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Lieferant hält dagegen
An Brennstoffzelle verbrannt

Der Alsdorfer Edwin Meijlink. Ist mit der „Performance“ seiner vor knapp zwei Jahren gekauften Heizung nach dem Brennstoffzellenprinzip nicht einverstanden.
  • Der Alsdorfer Edwin Meijlink. Ist mit der „Performance“ seiner vor knapp zwei Jahren gekauften Heizung nach dem Brennstoffzellenprinzip nicht einverstanden.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

dach Alsdorf. „Ich bin verführt worden“: Edwin Meijlink hat vor knapp zwei Jahren auf eine neue Heiztechnik in seinem Haus in Alsdorf gesetzt. Und, wie er berichtet, sich dabei auf die Prognosen des Anbieters verlassen. Nur: Mit der Realität hätten die versprochenen Verbrauchswerte wenig zu tun, so die Schilderungen des 72-Jährigen, die er mit Protokollen und Abrechnungen stützt.

27 Jahre war die alte Gasheizung. Aber: Sie lief noch. Den jährlichen Prüfungen durch den Schornsteinfeger hatte das Gerät stets Stand gehalten. Doch auch der gelernte Tiefbauingenieur weiß, dass Heizungen nicht ewig halten. Irgendwann würde Schluss sein. Die Verbraucherzentrale schreibt: Nach 15 bis 20 Jahren im Betrieb gilt eine Heizung als alt.

dach Alsdorf. „Ich bin verführt worden“: Edwin Meijlink hat vor knapp zwei Jahren auf eine neue Heiztechnik in seinem Haus in Alsdorf gesetzt. Und, wie er berichtet, sich dabei auf die Prognosen des Anbieters verlassen. Nur: Mit der Realität hätten die versprochenen Verbrauchswerte wenig zu tun, so die Schilderungen des 72-Jährigen, die er mit Protokollen und Abrechnungen stützt.

27 Jahre war die alte Gasheizung. Aber: Sie lief noch. Den jährlichen Prüfungen durch den Schornsteinfeger hatte das Gerät stets Stand gehalten. Doch auch der gelernte Tiefbauingenieur weiß, dass Heizungen nicht ewig halten. Irgendwann würde Schluss sein. Die Verbraucherzentrale schreibt: Nach 15 bis 20 Jahren im Betrieb gilt eine Heizung als alt.

Prinzip Brennstoffzelle

Also machte Meijlink sich schlau, und nutzte dazu ein Heizungsportal im Internet. Er stieß auf das Prinzip Brennstoffzelle: Aus Sauerstoff und Wasserstoff – aus Erdgas gewonnen – werden Heizwärme und elektrischer Strom erzeugt. Der Moment schien günstig: Es lockte eine hohe staatliche Förderung.
Über das Heizungsportal verabredete Meijlink einen Termin in seinem Haus mit einem Berater bzw. Verkäufer. Der Anbieter in diesem Fall war die EW Energy World GmbH aus Köln.

Beim Gespräch ging es vor allem um den damaligen Verbrauch von Gas bzw. Strom. Ca. 4500 Kilowattstunden elektrische Energie stand in der Jahresabrechnung des Versorgers, beim Gas waren es rund 50 000 Kilowattstunden, so Meijlink.

Laut eines Beratungsprotokolls hatte Energy World Meijlink vorgerechnet, dass die Verbräuche mit der angebotenen Brennstoffzellenheizung deutlich sinken würden: Er müsse künftig nur noch 631 Kilowattstunden Strom hinzukaufen, außerdem 32 300 Kilowattstunden Gas. Angenommen wurde dabei, dass 75 Prozent des erzeugten Stroms selbst verbraucht werden.

Überzeugt trotz hohen Anschaffungspreises

Das überzeugte den Alsdorfer, trotz des recht hohen Anschaffungspreises. Rund 35 000 Euro habe Energy World veranschlagt. Durch die staatliche Förderung blieben unterm Strich rund 20 000 Euro an Kosten für ihn übrig. Auch die Angabe des Geräteherstellers, dass in Japan 180 000 Anlagen mit dieser Technik liefen, trug zur Entscheidung bei.

