Auf neuem Gestänge in den Berg

In der Winterpause wurden im Besucherbergwerk »Bindweide« auf 1000 Metern Gleise verlegt

rai Steinebach. Auf neuem Gestänge 1000 Meter in den Berg, das bietet ab sofort das Besucherbergwerk »Grube Bindweide«: An Gründonnerstag gab Gebhardshains Bürgermeister Günter Schneider die neu verlegten Gleise des Besucherbergwerks frei. Dann setzte sich die Grubenbahn ruckelnd in Bewegung und ab ging es in den Berg. Kühle Luft empfing die Fahrgäste, darunter auch Bergdirektor Klaus-Siegfried Weber vom Bergamt Koblenz.

Schon auf den ersten Metern wurde deutlich, dass die Investition von Orts- und Verbandsgemeinde, aus dem Investitionsstock des Landes gefördert, sich gelohnt haben. Weniger holprig als bisher fahren die Gäste künftig in den Berg ein. Auf einer Strecke von 1000 Metern verlegte in der vergangenen Winterpause eine Spezialfirma aus Thüringen 1400 Stahlschwellen und insgesamt 2000 Meter Gestänge. So nennt der Bergmann die Gleise. »Aus einem holprigen Feldweg ist eine asphaltierte Straße geworden«, sagte Weber nach der Eröffnungsfahrt. »Das hier ist ein lebendiges Zeugnis vom ehemals blühenden Siegerländer Erzbergbau«, lobte er. In der »Grube Bindweide« erlebe der Besucher hautnah, wie einst Bergbau betrieben worden sei.

Als die Bergleute in der Zeit von 1851 bis 1931 in die Grube einfuhren, gab es keine Grubenbahn. Die ehemals vorhandenen Schienen seien überall gewesen, nur nicht mehr im Bergwerk, erinnerte sich Schneider an die erste Begehung der stillgelegten Grube im Jahre 1971. Erst mit der Eröffnung des Besucherbergwerks nahm erstmals auch die Grubenbahn ihren Dienst auf. Allerdings waren damals, wie Schneider berichtete, gebrauchte Schienen von unterschiedlichen Bergwerken verlegt worden. »Es sollte damals gespart werden.« Jährliche Reparaturen waren unabdingbar, bis schließlich »krampfhaft« an weiteren gebrauchten Schienen gesucht wurde.

Diese Problematik wurde nun mit neuem Gestänge für Jahrzehnte aus der Welt geschafft. Die Maßnahme war Teil einer Sanierung, bei der in der nächsten Winterpause die Elektrik erneuert werden soll. Insgesamt seien für die Gesamtmaßnahme zunächst rund 225000 e veranschlagt gewesen. Schneider geht davon aus, dass die Gesamtkosten der Sanierung nur noch 170000 e betragen werden. Rund 1,25 Mill. e, so Ortsbürgermeister Hans-Joachim Greb, seien bis heute in das Besucherbergwerk investiert worden. »Eine wichtige und teure Sache.« Denn: »Fast ein Drittel der Schulden unserer Gemeinde stecken in der Tradition des Bergbaues«, merkte Greb an, der auch den engagierten Helfern des Fördervereins dankte. Seit Eröffnung im Jahr 1987 waren 247118 Besucher in das Bergwerk Bindweide eingefahren.

Einer davon ist Dieter Lochotzki, der 38 Jahre bis zu 1400 Meter unter Tage gearbeitet hat. Als Fahrsteiger war Lochotzki im Steinkohlebergbau in Dinslaken aktiv. Als Rentner verschlug es ihn dann in den Westerwald, wo er seinen Beruf zum Hobby machte. Bei der Eröffnungsfahrt begleitete er die SZ durch das weitläufige Wegenetz der »Grube Bindweide« und erzählte von den Unterschieden zwischen dem Erz- und Steinkohlebergbau. In der »Bindweide« waren fünfeinhalb Millionen Tonnen Erz abgebaut worden. Weitere elf Millionen schlummern in dem Bergmassiv, aber der Abbau rentiert sich nicht mehr. Während Lochotzki davon berichtete, tropfte es überall von den Stollenwänden. »Etwa drei Kubikmeter Wasser dringen pro Minute in den Stollen«, so der pensionierte Bergmann.

Eigener Film geplant

Zu Fuß, vorbei an der ehemaligen Pulverkammer, an Abbruchstellen und Stollen mit Frauennamen wie »Mathilde« und »Adelheid« - »gute Vorkommen bekamen immer Frauennamen« - geht es wieder zum Ausgang. Unterwegs zeugen überall rostbraune, weiche Ablagerungen vom Erzvorkommen. Im Rahmen des 15-jährigen Bestehens des Besucherbergwerks, im Jahre 1987 eröffnet, wird im Sommer ein Dokumentarfilm herausgegeben. Das Drehbuch unter dem Filmtitel »Grube Bindweide - Historisches Eisenbergwerk im südlichen Siegerländer Spateisenbezirk« stammt von Willi Eckardt (Elkenroth). Von Anfang April bis Ende Mai soll gedreht werden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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