SZ

Interview mit Judoka Jonas Schreiber
Familienduell im Siegerland statt Trainingscamp in Japan

Großer Kampf vor großer Kulisse: Beim Grand Slam in Düsseldorf brachte der Oberfischbacher Jonas Schreiber (r.) den erfahrenen Georgier Onise Bughadze ordentlich ins Schwitzen.
  • Großer Kampf vor großer Kulisse: Beim Grand Slam in Düsseldorf brachte der Oberfischbacher Jonas Schreiber (r.) den erfahrenen Georgier Onise Bughadze ordentlich ins Schwitzen.
  • Foto: Marcel Haupt
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

rege Oberfischbach. Erste Medaille für dieses Jahr erkämpft, dann kam der Corona-Stopp: Vor dem Stillstand in Sport-Deutschland hat Judoka Jonas Schreiber noch die letzte Chance genutzt, seine Medaillensammlung zu erweitern. Der Oberfischbacher schaffte bei den Deutschen U-21-Meisterschaften den Sprung aufs Siegerpodest – es war aber nicht die Medaille, die der Schwergewichtler sich erhofft hatte. Nach dem Aufstieg seines langjährigen Dauerrivalen Erik Abramov in den Männerbereich galt Jonas Schreiber als Titelfavorit und hatte auch auf „Gold“ spekuliert, aber da machte ihm ein gewisser Losseni Kone im Finale einen Strich durch die Rechnung – vielleicht waren es auch die Kampfrichter, aber dazu später mehr. Bei „Deutschen“ scheint ihm das finale Glück einfach nicht hold zu sein.

rege Oberfischbach. Erste Medaille für dieses Jahr erkämpft, dann kam der Corona-Stopp: Vor dem Stillstand in Sport-Deutschland hat Judoka Jonas Schreiber noch die letzte Chance genutzt, seine Medaillensammlung zu erweitern. Der Oberfischbacher schaffte bei den Deutschen U-21-Meisterschaften den Sprung aufs Siegerpodest – es war aber nicht die Medaille, die der Schwergewichtler sich erhofft hatte. Nach dem Aufstieg seines langjährigen Dauerrivalen Erik Abramov in den Männerbereich galt Jonas Schreiber als Titelfavorit und hatte auch auf „Gold“ spekuliert, aber da machte ihm ein gewisser Losseni Kone im Finale einen Strich durch die Rechnung – vielleicht waren es auch die Kampfrichter, aber dazu später mehr. Bei „Deutschen“ scheint ihm das finale Glück einfach nicht hold zu sein.

Ein besonderes Erlebnis der anderen Art war sein Start beim Grand Slam in Düsseldorf, einem Turnier, das in der Breite besser besetzt ist als Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele. Erwartungsgemäß scheiterte Jonas Schreiber hier in der 1. Runde an einem deutlich erfahrenerem Gegner aus Georgien, aber nachdem er vor der großen Kulisse den anfänglichen Respekt abgelegt hatte, wehrte er sich nach Kräften und verlangte dem großen Favoriten alles ab. So weit, so gut – kurze Zeit später kam der Coronavirus. Der bringt den Sport zum Erliegen und damit natürlich auch die Trainings- und Wettkampfpläne des Siegerländers durcheinander. Der Polizei-Azubi ist dennoch bemüht, sich so gut es geht, fit zu halten, und wenn die Corona-Pandemie abgeklungen ist, auf der Matte wieder Gewehr bei Fuß zu stehen. – Wie und wo er momentan seine Trainingseinheiten abhält, verriet der 20-Jährige im Gespräch mit der SZ:

Hallo Herr Schreiber, wo erwische ich Sie gerade?
Jonas Schreiber: „Ich bin in Oberfischbach. Ich bin gestern noch Hause gekommen. In Köln hat alles zu, und dann kann ich zu Hause besser trainieren als in der Großstadt. Hier kann ich im Garten trainieren und habe zumindest noch meinen Bruder, der sich mal den Anzug anziehen kann, zum Familienduell sozusagen.“

Da Judo ein Kontaktsport ist, dürfte es ansonsten momentan ja eher schwierig sein mit dem Training …
Schreiber: „Wir hatten überlegt, in Köln auf den Jahnwiesen zu trainieren, aber das fällt jetzt auch flach, da keine größeren Gruppen mehr erlaubt sind. Zudem sind alle Hallen und Fitnessstudios zu. Da ist man auf Kreativität angewiesen. Das ist doof, aber da steckt man nicht drin, und ich kann es auch nachvollziehen. Ich habe in Köln den Kraftraum noch etwas ausgeräumt und ein paar Gummibänder und Gewichte mitgebracht. Ein paar Langhanteln hab ich noch zu Hause, und ein Mountainbike auch – das ist dann mal eine willkommene Abwechslung, um an den Grundlagen zu arbeiten. Familieninterne Trainingseinheiten sind ja noch drin, und da kommt es mir entgegen, dass mein zwei Jahre jüngerer Bruder Paul in der 90-Kilo-Klasse unterwegs ist, was in meine Richtung geht. Wahrscheinlich bin ich bis Ostern jetzt erst einmal hier. Die Entschleunigung tut auch mal gut, das habe ich die letzten Jahre ja nicht gehabt. Aber man muss sich natürlich fit halten, damit man bei 100 Prozent ist, wenn es wieder weiter geht. Es ist zwar dann auch schwierig von Null auf 100 hochzufahren, aber da geht es ja allen Athleten gleich.“

