SZ

Paketdienste verzeichnen ein Rekordjahr
Zusteller sind am Limit

Zwischen 12 und 20 Prozent mehr Zustellungen werden an die Haustüren gebracht.

sp Freudenberg/Wilnsdorf/Drolshagen. Die Zusteller von Paketdiensten sind seit dem ersten Corona-Lockdown im Dauereinsatz. Es ist das Rekordjahr für Paketzustellungen. Was die Unternehmen freut, ist eine Herausforderung für die Arbeitnehmer. „Die Zusteller sind am Limit“, äußert sich ein Mitarbeiter eines Paketdienstes gegenüber der SZ: „Das ist eine psychische Belastung, wenn man auf die Arbeit kommt und den Berg an Paketen, die große Menge, vor sich sieht. Dann stellt man sich die Frage: Wie soll ich das schaffen?“
Immenser DruckJürgen Weiskirch, Bezirksgeschäftsführer von Verdi Südwestfalen, weiß: „Die Zusteller stehen unter einem immensen Druck, die Masse der Zustellungen ist kaum noch zu bewältigen.

sp Freudenberg/Wilnsdorf/Drolshagen. Die Zusteller von Paketdiensten sind seit dem ersten Corona-Lockdown im Dauereinsatz. Es ist das Rekordjahr für Paketzustellungen. Was die Unternehmen freut, ist eine Herausforderung für die Arbeitnehmer. „Die Zusteller sind am Limit“, äußert sich ein Mitarbeiter eines Paketdienstes gegenüber der SZ: „Das ist eine psychische Belastung, wenn man auf die Arbeit kommt und den Berg an Paketen, die große Menge, vor sich sieht. Dann stellt man sich die Frage: Wie soll ich das schaffen?“

Immenser Druck

Jürgen Weiskirch, Bezirksgeschäftsführer von Verdi Südwestfalen, weiß: „Die Zusteller stehen unter einem immensen Druck, die Masse der Zustellungen ist kaum noch zu bewältigen.“ Er betont, dass man zwischen den Zustellern unterscheiden müsse, die unter tariflichen Bedingungen arbeiten, und „denen, die gar nichts haben“. Da gebe es ein Gefälle, gerade bei Subunternehmen. Weiskirch fordert, dass die Einhaltung des Arbeitsschutzes bei den Zustellern mehr kontrolliert wird. Und: „Es gäbe ja schon Leitplanken, die ein solches Gefälle, das menschenunwürdig ist, beschränken würden.“ Es sollte beispielsweise begrenzt werden, wie viele Subunternehmer beteiligt sein dürfen, „denn die Letzten beißen die Hunde“.
Die SZ fragte bei drei Paketdiensten nach, wie sie dieses Jahr bewerten und wie sie darauf reagiert haben. 

Mehr Personal eingestellt

Um der enormen Paketmenge Herr zu werden, hat die Deutsche Post DHL Group „mehr Personal eingestellt und die Urlaubspläne angepasst“, sagt Alexander Böhm von der Pressestelle. Außerdem wurde der Fahrzeug-Pool ausgebaut. Dabei wird zum einen auf den Bestand zurückgegriffen und zum anderen werden Fahrzeuge geliehen. Die Aushilfen, bei denen es sich zum Beispiel um Schüler und Studenten handelt, sind zeitlich befristet angestellt. Dass zur Weihnachtszeit viel bestellt werde, daran habe man sich gewöhnt, „aber dieses Jahr ist es mehr als sonst in den Jahren“. Regelmäßig werden die Bezirke neu eingeteilt, weil die Sendungen zunehmen und sowohl die Zusteller als auch die Kapazität der Fahrzeuge an ihre Grenzen kommen. „Corona ist ein Grund, warum die Sendungsmengen steigen“, sagt Böhm. „Es wird mehr bestellt, der Onlinehandel blüht, die Paketlieferungen nehmen zu.“ Regionale Zahlen über die Entwicklung lägen nicht vor, aber in der aktuellen Zeit würden etwa 15 bis 20 Prozent mehr Pakete zugestellt.

Rekordmengen erwartet

DPD Deutschland rechnet im vierten Quartal 2020 mit absoluten Rekordmengen: „Es ist zu erwarten, dass die Marke von 2 Millionen Paketen pro Tag und über 300.000 Paketen pro Stunde an mehreren Tagen überschritten wird.“ Auch DPD begründet diesen Zuwachs mit der Covid-19-Pandemie. Um die Mengen bearbeiten zu können, hat das Unternehmen in Deutschland 2000 zusätzliche Fahrzeuge beschafft und 4000 zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der während des Weihnachtsgeschäfts täglich sortierten Pakete am Standort Wilnsdorf um über 12 Prozent gestiegen, so das Unternehmen. Dieser bedient das Gebiet des Sieger- und Sauerlandes, des Oberbergischen Landes und des Lahn-Dill-Kreises. In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe sind je nach Bedarf 150 bis 160 Zusteller unterwegs, um die Menschen mit Paketen zu versorgen. „An besonders mengenstarken Tagen werden bis zu 24.000 Pakete vom Standort aus zugestellt.“ Weiter heißt es von DPD: „Da die Paketmengen sich seit April auf einem sehr hohen Niveau befinden, wurde die Zahl der Arbeitskräfte in der Paketzustellung und im Paketsortierzentrum in Wilnsdorf bereits im Frühjahr um rund 25 Prozent aufgestockt.“

Viel mehr Pakete als sonst

Hermes schreibt: „Die Mengenentwicklung ist in diesem Jahr enorm. Allein im vierten Quartal erwarten wir bundesweit 120 Millionen Sendungen – ein Mengenplus von 20 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum Oktober bis Dezember 2019.“ Die Kreise Altenkirchen, Olpe und Siegen-Wittgenstein werden von den Standorten Drolshagen, Gummersbach, Haiger und Rossbach bedient. Etwa 200 Zusteller sind für die drei Kreise im Regeleinsatz. Für diese rechnet Hermes allein im vierten Quartal 2020 mit einem Paketvolumen von ca. 2,2 Millionen Sendungen. Im Oktober bis Dezember 2019 lag die Zahl bei rund 1,9 Millionen Sendungen – eine Steigerung von ca. 16 Prozent. „Wir haben uns sehr eng mit dem Handel ausgetauscht. Frühzeitig und in enger Abstimmung mit unseren Auftraggebern konnten wir so präzise Mengenprognosen erstellen. Auf deren Basis haben wir bundesweit rund 3500 zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt, unseren Fuhrpark um 3900 Fahrzeuge aufgestockt und unsere Sortierkapazität um ca. 30 Prozent erhöht.“
Wie viele Pakete ein Zusteller im Schnitt am Tag austragen muss, dazu machte keiner der angefragten Paketdienste Angaben.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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