Discotheken-Betrieb im "Ox" ruht seit einem Jahr
Stille Nacht, traurige Nacht...

Allein im Scheinwerferlicht: Ox-Chef Karl Quante sieht für 2021 keine Chance für das Nachtleben.
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  • Allein im Scheinwerferlicht: Ox-Chef Karl Quante sieht für 2021 keine Chance für das Nachtleben.
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sabe Freudenberg. Theken blitzen im Halbdunkeln zwischen den Lichteffekten auf, gedämpfte Bässe spielen im Hintergrund. „Die Jungs“, wie Ox-Inhaber Karl Quante einige der erschienenen Crew-Mitglieder kumpelhaft nennt, haben zum traurigen Jahrestag alles hochgefahren. Fast fühlt es sich an, wie die Ruhe vor dem Sturm. Dieser Moment, an dem Quante nochmal checkt, ob alles läuft. Funktionieren die Laser? Stehen die Getränke kühl? Sind die Mitarbeiter motiviert?

Es ist dieses verlorene Gefühl, dass er so sehr vermisst. Das nervöse Warten auf die Gäste, die glücklichen Gesichter der Feiernden, die den Abend für ihn zum Erfolg werden lassen. Aber die Tanzfläche bleibt leer. Der Ox-Chef steht allein im Licht.

Weiterhin geschlossen

Seit ziemlich genau 365 Tagen ist die Ox-Discothek in Freudenberg, „die letzte Großraumdisco im Sieger- und Sauerland“ (Tim Scheffel, zuständig fürs Marketing), mittlerweile geschlossen. Zwischenzeitlich gab es Bemühungen im Innenraum, mit gerade mal 150 erlaubten Gästen, Spuckschutz-Separees und Kontaktnachverfolgung, ein bisschen Nachtleben und Normalität zurück zu holen.

Vereinzelt waren Veranstaltungen draußen möglich. Autodisco, Open-Air-Kino – der große Parkplatz vor dem Disco-Eingang war für Quante und sein Team im Sommer 2020 eine Möglichkeit zumindest ein wenig in Bewegung, ein wenig im Gespräch zu bleiben. Um sich gegen die Krise zu stemmen, hat sich das Team also neue Formate einfallen lassen. Obwohl wenig wirtschaftlich und vielmehr den treuen Ox-Fans zuliebe, will der erfahrene Discotheken-Betreiber aus dem Ruhrpott das auch in diesem Jahr beibehalten – soweit es denn möglich ist. „Dafür bräuchten wir eine ähnliche Beschlusslage wie im letzten Sommer.“

Pläne in der Pandemie

Auch sonst zeigt sich das Ox-Team rührig, will weg von „nur“ Disco. Die Pandemie habe zum Umdenken geführt, wie man sich präsentieren wolle, sagt Tim Scheffel. Betriebsfeste, Tagungen, Messen oder Empfänge, zählt er auf, vielleicht wieder Abibälle. Mehr Kultur und Veranstaltung sollen her. Man habe ja den Platz und eine gut funktionierende Lüftungsanlage.

Hoffnung auf Reserve

Der Glaube an die Rückkehr zum normalen Discobetrieb, dem Kerngeschäft, in 2021 allerdings ist aufgebraucht. Open-Air-Festivals eingeschlossen. 2500 bis 3000 Menschen im Durchlauf, Ekstase, enges tanzen, schwitzen, unbeschwert und ohne Abstandsregeln – „wenn man realistisch denkt, ist der Clubbetrieb in diesem Jahr komplett raus“, sagt Quante. Das Erlebte wiederholt sich. Wieder kein Nachtleben, wieder keine Einnahmen, immer noch keinerlei Öffnungsperspektiven.

Allein im Scheinwerferlicht: Ox-Chef Karl Quante sieht für 2021 keine Chance für das Nachtleben.
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Mit den staatlichen Hilfen komme man so hin, dass es „gerade passt.“ Trotzdem hat die Hoffnung des 52-Jährigen noch Reserve – wenn sie auch von einer Strategie zehrt, die auf Aussitzen setzt. Die Rettung zurück zum Rave sieht er in den Impfungen. Sobald die Bevölkerung flächendeckend geimpft sei, glaubt er, könnten die Bässe wieder wummern. Obwohl er das momentane Impftempo mit Magengrummeln verfolgt, gehen die Vermutung für ein „Zurück zum Normal“ Richtung Anfang 2022.

Glaube an die Feierlust

Dann, wenn Nachtleben wieder möglich sei, glaubt er übrigens, dass „die Leute in Scharen kommen.“ Dass die Sehnsucht nach der zwanglosen Party in dunklen Räumen, das Berühren und das Miteinander bleiben werden. „Das kriegt man aus den Menschen nicht raus.“

Allein im Scheinwerferlicht: Ox-Chef Karl Quante sieht für 2021 keine Chance für das Nachtleben.
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Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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