudeln.
Der Blick auf die Uhr nimmt den ersten Anflug von Nervosität. Um 21.45 Uhr sind die – in mühevollster Genauigkeit und so schick wie eben möglich – aufgebauten Spuckschutz-Séparées noch überwiegend leer. „Eigentlich sind wir ausgebucht“, sagt Quante. Die Gäste glaubt er, hätten noch nicht auf Barbetrieb umgestellt.

sabe Freudenberg.  Es liegt was in der Luft. Dumpfe Bässe, Vorfreude, Unsicherheit. Das erste Mal nach über fünf Monaten Pause durften in die Freudenberger Discothek „Ox“ 150 Gäste rein. „Für mich fühlt sich das an wie eine Neueröffnung“, sagt Nachtclubbetreiber Karl Quante, den die SZ am Eingang des beliebten Nachtschuppens trifft. „Fragen über Fragen“, sagt er und beobachtet, wie langsam (aber sicher) die ersten Gäste eintrudeln.
Der Blick auf die Uhr nimmt den ersten Anflug von Nervosität. Um 21.45 Uhr sind die – in mühevollster Genauigkeit und so schick wie eben möglich – aufgebauten Spuckschutz-Séparées noch überwiegend leer. „Eigentlich sind wir ausgebucht“, sagt Quante. Die Gäste glaubt er, hätten noch nicht auf Barbetrieb umgestellt. „Die kommen noch zur Disco-Zeit“, sagt er, auch ein bisschen zu sich selbst. Quante soll recht behalten. Um 23.40 Uhr sind fast alle gebuchten Tische besetzt. Die Großraumdisco mit 2800 Quadratmetern ist ausgebucht. Bei 150 Gästen.

Probe im Ox: Disco unter Corona-Bedingungen

Der Geschäftsführer und sein Team proben in der Nacht zum Sonntag Disco unter Corona-Bedingungen. Der größte Unterschied: Es gibt keine Tanzfläche. Stattdessen müssen sich die Gäste in Lounges aufhalten – in festen Gruppen mit hohen Plexiglasabtrennungen um sich herum. In den gesonderten Bereichen können die Masken abgenommen werden, ansonsten gilt eine strenge Maskenpflicht. Musikwünsche oder Getränkebestellungen passieren über eine App, die Barkeeper bringen Cocktails und Co. an die Tische, klassisch über den Tresen geht hier nichts. „Wir haben extra drei Leute abgestellt, die hier die ganze Zeit mit Desinfektion und Sprühflasche unterwegs sind“, sagt Quante.
Dass heute also in den aufgehübschten Räumen der Kultdisco – der Nachtclubbesitzer hat in den letzten Monaten ordentlich umgebaut – gar kein richtiger Disco- als vielmehr ein Bar-Betrieb stattfindet, tut der Stimmung keinen Abbruch. Je später die Stunde, umso bequemer wird die neue Situation für Gäste und Team. In den kleinen Boxen wird gelacht, sogar getanzt. Die tiefen Beats von DJ Dragonfly multiplizieren Bewegungsdrang. Dass das nicht in gewohnter Manier auf der Tanzfläche geht, scheint nicht zu stören. Die Anspannung löst sich, die Unbeschwertheit kommt, die Unvorsichtigkeit aber bleibt aus. „Wir sind das Antidepressivum“, sagt der eigentlich 52- aber im Kopf 30-jährige Clubbesitzer mit Blick auf das gelöste Publikum mit Corona-konformer Feierlaune.

Vor Mai denkt Ox-Besitzer nicht an normalen Discothekenbetrieb

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass es wirklich so gut funktioniert“, zieht er ein erstes Fazit in Bezug auf das Einhalten der Hygienemaßnahmen. „Ich glaube, das ist einfach jetzt bei vielen drin und gar nicht mehr komisch. Mittlerweile kann ich mir sogar vorstellen, dass Tanzen mit Maske möglich ist. Warum nicht?“  Das bleibt allerdings erstmal Wunschdenken. Offene Tanzflächen – ob nun mit oder ohne Mundschutz – stehen bisher nicht zur Debatte. Vor Mai oder Juli nächsten Jahres, so glaubt Quante, könne man nicht an normalen Discothekenbetrieb denken.
Es ist eine persönliche Einschätzung, ein Bauchgefühl. Von der Politik kommen bisher wenige Signal, wann und wie es für eine ganze Branche weitergehen soll. Quante wünscht sich – wie rund 7000 andere Branchenvertreter, die Anfang September an der Demo „Alarmstufe Rot“ in Berlin teilnahmen – mehr Rückhalt, mehr Information und mehr Ideen, „wie es weitergehen soll, bei fast völligem Umsatzausfall, aber dem Weiterlaufen von Miete, Gehältern und Co.“ Man wisse gar nichts, werde komplett im Dunklen gelassen.

DJ Dragonfly tritt im Ox auf

Der aktuelle Start des Barbetriebs stelle in dieser Situation nur einen Tropfen auf den heißen Stein dar. „Wir machen das hier, um nicht in Vergessenheit zu geraten, um unseren Stammgästen etwas zurückzugeben.“ Das Herunterfallen einer ganzen Branche aus dem Corona-Konzept – für Quante und Kollegen schwer zu begreifen: „Wir sind in Deutschland der sechstgrößte Wirtschaftszweig“, so der Ruhrpottler mit fast zwanzigjähriger Szeneerfahrung.
Und mehr als das. Beim Gespräch mit verschiedenenen Akteuren der Nachtszene, schwingt etwas mit, das noch neben der Argumentation des Wirtschaftlichen verläuft. „Ich bin so froh, heute hier zu sein“, sagt Jimmy Banks aka DJ Dragonfly. „Ich hab’ mich wie im Knast gefühlt“, sagt er, nur halb scherzend. Ähnliche Euphorie bei Barkeeper André Schellenberger: „Wir sind so froh. Für unseren Chef, unser ganzes Team, das jetzt zumindest etwas passiert. Hier steckt soviel Herzblut drin. Der Mehraufwand, den wir dafür leisten müssen, ist mir ganz egal. Hauptsache Musik, Hauptsache Menschen, Hauptsache Leben hier drin.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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