Für Eltern und Geschwister sicher schön, dass Sie mal wieder in der Heimat vorbeischauen, geplant waren zu dieser Jahreszeit sicher andere Reisen …
Schreiber: „Ja, es sollte eigentlich komplett in die andere Richtung gehen. Normal wäre ich jetzt in Japan. Dort sollte ein dreiwöchiges Trainingscamp stattfinden. Anstelle von Japan war dann schon ein zweiwöchiges Trainingslager in Paris geplant, aber das hat sich natürlich auch erledigt. Und das Bundesleistungszentrum in Kienbaum ist auch komplett zu. Eigentlich hätte nächstes Wochenende in Bremen das erste Qualifikationsturnier für die U-21-Europameisterschaften und die U-21-Weltmeisterschaften stattgefunden, aber bis 30. April ist erst einmal alles abgesagt. Auch die ersten beiden European Cups fallen schon weg.“

Gibt es denn schon Pläne, wann und wie es weiter gehen könnte?
Schreiber: „Stand heute hoffen wir, mit den European Cups im litauischen Kaunas (Anm.: 9./10. Mai) und im österreichischen Leibnitz (Anm.: 30./31. Mai) wieder einsteigen zu können. Es wird dann halt weniger Turniere geben, um sich für die Europameisterschaften (Anm.: vom 3. bis 5. September in Luxemburg) und die Weltmeisterschaften (Anm.: vom 17. bis 19. August in Istanbul) zu qualifizieren.“

Das sind vermutlich auch die beiden Saison-Höhepunkte, auf die Sie hin arbeiten?
Schreiber: „Genau. Da geht der Fokus hin. Es ist mein letztes U-21-Jahr, und da will ich endlich mal eine internationale Medaille holen. Am Besten sogar zwei …“

Eine Medaille haben Sie in diesem Jahr bereits geholt, und zwar bei den Deutschen U-21-Meisterschaften. Vermutlich aber nicht die, die Sie haben wollten, denn nach drei Siegen gab es im Finale eine Niederlage…
Schreiber: „Bei den Deutschen Meisterschaften der Männer hatte ich noch gegen Losseni Kone gewonnen. Er ist auch Mitglied der Nationalmannschaft, wir stehen in der U-21-Weltrangliste in der Schwergewichtsklasse beide unter den Top Ten. Es war vorher klar, dass der DM-Titel unter uns beiden ausgemacht wird. Ich war Favorit, hatte dadurch aber auch den größeren Druck. Der Finalkampf ging über die volle Zeit. Er soll mich angeblich einmal geworfen haben und hat dafür eine Wertung bekommen, die er selbst nicht gegeben hätte. Ich hatte gehofft, dass er vor Ende der Kampfzeit seine dritte Strafe kassiert, aber auch diese Taktik ging nicht auf. Das war jetzt mein fünftes Finale bei Deutschen Meisterschaften, und ich habe noch nie eins gewonnen. Ich hake das aber jetzt schnell ab und verliere lieber bei einer Deutschen Meisterschaft gegen ihn als bei einer Weltmeisterschaft. Die anderen drei Duelle hatte ich bei der DM locker, entspannt und ohne Risiko runter gekämpft.“

Vor den Deutschen U-21-Meisterschaften hatten Sie aber auch schon einen großen Auftritt in diesem Jahr …
Schreiber: „Ich durfte beim Grand Slam in Düsseldorf schnuppern und mitkämpfen. Das Turnier ist vom Teilnehmerfeld her größer und in der Breite stärker als Weltmeisterschaften und Olympische Spiele, da die Teilnehmerzahl pro Nation nicht begrenzt ist. Ich habe gegen den Georgier Onise Bughadze gekämpft und war in der Außenseiterrolle, quasi der Jäger. Bughadze ist ein ausgewachsener Mann, der schon ein paar Turniere mehr gekämpft hat und auch schon einige gewonnen hat. Die ersten anderthalb Minuten fehlte mir vor der großen Kulisse der Mut, dann habe ich aufgedreht. Der Kampf ging über die volle Zeit, also über vier Minuten, und der Georgier ist auch ordentlich ins Schwitzen gekommen. Auf diesen Kampf lässt sich aufbauen. Aber das war für mich ein Bonusturnier, darauf liegt der Fokus dieses Jahr nicht. Ferner war ich noch bei den Open Visé, einem Turnier in Belgien, wo ich ein bisschen im Männer-Bereich schnuppern durfte. Ich habe dort sechs Kämpfe absolviert, das ist für eine Schwergewichtler ganz schön viel. Dort hatte ich keinen Druck und habe immerhin vier der sechs Kämpfe gewonnen. Es ging mir aber erster Linie darum, Leute an der Jacke und nochmal Wettkampf-Feeling zu haben.“

Wer weiß, wann das zum nächsten Mal wieder der Fall sein wird …

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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