Familie Ohrndorf kümmert sich um 2000 Hühner
Wildes Gegacker auf dem Biohof

Anna, Frank, Elke und Manuel Ohrndorf (v.l.) kümmern sich um rund 2000 Hühner.
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sp Bühl. Ganz aufgeregt beginnen sie zu gackern, die Hühner von Familie Ohrndorf, kaum dass jemand ihren Stall betritt. Erst einmal wegzulaufen, das scheint dem Federvieh eine sichere Methode zu sein. Nur einen kurzen Moment später überwiegt aber schon die Neugierde. Ob es wohl möglich ist, ein Stück vom Schuh zu picken? Nichts ist vor ihrem Schnabel sicher.

Rund 2000 Legehennen leben in den zwei Ställen von Familie Ohrndorf am Ortsrand von Bühl. „Es ist der einzige landwirtschaftliche Vollerwerbsbetrieb, den es in der Stadt Freudenberg noch gibt“, sagt Frank Ohrndorf. Weil es sich um einen Biohof handelt, haben die Hühner reichlich Platz unter freiem Himmel. „Wir müssen nachweisen, dass wir vier Quadratmeter Auslaufsfläche für ein Huhn haben“, erklärt der Landwirt. Auch ein paar Hähne sind in den Gruppen dabei, anteilig etwa 10 Prozent. „Das bringt Ruhe rein“, sagt Elke Ohrndorf.

Künstliche Nester

In dem großen Stall haben die Hühner eine Art Regal, am Tag sitzen sie gerne darauf, und in der Nacht schlafen sie dort dicht beisammen. Gleich daneben sind metallene Kästen aneinandergereiht. Es sind künstliche Nester, die morgens geöffnet werden, damit die Hühner ihre Eier hineinlegen.

Alles hat einen tieferen Sinn: „Man kann bei 2000 Hühnern morgens nicht mit dem Körbchen rumlaufen.“ Die Böden der Nester sind leicht schräg, sodass die Eier sanft auf ein Band rollen und zur Stempel-und-Pack-Station im vorderen Bereich des Stalls kommen. Dort werden sie kontrolliert, nach Größe sortiert, sofort gestempelt und von Hand in Kartons gepackt. Diese Eier verkauft die Familie Ohrndorf unter anderem im eigenen Hofladen und in Supermärkten.

Gefieder im Kalkbad reinigen

Direkt an den Stall angeschlossen ist der „Wintergarten“, ein größerer Auslauf, der beispielsweise dann genutzt wird, wenn aufgrund der Geflügelpest eine Aufstallungspflicht zum Schutz der Tiere herrschen sollte. Besonders viele Hühner halten sich in einer Ecke dieses Bereichs auf – hier können sie ein Kalkbad nehmen, um ihr Gefieder zu reinigen und lästige Milben loszuwerden.

Als die Familie den Stall verlässt, um der SZ-Redakteurin den weitläufigen Außenbereich des Federviehs zu zeigen, wird deutlich, wie leicht ein Huhn zur Beute werden kann. Zwei Habichte erheben sich, fliegen schnell davon und lassen den leblosen Körper eines Huhns zurück. Die Federn liegen verteilt am Boden.

 Hennen nach einem Jahr geschlachtet

„Das passiert fast jeden Tag“, berichtet Frank Ohrndorf mit etwas Wehmut in der Stimme. Wenn ein Tier gerissen wird, egal ob vom Fuchs oder vom Habicht, bekommt er den Verlust von keiner Stelle ersetzt.
So oder so, ein wirklich langes Leben haben die Legehennen nicht. Im Alter von 18 Wochen werden sie aus einem Aufzuchtbetrieb geholt. Etwa ein Jahr lang legen sie Eier. „Jedes Huhn fängt klein an“, erklärt Elke Ohrndorf, „je älter die Tiere werden, desto dicker fallen die Eier aus.“ Aber die Legeleistung ist schnell nicht mehr wirtschaftlich. Nach etwa einem Jahr werden die Hennen geschlachtet und vorwiegend als Suppenhühner verkauft.

Manche Hühner allerdings können ihr Leben bei Privatpersonen fortsetzen, ohne eine bestimmte Legeleistung erbringen zu müssen. Eier-Vorbestellungen zu Ostern nimmt die Familie übrigens nicht entgegen, denn schließlich legen die Hühner in dieser Zeit nicht plötzlich mehr Eier. Noch eine interessante Feststellung haben die Landwirte gemacht: Zu Weihnachten ist die Nachfrage nach den Bio-Eiern aus der Region oft größer als zu Ostern. Warum? Dafür hat die Familie Ohrndorf bislang keine Erklärung gefunden.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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