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Auf der Spur der frischen Kost
Woher kommen die Waren auf dem Markt?

Michael Münker (r.) vom Kartoffelhandel Forneberg kauft mehrmals wöchentlich frisches Obst und Gemüse auf dem Großmarkt in Frankfurt.
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  • Michael Münker (r.) vom Kartoffelhandel Forneberg kauft mehrmals wöchentlich frisches Obst und Gemüse auf dem Großmarkt in Frankfurt.
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sp Dickendorf/Freudenberg. Es ist ein frühherbstlicher Nachmittag im September, die Sonne strahlt vom Himmel, ein Traktor mit Anhänger bringt Zwiebeln. Kisten mit Gemüse werden von einem Standort zum nächsten getragen. Aus dem Haupthaus strömt der Duft von frischgebackenem Brot. Draußen summen die Bienen, finden zwischen dem angebauten Obst und Gemüse wilde Blühstreifen. Eine Bauernhof-Idylle mitten im Westerwald – könnte man meinen: „Wir sind hier keine Kuschelfarm“, betont Samuel Buchner, Markthändler und Berater am Bio-Gemüsehof Dickendorf. Die Mitarbeiter des Hofes bauen regelmäßig einen Stand auf einem der Märkte in der Region auf und verkaufen nach eigenen Angaben das meiste aus dem Eigenanbau – die SZ schaute sich an, was das bedeutet.

sp Dickendorf/Freudenberg. Es ist ein frühherbstlicher Nachmittag im September, die Sonne strahlt vom Himmel, ein Traktor mit Anhänger bringt Zwiebeln. Kisten mit Gemüse werden von einem Standort zum nächsten getragen. Aus dem Haupthaus strömt der Duft von frischgebackenem Brot. Draußen summen die Bienen, finden zwischen dem angebauten Obst und Gemüse wilde Blühstreifen. Eine Bauernhof-Idylle mitten im Westerwald – könnte man meinen: „Wir sind hier keine Kuschelfarm“, betont Samuel Buchner, Markthändler und Berater am Bio-Gemüsehof Dickendorf. Die Mitarbeiter des Hofes bauen regelmäßig einen Stand auf einem der Märkte in der Region auf und verkaufen nach eigenen Angaben das meiste aus dem Eigenanbau – die SZ schaute sich an, was das bedeutet.
Die rund zehn Hektar Land inklusive dreier Gewächshäuser zu bearbeiten, sei mit viel Arbeit und Organisation verbunden, erklärt Buchner. Im Moment ist Haupterntezeit. Einen großen Anteil der etwa 40 angebauten Kulturen machen Salate, Tomaten, Zwiebeln und Möhren aus. Letztere bringen pro Jahr alleine 45 Tonnen auf die Waage. Damit die Rüben bis in den Mai hinein verkauft werden können, werden sie in großen Kühlräumen gelagert. Auf dem Biohof wird auf den Einsatz chemischer Mittel verzichtet, stattdessen wird auf Nachhaltigkeit, auf eine regenerative Landwirtschaft gesetzt. Für einen „gesunden Boden“ beispielsweise wird Mulch eingesetzt.

In der kleinen Bäckerei werden Backwaren hergestellt. Das Mehl wird vor Ort aus angeliefertem Getreide gemahlen.
  • In der kleinen Bäckerei werden Backwaren hergestellt. Das Mehl wird vor Ort aus angeliefertem Getreide gemahlen.
  • Foto: Sarah Panthel
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Bananen von den Kanarischen Inseln

Neben dem Gemüse verkaufen Buchner und seine Kollegen auch Backwaren auf dem Markt, die in der eigenen kleinen Bäckerei hergestellt werden. Das Mehl wird aus angeliefertem Getreide (für den Anbau ist es auf dem Westerwald zu nass) auf dem Hof gemahlen. Um den Marktbesuchern mehr Vielfalt zu bieten, werden auch einige exotische Früchte verkauft. Die Citrusfrüchte kommen von befreundeten Bauern in Katalonien. „Die Bananen kommen von den Kanarischen Inseln. Das sind die regionalsten Bananen, die man kriegen kann“, sagt Buchner schmunzelnd.
Die Preise für die Bio-Ware sind höher als die aus konventionellem Anbau. Wenn die Kunden Supermarkt-Preise gewöhnt seien, sei das für sie erst einmal teuer, weiß der Markthändler. „Aber jeder, der selbst einen Garten hat, weiß wie viel Stunden Arbeit darin stecken.“

Michael Münker (r.) vom Kartoffelhandel Forneberg kauft mehrmals wöchentlich frisches Obst und Gemüse auf dem Großmarkt in Frankfurt.
  • Michael Münker (r.) vom Kartoffelhandel Forneberg kauft mehrmals wöchentlich frisches Obst und Gemüse auf dem Großmarkt in Frankfurt.
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Einkaufen mitten in der Nacht

