Steinmetz sieht guten Ruf in Gefahr

Grabsteinpfändung: Handwerker wehrt sich gegen Image des »rücksichtslosen Pfänders«

ruth/matz Freudenberg. In ein völlig falsches Licht gerückt sieht sich der von der Grabsteinpfändung betroffene Steinmetzmeister. Er ließ jetzt durch seine Anwältin klarstellen, was wirklich in Sachen »Pfändung« gelaufen ist. Gegen das Image, Steinmetze seien pfändungswütige Geschäftsleute, die ohne Rücksicht auf Schicksalsschläge betroffener Menschen ihr Geld eintreiben lassen, will er sich jetzt mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln wehren.

»Die Pfändung war der absolut letzte Schritt in einer lange Reihe von Versuchen, mit den Betroffenen eine Einigung zu erzielen«, betont die Anwältin. Der Reihe nach. Bevor es zum Kaufvertrag kam, hat besagter Steinmetz den Angehörigen bewusst zwei Angebote unterbreitet: eines für umgerechnet rund 1500 e, das andere für 3758 e – polierter Granit mit eingemeißelter Schrift und Ornament. Am 5. Oktober 2001 wurde das Grabmal aufgestellt und in Rechnung gestellt. Nach fünf Wochen fragte der Handwerker erstmals nach, wo das Geld bleibe. Das wäre bereits unterwegs, wurde ihm versichert. Nach der zweiten Anfrage behaupteten die Hinterbliebenen nun, es habe sich ein »Zahlendreher« bei der Überweisung eingeschlichen. Als der Steinmetzmeister dies nachprüfte und die Bank von nichts wusste, wurde ihm erstmals eröffnet, dass die Gesamtsumme nicht ausgeglichen werden könne. Am 7. November erfolgte eine weitere Mahnung, am 20. November noch eine. Danach wurde ein Ratenzahlungsvertrag mit den Hinterbliebenen vereinbart, der jedoch äußerst schleppend und nur nach telefonischer Aufforderung mit wenigen kleinen Raten bedient wurde. Am 31. Mai 2002 übergab der Steinmetz schließlich den Fall seiner Rechtsanwältin.

Diese forderte die Auftraggeber im Juni abermals zur Zahlung auf und beantragte schließlich einen Mahnbescheid, erhielt darauf aber keine Reaktion. Schließlich beantragte sie einen Vollstreckungsbescheid. Zwei Mal, so die Juristin, wurden ihr Minimalbeträge überwiesen. Ende 2002 werde angeblich eine Versicherung fällig, dann könne man die gesamte Summe bezahlen, ließen sie die Schuldner wissen. Auch daraus wurde nichts, und schließlich wurde die Pfändung des Grabmals beantragt. »Wir haben über acht Monate außergerichtlich versucht, eine Einigung zu erzielen, bis alle Mittel ausgeschöpft waren«, versichert die Anwältin.

Der Steinmetzmeister hat den Stein mittlerweile voll versteuern müssen. Besonders verärgert hat ihn die Äußerung des Obergerichtsvollziehers Franz Wilhelm Schwipp, der von einem Steinmetz erfahren haben will, dass solche gepfändeten Grabsteine geschreddert werden. »Es gibt keine Verschredderung von neuwertigen Grabsteinen. Die Grabmale müssen nur abgeschliffen werden und können mit geringem Abschlag wieder verkauft werden«, so der Handwerksmeister. »Das ist eine infame Unterstellung von Herrn Schwipp, der im Übrigen mit der Preisgabe des betroffenen Friedhofs und seinem Fernsehauftritt auch die Angehörigen ins öffentliche Licht gezerrt hat.«

»Der Steinmetz selbst hat mir gegenüber geäußert, er wolle den Grabstein schreddern«, kontert Schwipp die Vorwürfe auf Anfrage der SZ. Und dass er die Angehörigen ins Licht gezerrt habe, sei völlig falsch. »Die Leute sehen den Kuckuck doch. Und der Name steht auf dem Grabstein. Die Ehrverletzung habe nicht ich begangen, sondern der Richter.«

Die Rechtsanwältin wirft Schwipp massive Verstöße gegen seine Schweigepflicht vor. Er habe mit seiner Weigerung, einen Grabstein zu pfänden, ihm persönlich bekannte Betroffene schützen wollen und damit private Interessen mit seinen Dienstpflichten verquickt. »Das ist nicht wahr«, äußerte sich Schwipp. Das sei auf eine »unglückliche Formulierung« der vorgesetzten Stelle zurückzuführen. »Natürlich sind mir die Leute bekannt. Aber sonst nichts. Es ist ein normales Schuldnerverhältnis.«

In der Öffentlichkeit werde bewusst auf die »Woge der Empörung« gesetzt, argumentiert der Steinmetz weiter. Zwar sei es nicht an der Tagesordnung, dass Grabsteine gepfändet werden, aber es komme vor. Festzuhalten bleibt: »Es handelt sich hier um einen ganz normalen Werksvertrag. Mit seiner Weigerung, den Grabstein zu pfänden, hat Herr Schwipp nicht nur den Betroffenen ganz erheblich geschadet, sondern auch einem ganzen Berufsstand«, resümiert der Handwerker.

Trotz minimaler Rückzahlungen ist der betroffene Steinmetzmeister keinen Schritt weiter gekommen. Die Kosten für Gerichtsvollzieher Schwipp, die Gerichtskosten, die Kosten für seine Anwältin und letztendlich für seine Arbeit bleiben an ihm hängen – 3220,64 e. Bis jetzt. Von dem Ärger ganz abgesehen. Und der gute Ruf, den sich der Steinmetz in den vergangenen zehn Jahren erarbeitet hat, ist ebenfalls angekratzt. Das lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken.

Übrigens ist Obergerichtsvollzieher Schwipp »alle Grabsteine los«. Wie er berichtete, ist »die Pfändung aller Grabanlagen auf einen anderen Gerichtsvollzieher übertragen« worden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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