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Ansichten der Pfarrer Oliver Günther und Herbert Scheckel
Sind Präsenzgottesdienste richtig?

Sollen Präsenzgottesdienste unter Berücksichtigung aller Corona-Regeln stattfinden dürfen - oder sollte man darauf komplett verzichten? Die Akteure vertreten in der Frage, ob die Kirchen an Weihnachten leer bleiben sollen oder nicht, durchaus unterschiedliche Auffassungen.
  • Sollen Präsenzgottesdienste unter Berücksichtigung aller Corona-Regeln stattfinden dürfen - oder sollte man darauf komplett verzichten? Die Akteure vertreten in der Frage, ob die Kirchen an Weihnachten leer bleiben sollen oder nicht, durchaus unterschiedliche Auffassungen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

dach/bjö Oberholzklau/Hilchenbach. Eines schickt Oliver Günther vorweg: „Völlig in Ordnung“ sei es, dass die ev. Gemeinde Ferndorf – wie berichtet – daran festhalte, an Heiligabend einen Präsenzgottesdienst zu feiern. Indes möchte der Pfarrer der ev.-reformierten Kirchengemeinde Oberholzklau noch einmal deutlich machen, warum (fast) alle anderen Gemeinden auf die Online-Variante setzen – und dies keinesfalls eine leichte Entscheidung war.
„Ich verstehe das große Bedürfnis, an Weihnachten zusammenzukommen“, sagt Günther und verweist dabei auf den ersten Lockdown. Zur „Prime-Time“, also an Karfreitag und Ostern, waren auch Gottesdienste verboten worden. „Darauf waren wir nicht vorbereitet.

dach/bjö Oberholzklau/Hilchenbach. Eines schickt Oliver Günther vorweg: „Völlig in Ordnung“ sei es, dass die ev. Gemeinde Ferndorf – wie berichtet – daran festhalte, an Heiligabend einen Präsenzgottesdienst zu feiern. Indes möchte der Pfarrer der ev.-reformierten Kirchengemeinde Oberholzklau noch einmal deutlich machen, warum (fast) alle anderen Gemeinden auf die Online-Variante setzen – und dies keinesfalls eine leichte Entscheidung war.
„Ich verstehe das große Bedürfnis, an Weihnachten zusammenzukommen“, sagt Günther und verweist dabei auf den ersten Lockdown. Zur „Prime-Time“, also an Karfreitag und Ostern, waren auch Gottesdienste verboten worden. „Darauf waren wir nicht vorbereitet.“ Das war zum Fest der Liebe eigentlich anders: Bereits im September habe man in seiner Gemeinde über eine Alternative zu den klassischen Gottesdiensten an Heiligabend nachgedacht. Ein Open-air sollte es sein, auf dem Alchener Sportplatz, eine Feier mit bis zu 400 Menschen unter Einbindung verschiedener Akteure. Und dafür sei die Begeisterung auch wirklich groß gewesen.

"Unsere Aufgabe ist es, Leben zu schützen"

Umso frustrierender war dann die Einsicht – bereits im Oktober –, als die Infektionszahlen wieder nach oben schossen, dass dieses Vorhaben „keinen Sinn macht“ (das Open-air soll aber 2021 nachgeholt werden). Also einen neuen Plan schmieden: Möglichst dezentral zusammenkommen, lautete die Devise. Doch dann kam der dringliche Appell der Landeskirche, auf Präsenzgottesdienste komplett zu verzichten, sowie die Einsicht: „Das Risiko ist zu groß.“ Ihm leuchte das Argument ein, so der Pfarrer, dass „es jetzt unsere Aufgabe ist, Leben zu schützen“. Also werden nun in seiner Gemeinde die Kameras angeworfen und an Heiligabend ein Gottesdienst live im Internet übertragen. Zusätzlich gibt es einen Film für Kinder und Familien, beides zu erreichen über die Internetseite oberholzklau.kirchenkreis-siegen.de/.
Zumal Oliver Günther auch die Auffassung vertritt, Kirche sollte sich demütiger verhalten. „Wir sind nicht diejenigen, die Weihnachten retten.“ Denn dies wäre aus theologischer Sicht eher eine Überschätzung. Und: „Es ist eine besondere Situation, die besondere Entscheidungen rechtfertigt.“ Dabei gelte es, den Kern der Weihnachtsbotschaft nicht außer Acht zu lassen.

Herbert Scheckel hält kompletten Verzicht auf Gottesdienste für falsch

Dass die evangelische Glaubensgemeinschaft aber durchaus vielfältig ist, zeigt das Beispiel der ev.-reformierten Kirchengemeinde Hilchenbach. Hier hat man zwar den ursprünglich geplanten Open-air-Gottesdienst auf dem Marktplatz sowie die offizielle Ersatzlösung im eigenen Gotteshaus abgesagt. Gemeindepfarrer Herbert Scheckel selbst vertritt aber eine andere Auffassung.
Scheckel musste sich im Kreise des Presbyteriums der mehrheitlichen Entscheidung gegen Präsenzgottesdienste unterordnen, hält aber mit deutlicher Kritik nicht hinter dem Berg: Nach Monaten sorgsam ausgearbeiteter und praktizierter Schutzmaßnahmen in den eigenen Kirchen nun auf sämtliche Gottesdienste zu verzichten, sei „im Prinzip so etwas wie ein Misstrauensvotum gegenüber unseren Hygienekonzepten. Ich glaube, das ist etwas, was wir nicht tun sollten – Gottesdienste aufgeben.“ Die ev. Kirche in Hilchenbach werde jedenfalls auch Heiligabend und Silvester geöffnet sein.

Die Glocken der Kirche schweigen

Und er deutet weiter an, dass die Gemeinde mögliche Besucher nicht allein lasse: „Die Musik und die Geistlichen haben sich verabredet, immer wieder da zu sein – wir werden die Andachten für uns feiern. Und wenn jemand da ist, soll uns das recht sein und wir werden uns zufällig treffen.“ Mit der indirekten Einladung zu kleinen Andachten würde die Gemeinde den Beschluss nicht unterlaufen, „aber wir werden rausholen, was drin ist. Ich habe jedenfalls nicht vor, am Weihnachtsfest zu Hause zu bleiben“, so Scheckel.
Die Glocken der Kirchen würden allerdings schweigen, denn die bedeuteten eine Einladung zum Gottesdienst. Herbert Scheckel spitzt seinen Unmut mit einem Bild zu: „Eigentlich müssten wir die Totenglocke anstellen, weil wir die Gottesdienste begraben.“

Viele Gottesdienste per Livestream Der erneute Corona-Lockdown hat in den vergangenen Tagen das Programm für die Heiligabend- und und Weihnachtsgottesdienste kräftig durcheinandergewirbelt. Die meisten ev. Gemeinden sagten ihre Präsenzgottesdienste ab, auch in vielen katholischen Kirchen finden keine Präsenzgottesdienste statt. In den vergangenenen Tagen erreichen die Siegener Zeitung aber zahlreiche Mitteilungen, wie die Gottesdienste Corona-bedingt gestaltet werden. Viele Gottesdienste werden per Livestream übertragen, einige Orte wollen nicht auf den traditionsreichen Heiligabend-Präsenzgottesdienst verzichten. In der Kürze der Zeit ist es leider nicht möglich, alle Änderungswünsche zu berücksichtigen. Wer wissen will, welche Gottesdienste in welcher Form über die Weihnachtsfeiertage in seiner Kirchengemeinde geplant ist, sollte sich auf der jeweiligen Homepage seiner Gemeinde informieren.
Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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