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Grundstücke wohl kleiner als gedacht
Stadt zeigt Grenzen auf

Ein Teil der Hausecke (links) und fast die Hälfte der Garage gehören nicht mehr zum Grundstück der Schardts – der weiße Zaun, der laut der Plittershagener schon beim Kauf stand, bildet eine Grenze, die es so gar nicht gibt.
  • Ein Teil der Hausecke (links) und fast die Hälfte der Garage gehören nicht mehr zum Grundstück der Schardts – der weiße Zaun, der laut der Plittershagener schon beim Kauf stand, bildet eine Grenze, die es so gar nicht gibt.
  • Foto: Sonja Schweisfurth
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sos Plittershagen/Oberfischbach. Der Kauf des eigenen Hauses ist sicher immer ein besonderes Erlebnis: neue Nachbarn, vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und oftmals auch mehr Platz als zuvor. Jahr für Jahr entwickelt sich das Haus dann weiter, Terrasse und Garten nehmen Form an. So auch bei Heike und Matthias Schardt aus Plittershagen. 2016 sind sie in ihr Eigenheim eingezogen, im Moment bauen sie draußen eine Überdachung. „Und dann kommt die Stadt plötzlich und sagt, dass Teile von dem Grundstück gar nicht uns gehören“, wundert sich Heike Schardt. Sowohl ein Stück der Garage als auch ein Bereich des Parkplatzes und eine kleine Ecke des Hauses selbst seien laut Plan Eigentum der Stadt Freudenberg. „Die Stadt hat gesagt, sie überprüft das jetzt überall.

sos Plittershagen/Oberfischbach. Der Kauf des eigenen Hauses ist sicher immer ein besonderes Erlebnis: neue Nachbarn, vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und oftmals auch mehr Platz als zuvor. Jahr für Jahr entwickelt sich das Haus dann weiter, Terrasse und Garten nehmen Form an. So auch bei Heike und Matthias Schardt aus Plittershagen. 2016 sind sie in ihr Eigenheim eingezogen, im Moment bauen sie draußen eine Überdachung. „Und dann kommt die Stadt plötzlich und sagt, dass Teile von dem Grundstück gar nicht uns gehören“, wundert sich Heike Schardt. Sowohl ein Stück der Garage als auch ein Bereich des Parkplatzes und eine kleine Ecke des Hauses selbst seien laut Plan Eigentum der Stadt Freudenberg. „Die Stadt hat gesagt, sie überprüft das jetzt überall.“

"Das war in keinen Plänen ersichtlich"

Ähnliches erlebt Björn Dolge derzeit. Vor 17 Jahren hat er ein Eckgrundstück in Oberfischbach gekauft, insgesamt rund 300 Quadratmeter. „80 Quadratmeter gehören offenbar aber nicht uns, das war in keinen Plänen ersichtlich“, sagt er. 2002 sei er selbst beim Bauamt gewesen und habe sich alles angeschaut. Aufgefallen sei der Irrtum, als er einen Mitarbeiter der Verwaltung gebeten habe, sich vor Ort einen Schaden an seiner Hecke anzuschauen – diese sei bei Straßenbaumaßnahmen in Mitleidenschaft gezogen worden.

Reschke: "Nehmen zu Nutzern Kontakt auf"

Bürgermeisterin Nicole Reschke erklärt auf Nachfrage: „In den Fällen, in denen im laufenden Geschäftsgang (z. B. aufgrund von Straßenkontrollen, Straßenvermessung, Verkauf, Beschwerden usw.) festgestellt wird, dass diese städtischen Flächen durch Anlieger für private Zwecke genutzt werden (Gartenanlagen, Hecken, Terrassen, Parkplätze/Carports/Garagen usw.), ohne dass vertragliche Regelungen z. B. zur Verkehrssicherungspflicht getroffen wurden, nehmen wir zu den Nutzern Kontakt auf.“

Anwohner können Flächen pachten oder kaufen

Zwei Möglichkeiten gibt es für die betroffenen Anwohner: „Die Stadt Freudenberg bietet den Nutzern dieser Flächen in der Regel die Anpachtung zu sehr günstigen Konditionen oder, falls die Flächen dauerhaft nicht für öffentliche Zwecke benötigt werden, auch zum Ankauf an“, heißt es weiter aus dem Rathaus. Unwahrscheinlich ist wohl, dass die jeweiligen Familien die Flächen so einfach aufgeben: Beide haben schon viel Arbeit investiert, sei es Björn Dolge, der seinen Garten in Eigenleistung hergerichtet hat, oder Matthias Schardt, der unter anderem vor nicht allzu langer Zeit einen Zaun gebaut hat. Bei Heike und Matthias Schardt lag der Pachtvertrag schon im Briefkasten, 30 Euro sollen sie im Jahr zahlen, wobei ihnen nicht ganz klar ist, welche Fläche nun genau gemeint sein soll. „Hier wurde die Quadratmeterzahl nur geschätzt. Wenn wir die Fläche aber kaufen wollen, müssen wir sie vermessen lassen und das auch bezahlen“, so der 49-Jährige. „Bei einer Neuvermessung oder Teilung fallen Vermessungskosten an“, bestätigt Nicole Reschke. Notarkosten und weitere anfallende Kosten (Grundbuchamt, Kataster) seien in der Regel vom Käufer zu tragen. Alles in allem entstünden so sicher Kosten über 3000 Euro, schätzt Matthias Schardt.

Zaun war stets ein klares Indiz für die Grenze

Der Mann, der ihnen das Haus vor drei Jahren verkauft hat, lebe inzwischen nicht mehr, und die Erbengemeinschaft sei nicht zu erreichen. Dementsprechend können die beiden niemanden fragen, ob der vorherige Eigentümer die genauen Grenzen kannte – und sie ihnen trotzdem nicht mitgeteilt hat. Vor allem der weiße Zaun, der schon beim Einzug gestanden habe, sei für sie immer ein klares Indiz für die Grundstücksgrenze gewesen. Diese aber verläuft offenbar rund 3 Meter weiter innen, also Richtung Haus. Die ganze Angelegenheit sei „suspekt und ärgerlich“, so Heike Schardt. Und ihr Mann vermutet: „Die Stadt ist chronisch pleite und kratzt jetzt die Pfennige zusammen.“

Ehepaar Schardt kontaktiert Rechtsanwalt

Nicole Reschke betont, dass die Stadt selbst üblicherweise „keine exakten Angaben über private Grundstücksangelegenheiten im Stadtgebiet“ erhalte, sodass der genaue Inhalt von Kaufverträgen oder sonstigen Vereinbarungen nicht bekannt sei. Sie rät: „Der Erwerber eines Grundstücks sollte daher im eigenen Interesse feststellen, was genau er erwirbt, und die Grundstücksgrenzen überprüfen. Die Lage von Grundstücken und der aufstehenden Gebäude ergibt sich aus den Verträgen beigefügten Lageplänen.“ Das Ehepaar Schardt möchte sich nun zunächst von einem Anwalt beraten lassen; Björn Dolge wartet noch das Angebot der Stadt ab. „Wir wissen gar nicht, was auf uns zukommt.“
Bleibt abzuwarten, wie viele Freudenberger in den kommenden Wochen und Monaten noch Post von der Stadt erhalten und in diesem Zusammenhang „neue“ Grundstücksgrenzen aufgezeigt bekommen.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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