Gesamtschule Freudenberg
Regenbogen-Fahne angezündet

Schulleiter Reto Stein ist fassungslos, dass Schüler der Gesamtschule Freudenberg Freude daran hatten, dass eine Regenbogenfahne angezündet wurde. Der Sachschaden ist gering - die Wellen aber schlagen hoch.
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  • Schulleiter Reto Stein ist fassungslos, dass Schüler der Gesamtschule Freudenberg Freude daran hatten, dass eine Regenbogenfahne angezündet wurde. Der Sachschaden ist gering - die Wellen aber schlagen hoch.
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nja Freudenberg. Zeichen setzen, Flagge zeigen, auch im übertragenen Sinn: Mit einer Regenbogen-Fahne wollte am Mittwoch eine Freudenberger Gesamtschülerin ihre Solidarität mit Schwulen, Lesben und Transsexuellen zum Ausdruck bringen. Am Tag, als die deutsche Nationalelf bei der Fußball-EM in München gegen Ungarn antrat und die Allianz-Arena nicht in Regenbogenfarben erstrahlen durfte.

Die friedliche Protestaktion der 14-Jährigen  gegen das ungarische Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen mit Blick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt, schlägt hohe Wellen, denn: Mitschüler entrissen dem Mädchen die Fahne und zündeten diese an. In der Pause. Auf dem Schulhof. Schulleiter Reto Stein ist fassungslos – und entschied recht schnell, über diesen Vorfall keinen Deckmantel des Schweigens zu legen. Erschwerend kam nämlich hinzu, wie er auf der Schulhomepage schrieb: „Eine jubelnde Menge von Schülern hat sich um die brennende Fahne versammelt und dies sogar noch gefilmt.“

An der Gesamtschule ist kein Platz für Intoleranz

Das Verbrennen einer Fahne habe das Kollegium fassungslos gemacht, so Stein weiter: „Wir glauben nicht, dass es klug wäre, solche Vorfälle zu verschweigen. Nur wenn wir darüber sprechen, können wir Fehlverhalten unserer Schülerinnen und Schüler zukünftig verhindern. Wir verurteilen das gezeigte Verhalten aufs Schärfste. Wir sind enttäuscht, dass Schüler unserer Schule so handeln. Dies ist nicht das, wofür die Gesamtschule Freudenberg eintritt. An unserer Schule ist kein Platz für Intoleranz und für Gewalt. An unserer Schule sind alle Menschen willkommen, egal welcher Herkunft oder sexuellen Orientierung.“ Die Aufklärungs- und Präventionsarbeit werde nun ausgebaut.

Schülersprecherin Ally Bäumer, Bürgermeisterin Nicole Reschke und Schulleiter Reto Stein (v.l.) setzen Zeichen für Vielfalt und Toleranz.
  • Schülersprecherin Ally Bäumer, Bürgermeisterin Nicole Reschke und Schulleiter Reto Stein (v.l.) setzen Zeichen für Vielfalt und Toleranz.
  • Foto: Stadt Freudenberg
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Der Schulleiter betont im SZ-Gespräch aber auch: „99 Prozent unserer Schüler verurteilen, was geschehen ist!“ Es wurde rasch gehandelt: Drei Schüler im Alter von 14 bzw. 15 Jahren wurde sofort zu einem Gespräch und anschließend nach Hause geschickt: Sie wurden also zunächst einmal vom Unterricht ausgeschlossen. Nun wird diskutiert, welche weiteren schulischen Maßnahmen anberaumt werden. Warum wurde die Fahne angezündet – und woher rührt die Freude daran? Auf diese Fragen gibt es bislang keine Antworten. Stein: „Die Schüler waren nicht in der Lage, ihre Motivation zu erklären.“ Die Fahne konnte übrigens vor dem vollständigen Verbrennen noch gerettet werden und befindet sich nun im Chefzimmer.

Aufklärungsarbeit wird intensiviert

„Unsere Gesamtschule steht für eine offene Gesellschaft. Wir haben eine klare Haltung, stehen für Toleranz und Vielfalt“: Mit deutlichen Worten und einem sichtbaren Zeichen reagierten Freudenbergs Bürgermeisterin Nicole Reschke, Reto Stein und Schülersprecherin Ally Bäumer am Donnerstag gemeinsam. Stellvertretend für den Schulträger, die Schulleitung, das Lehrerkollegium und die Schülerschaft brachten sie im Schulzentrum eine Regenbogen-Fahne an.

In der Mittagspause werden Buttons in Regenbogen-Fahnen hergestellt und verteilt, es finden viele Gespräche in den Klassen statt, die Aufklärungs- und Präventionsarbeit wird fortgesetzt und intensiviert. „Wir werden Kontakt zum Verein Schlau e.V. aufnehmen und wollen nach den Sommerferien mit Workshops unsere Aufklärungsarbeit weiter intensivieren“, sagt Reto Stein. Schülersprecherin Ally Bäumer betont: „An unserer Schule werden alle Schülerinnen und Schüler akzeptiert, egal welche sexuelle Orientierung sie haben. Jede/Jeder sollte in dieser Gesellschaft so angenommen werden wie er/sie ist. Wir sind eine Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, das kann uns keiner nehmen.“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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