Hausärztliche Versorgung in Freudenberg
"Verhältnismäßig gut"

cs Freudenberg. „Wir sollen nicht in Panik verfallen, aber uns dem Thema widmen.“ So fasste Anke Flender (SPD) in der jüngsten Sitzung des Freudenberger Ausschusses für Schule, Sport, Familie und Soziales einen Vortrag von Ansgar von der Osten, bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) für die Bereiche Zulassung und Sicherstellung zuständig, zusammen. In der Tat attestierte von der Osten dem Mittelbereich Siegen, der sich aus den Kommunen Siegen, Freudenberg, Netphen und Wilnsdorf zusammensetzt, eine „verhältnismäßig gute“ Versorgung mit Medizinern, der allgemeine Ärztemangel dürfte mittelfristig aber auch die Stadt Freudenberg erreichen.

Die Probleme sind lange bekannt

Die Probleme sind bekannt, die Diskussion über die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung auf dem Land wird seit Jahren geführt. In Westfalen-Lippe stieg die Zahl der Hausärzte seit 2013 zwar von 4978 auf 5056 im Jahr 2018, „die Zahl der Versorgungsaufträge hat aber abgenommen“, wie Ansgar von der Osten bilanzierte. Zur Erklärung: Eine Zulassung kann mit halbem oder vollem Versorgungsauftrag beantragt werden. Ein voller Versorgungsauftrag bedeutet, dass der Arzt persönlich mindestens 20 Stunden pro Woche in einer Sprechstunde zur Verfügung steht. Der halbe Versorgungsauftrag erfordert mindestens zehn Sprechstunden pro Woche.

Acht Mediziner derzeit in Freudenberg

Die Gründe dafür seien vielschichtig: Ältere Mediziner wollten etwa nicht mehr in Vollzeit tätig sein, auch jüngere Ärzte wünschten sich demnach flexiblere Arbeitszeiten. „Das große Problem in Westfalen-Lippe ist der Altersdurchschnitt“, stellte von der Osten weiter fest, 38 Prozent der aktuell tätigen Hausärzte seien älter als 60 Jahre. In Freudenberg praktizierten aktuell acht Mediziner, drei davon seien über 60 Jahre alt, „das ist erstmal ok“, stellte der Mann von der KVWL fest und verwies auf das „Sorgenkind Kreuztal“. Wie ausführlich berichtet, steuert die Kindelsbergkommune auf einen schlimmen Hausärztemangel zu: Von 14 niedergelassenen Hausärzten dort seien acht über 60 Jahre, sechs sogar über 65 Jahre alt.

Die CDU äußerte Zweifel

„Die Situation ist nicht so, wie es die Zahlen darstellen“, meinte Christoph Reifenberger (CDU) und erinnerte daran, dass im vergangenen Jahr drei Freudenberger Mediziner ohne Nachfolge ausgefallen seien. Aktuell ist die Praxis von Dr. Jochen Klein in Oberfischbach krankheitsbedingt bis auf Weiteres geschlossen – Ausgang offen. Reifenbergers Fraktionskollegin Kornelia Busch-Pfaffe meinte gar, im Moment bleibe wohl nichts anderes übrig, als sich den Mangel schön zu reden. Anke Flender kritisierte indes die Zusammensetzung der Mittelbereiche bei den Berechnungen der KVWL. „Müsste man Siegen nicht gesondert sehen?“, fragte die Ausschussvorsitzende. Ansgar von der Osten erklärte, dass dies die Statistiken nicht verfälsche. Er gestand aber ein, dass die Schließung einer Praxis in der Krönchenstadt natürlich weniger ins Gewicht falle, als eine wegfallende Einrichtung in kleineren Kommunen.

Dr. Michael Gürth sieht Chancen in der Kooperation

Als Fachmann war Dr. Michael Gürth zur Ausschusssitzung eingeladen und stellte „große Chancen in der Kooperation“ heraus. In gemeinsamen Praxen könne man etwa flexible Arbeitszeiten eher realisieren. „Das Hauptproblem liegt aber darin, dass der Nachwuchs weniger wird“, resümierte der Freudenberger Mediziner.

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