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Backesfest-Unglück Alchen
Staatsanwaltschaft beschuldigt Vorstandsmitglied

Mit welch enormer Wucht die Bratpfannen-Eigenkonstruktion am 8. September 2019 explodierte, verdeutlicht dieses Foto. Zwei Frauen starben wenig später.
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  • Mit welch enormer Wucht die Bratpfannen-Eigenkonstruktion am 8. September 2019 explodierte, verdeutlicht dieses Foto. Zwei Frauen starben wenig später.
  • Foto: tom (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Alchen. Diese Nachricht wird hohe Wellen schlagen, im Siegerland und weit darüber hinaus. Wochenlang hatten die Protagonisten nach dem schrecklichen Backesfest-Unglück in Alchen gehofft und gebangt, nun herrscht erst einmal traurige Gewissheit. Nach exklusiven Informationen der Siegener Zeitung beschuldigt die Staatsanwaltschaft  ein Vorstandsmitglied des örtlichen Heimat- und Verschönerungsvereins, für das Geschehen mitverantwortlich zu sein. Offenbar geht es um den Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung. Am Dienstagmorgen folgte die offizielle Bestätigung von Staatsanwaltschaft und Kreispolizeibehörde.
Ein Damoklesschwert über AlchenEin Blick zurück: Am 8. September 2019 kam es bekanntlich im Rahmen des beliebten Backesfestes zu einem schrecklichen Unfall.

cs Alchen. Diese Nachricht wird hohe Wellen schlagen, im Siegerland und weit darüber hinaus. Wochenlang hatten die Protagonisten nach dem schrecklichen Backesfest-Unglück in Alchen gehofft und gebangt, nun herrscht erst einmal traurige Gewissheit. Nach exklusiven Informationen der Siegener Zeitung beschuldigt die Staatsanwaltschaft  ein Vorstandsmitglied des örtlichen Heimat- und Verschönerungsvereins, für das Geschehen mitverantwortlich zu sein. Offenbar geht es um den Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung. Am Dienstagmorgen folgte die offizielle Bestätigung von Staatsanwaltschaft und Kreispolizeibehörde.

Ein Damoklesschwert über Alchen

Ein Blick zurück: Am 8. September 2019 kam es bekanntlich im Rahmen des beliebten Backesfestes zu einem schrecklichen Unfall. Eine Bratpfannen-Konstruktion explodierte, zahlreiche Besucher der bis dahin fröhlichen Veranstaltung trugen schwerste Brandverwundungen davon. Zwei Frauen, eine 67-Jährige und ihre 31 Jahre alte Tochter, erlagen später ihren schlimmen Verletzungen (die gesamte Berichterstattung zur Thematik finden Sie hier). Nur ganz langsam erholten sich die Menschen im Freudenberger Ortsteil von den Folgen dieser furchtbaren Tragödie.
Und seit Monaten schwebten die möglichen juristischen Folgen wie ein Damoklesschwert über Alchen. Durch Gutachten sollte geklärt werden, ob die Explosion auf einen Materialfehler oder eine fehlerhafte Bedienung der Eigenkonstruktion zurückzuführen ist. Offenbar ist die Staatsanwaltschaft nach vielen Monaten zu der Überzeugung gelangt, dass tatsächlich eine Einzelperson für das Unglück verantwortlich gemacht werden kann.

Druckventile wurden nicht geöffnet

Nach SZ-Informationen geht es dabei um ein Vorstandsmitglied des Heimatvereins, das an jenem verhängnisvollen Tag im Spätsommer 2019 für die Arbeit an dem Bräter zuständig war. Zur Erklärung: Zwischen der Innenpfanne der Eigenkonstruktion, auf der die Kartoffeln braten sollten, und der Außenpfanne befand sich ein mit Öl gefüllter Zwischenraum. Die Hitze der darunter lodernden Flamme der Gasflasche sollte so gleichmäßig in der Pfanne verteilt werden. Stattdessen kam es zur Katastrophe: Die Pfanne platzte auf, das Öl tropfte in Richtung der Pfanne – so wurde die Explosion ausgelöst.
Die Gutachten kommen nach SZ-Recherchen zu dem Schluss, dass das Öl in dem Zwischenraum nach vielen Jahren nicht mehr die erforderlichen qualitativen Eigenschaften aufgewiesen hatte. Der Siedepunkt lag demnach tiefer als üblich, sodass sich die Flüssigkeit viel zu schnell ausgedehnt hatte. Außerdem war die Konstruktion mit Druckventilen ausgestattet, die ihren Dienst jedoch nicht mehr taten. Offen ist, ob diese nicht geöffnet worden sind oder durch Materialverschleiß schlicht „verstopft“ gewesen sind.

Dunkle Wolke wird sich so schnell nicht verziehen

Nun steht fest, dass tatsächlich Anklage erhoben wird. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hieß es seitens der Staatsanwaltschaft, dass die Ergebnisse der Gutachten Mitte oder Ende Januar vorliegen würden. Kurz vor Weihnachten war bekanntgeworden, dass ein zweites Hauptgutachten in Auftrag gegeben wurde. Auf regelmäßige Nachfragen der SZ wurde stets auf die sehr umfangreiche Begutachtung verwiesen.

Das Bangen in Alchen geht weiter

Dann hieß es, das Gutachterbüro sei enorm ausgelastet, ab Mitte März wurden die Folgen der Corona-Pandemie zu bedenken gegeben. So verstrich Woche um Woche, und das Bangen für die Menschen in Alchen zog sich endlos in die Länge.
„Das schwebt wie eine dunkle Wolke über dem Verein und belastet uns alle sehr“, sagte Martin Lucke, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins im Dezember.
Nun herrscht Klarheit, dass sich diese dunkle Wolke über Alchen nicht so schnell verziehen wird.

Anmerkung der Redaktion: Am Montagabend berichtete die Siegener Zeitung exklusiv, dass die Staatsanwaltschaft Siegen Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen ein Vorstandsmitglied des Heimat- und Verschönerungsvereins erheben werde. Am Dienstagvormittag teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit, dass der Mann im Ermittlungsverfahren zunächst als Beschuldigter geführt werde. Hier hat er zunächst die Möglichkeit, zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung Stellung zu nehmen und ggf. einzelne entlastende Beweiserhebungen zu beantragen. Oberstaatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss erklärte auf Anfrage der SZ, dass es nicht zwingend zu einer öffentlichen Anklage kommen müsse; es könne etwa auch sein, dass das Verfahren gegen Auflagen (Strafbefehlsverfahren) eingestellt werde. Es liege keine abschließende Entscheidung seitens der Staatsanwaltschaft vor.

Hier lesen Sie bemerkenswert offene Stellungnahmen von Heimatverein-Vorsitzendem Martin Lucke und Pfarrer Oliver Günther

Hier lesen Sie einen Kommentar zur Entscheidung der Staatsanwaltschaft.

Hier lesen Sie die Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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