Szenenwechsel: 2 Uhr morgens in Freudenberg. Die Temperaturen sinken in der Nacht auf einstellige Werte. Michael Münker hat seinen Kleintransporter bereits mit leeren Kisten beladen. Eigentlich würde er jetzt lieber noch im Bett liegen. Bis er wieder schlafen kann, werden aber noch einige Stunden vergehen. Er macht sich auf den Weg in Richtung Frankfurt zum Großmarkt, wo er als Händler Kartoffeln, Obst und Gemüse kauft – mehrmals in der Woche. Sein Ziel: frische Waren für den Markt einkaufen. Der beginnt um  6 Uhr, und Münker wird dort bis zum Mittag stehen.
Viel Zeit bleibt ihm nicht. Bevor er am Frischezentrum Frankfurt ankommt, macht er einen kurzen Abstecher. Er fährt mitten in ein Wohngebiet, öffnet eine Garage und lädt einige Kisten Äpfel der alten Sorte Berlepsch in seinen Transporter. Den Apfelbauern kennt er, die Geschäftsbeziehung beruht auf Vertrauen. In Hessen hat er fünf Anlaufstellen für seine Waren. Das ist auch der Grund, warum er nicht auf den Großmarkt nach Köln fährt, auch wenn dieser für den Freudenberger näher wäre.

 "Produkte müssen lecker sein und frisch"

In der Halle und um sie herum herrscht geschäftiges Treiben, Kleintransporter kommen an, fahren ab. Gabelstapler haben Paletten mit Lebensmitteln geladen und fahren von einer Stelle zur nächsten. Zielstrebig geht Münker durch eines der Tore in das große Gebäude. Er spricht mit den Händlern seines Vertrauens: „Über die Jahre kannst du die Leute einschätzen.“ Er testet Clementinen und Trauben, verhandelt Preise und fragt, wann Nüsse wieder angeboten werden. „Die Produkte müssen lecker sein und frisch. Das sind die zwei Kriterien, die als erstes erfüllt sein müssen.“ Und auch der Preis sollte stimmen. Die Herkunft spielt bei ihm eher eine zweitrangige Rolle.
Sieht er Ware, die zu reif ist oder Druckstellen hat, lässt er sie liegen. Wenn sie von Restaurants zu einer Soße verarbeitet würden, sei das sicher kein Problem, sagt er, aber seinen Kunden könne er die Lebensmittel nicht verkaufen. Nur eine von vielen Erfahrungen, die er gesammelt hat, seit er 2004 den Kartoffelhandel Forneberg übernommen hat. Bei den Knollen aber blieb es nicht. Äpfel kamen hinzu. Die Früchte, die er an diesem frühen Morgen mitnimmt, kauft er von einem Händler. Der wiederum holt sie von der Bergstraße (Hessen), aus dem Alten Land bei Hamburg oder vom Bodensee. Diese Äpfel kommen also aus Deutschland.

Verschiedene Apfelsorten in unterschiedlichen Größen. Michael Münker hat die Wahl.
  • Verschiedene Apfelsorten in unterschiedlichen Größen. Michael Münker hat die Wahl.
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Obst und Gemüse der Saison sowie junge Pflanzen und Kräuter gehören ebenfalls zum Repertoire von Münker. Erdbeeren oder Spargel beispielsweise, kauft er in der entsprechenden Zeit direkt bei Erzeugern in Hessen. Alles anbieten wolle er aber nicht, sagt der Freudenberger Händler, er beschränke sich lieber auf ein paar Produkte, mit denen er gute Erfahrung gemacht habe.

Regionalität am Markt

Die SZ fragte bei weiteren Händlern auf dem Siegener Mittwochsmarkt nach, woher ihre Waren kommen. Der Käsehändler Jan van Werth und die Käserei Ebener gaben an, dass es für sie nicht möglich sei regionale Käsesorten anzubieten, weil es hier keine großen Sennereien – vor allem nicht für Produkte aus Kuhmilch – gebe. Deshalb reisten sie in die Schweiz, nach Österreich oder Frankreich, um dort Käse direkt bei den Herstellern oder auf Großmärkten zu kaufen.
Fleischermeister Bernd Seitz stellt seine Produkte in seiner Metzgerei in Hessen selbst her. Er schlachtet zwar nicht, „aber ich weiß, wo mein Vieh herkommt“, betont er. Und das sei nicht mehr als 100 Kilometer entfernt.

Bernd Seitz weiß, woher sein Vieh kommt.

„Schneider Früchte“ ist Groß- und Einzelhändler. Viele Produkte kauft er direkt beim Erzeuger, die Waren von Übersee holt er auf dem Großmarkt in Frankfurt. Saisonalität sei wichtig, „aber es geht immer auch um Angebot und Nachfrage“, sagt Inhaberin Andrea Schneider. Im Moment liege der Anteil der Produkte, die aus Deutschland kommen, bei etwa 70 Prozent.
Die Vollwertbäckerei Niedergesäss aus Plettenberg kauft Bio-Getreide und mahlt es vor Ort in der Backstube, um es dann zu Backwaren weiter zu verarbeiten.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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