Doch als Edwin Meijlink die Vergleichszahlen auf den Tisch bekam, war er „not amused“. In seinem Haus gingen binnen eines Jahres rund 2600 Kilowattstunden fremder Strom „drauf“, außerdem ca. 40 500 Kilowattstunden Gas. Die Kostensteigerung im Vergleich zur Prognose hat er beim Gas mit plus 27 Prozent errechnet, die beim Strom mit sage und schreibe plus 400 Prozent.

Anschaffung nach rund sechs Jahren amortisiert

Zwar spart Meijlink nun im Vergleich zu seiner alten Heizung jährlich rund 1400 Euro, es hätten laut den Berechnungen des Anbieters aber deutlich über 3000 Euro sein sollen. Und hier liegt für den Ruheständler der Hase im Pfeffer. Denn die Anschaffung der Brennstoffzellenheizung sollte sich nach rund sechs Jahren amortisiert haben. Mit den erzielten Werten kommt Meijlink nun aber auf 14 Jahre.

„Dadurch erleide ich Verlust.“ Wäre die Prognose im Vorfeld so ausgefallen wie die realen Verbrauchswerte, „hätte ich das Gerät nicht gekauft“, so Meijlink.

Energy World GmbH hält dagegen: „Sehr positive Entwicklung“ Die Siegener Zeitung hat die EW Energy World GmbH um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen von Edwin Meijlink gebeten. Der Wortlaut: „Unsere Wirtschaftlichkeitsberechnung ist nur eine Schätzung bzw. eine theoretische Entwicklung der Verbräuche. Diese Berechnung steht und fällt mit den angegebenen Anfangswerten. Hier wurde uns am 19. Januar 2019 im Gespräch mit der Familie Meijlink für die Kalkulation ein Gasverbrauch von 50 000 Kilowattstunden angegeben. Dieser Wert entspricht nicht dem der vorliegenden Abrechnung vom 8. Mai 2018 mit 59 794 Kilowattstunden per anno. Durch diese erhebliche Diskrepanz ist die Berechnung schon nicht mehr aussagekräftig. Wir denken, dass es mit einer Gasverbrauchsminderung von knapp 60 000 Kilowattstunden im Jahr 2017/18 auf 40 000 Kilowattstunden im Jahre 2019/20 eine sehr positive Entwicklung genommen hat. Mit zu bedenken ist, dass zusätzliches Gas auch zum Erzeugen von Strom benötigt wurde. Zu dem vom Kunden bemängelten erhöhten Stromverbrauch kann man sagen, dass vom Jahr 2018/19 mit 4740 Kilowattstunden auf 2019/20 auf 2576 Kilowattstunden auch eine erhebliche Senkung erkennbar ist. Demgegenüber zu stellen ist, dass die Brennstoffzelle seit der Inbetriebnahme am 13. Mai 2019 eine Gesamtmenge von 7515 Kilowattstunden produziert hat. Die Gas- und Stromrechnungen, auf die wir uns beziehen, liegen uns als PDF vor. Daraus können wir nur schließen, dass die Familie Meijlink einen erheblichen Mehrverbrauch an elektrischer Energie erzeugt hat, eventuell bedingt durch den Gedanken: ,Wir machen unseren Strom jetzt selbst.’ Ebenso haben wir keinen Einfluss darauf, ob sich die Lebenssituation der Familie geändert haben könnte, wie z. B. heranwachsende Kinder, die mehrmals täglich Duschen, oder ob zusätzliche Personen hinzu gekommen sind. Mit zu bedenken ist, dass zur ,Corona-Zeit’ viele Menschen momentan auch vermehrt daheim sind. Stichworte sind hier: Homeoffice, Homeschooling oder Kurzarbeit, womit natürlich ein höherer Stromverbrauch erklärbar wäre.“
Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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