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Prozess um Messer-Attacke in Freudenberg
"Zwei Persönlichkeiten"

Im Bereich des Parkdecks des Hit-Supermarktes in Freudenberg soll es zu der blutigen Auseinandersetzung gekommen sein
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  • Foto: kalle
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cs Siegen/Freudenberg. Nächster Akt im Prozess um die Messerattacke in Freudenberg. Vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts sagten am Freitag weitere Zeugen aus. Wie berichtet, wird einem 25-jährigen Deutschen vorgeworfen, am 13. Oktober 2018 einen 28-Jährigen mit mehreren Messerstichen im Bereich des Hit-Parkdecks schwer verletzt zu haben. Der junge Freudenberger äußerte sich an diesem Verhandlungstag nicht. Erneut war der Mann in seinem ausgewaschenen hellblauen Anstalts-Overall vor Gericht erschienen und verfolgte die rund zweistündige Fortsetzung des Prozesses zumeist mit gesenktem Kopf.
"Der geht irgendwann mal ins Gefängnis"Schon als Kind habe sie gedacht: „Der geht irgendwann mal ins Gefängnis“, erklärte eine Justiz-Fachangestellte im Zeugenstand.

cs Siegen/Freudenberg. Nächster Akt im Prozess um die Messerattacke in Freudenberg. Vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts sagten am Freitag weitere Zeugen aus. Wie berichtet, wird einem 25-jährigen Deutschen vorgeworfen, am 13. Oktober 2018 einen 28-Jährigen mit mehreren Messerstichen im Bereich des Hit-Parkdecks schwer verletzt zu haben. Der junge Freudenberger äußerte sich an diesem Verhandlungstag nicht. Erneut war der Mann in seinem ausgewaschenen hellblauen Anstalts-Overall vor Gericht erschienen und verfolgte die rund zweistündige Fortsetzung des Prozesses zumeist mit gesenktem Kopf.

"Der geht irgendwann mal ins Gefängnis"

Schon als Kind habe sie gedacht: „Der geht irgendwann mal ins Gefängnis“, erklärte eine Justiz-Fachangestellte im Zeugenstand. Sie selbst kenne den Angeklagten seit etwa 15 Jahren, früh habe sie bemerkt, dass in dem heute 28-Jährigen „zwei Persönlichkeiten“ schlummerten. Als kleiner Junge sei er im Alter von zehn oder elf Jahren „sehr schüchtern, sehr kindlich“ gewesen, auf der anderen Seite aber sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Früh habe sie sich gedacht, dass etwas nicht stimmt, berichtete die 24-Jährige. Eine zeitlang hätten sie im gleichen Wohnkomplex gelebt, da habe der Angeklagte etwa einen Boiler von der Wand gerissen und die Wohnung durch das Fenster verlassen, um den Müll herauszubringen.Die Beine eines zuvor von ihrer Familie als Geschenk übergeben Tisches habe sie wenig später im Restabfall aufgefunden – offenbar abgerissen vom Ort ihrer eigentlichen Bestimmung. „Und wir haben öfter mal THC-Geruch wahrgenommen“, erklärte die Frau. Auch zum Zeitpunkt der Festnahme, die sie zufällig mitbekommen habe, war der Freudenberger ihrer Meinung nach „im Wahn, vermutlich unter Einfluss von Drogen oder Alkohol“.

Verteidigung strebt wohl Unterbringung an

Verteidiger Lars Brögeler (Dortmund) hakte nach: „Haben sich die Bewusstseinsveränderungen erst eingestellt, als er begann, Drogen zu konsumieren?“ Das könne sie nicht mit Gewissheit sagen, erklärte daraufhin die Zeugin. Das Anliegen des Rechtsanwalts: Statt einer langen Haftstrafe dürfte es eher im Sinne der Verteidigung sein, den Angeklagten nach Paragraph 64 des Strafgesetzbuches in einer forensischen Psychiatrie unterzubringen.
Ein Rechtsmedizinerin kam als Sachverständige zu dem Schluss, dass die Stichverletzungen, die das Opfer davongetragen hat, „in bewusster Art und Weise“ zugefügt worden seien. Gegen eine akzidentielle, also unbewusste, Ausführung der Messerstiche spreche etwa die Konzentration auf den Brustkorb sowie die Wucht der Hiebe, die immerhin durch eine dicke Winterjacke, ein T-Shirt und die Haut tief in den Brustkorb reichten.

Messerstiche führten zu Pneumothorax

Dort kam es durch die schweren Verletzungen zu einem Zusammenfall der Lunge (Fachbegriff: Pneumothorax) – eine Verletzung, die als lebensbedrohlich eingestuft wird. „Wenn jemand in das Messer hineinrennt – würden Sie das auch als bewusste Verletzung einstufen?“, fragte Verteidiger Brögeler. In der Rechtsmedizin tauchten solche Fragen immer wieder einmal auf, antwortete die 34-jährige Sachverständige. „Das ist zumindest nicht auszuschließen.“
Der Prozess wird am Freitag, 22. November, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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